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Nach Lausitz-Unfall: GT-Masters-Lamborghini als DTM-Ersatz

Das Team T3 Motorsport muss beim DTM-Rennwochenende auf dem Lausitzring nach dem schweren Unfall von Esmee Hawkey eine Extra-Schicht einlegen.
von Marton, Seiwert & Wester

Motorsport-Magazin.com - Esmee Hawkey erlebte im dritten Rennen der DTM-Saison 2021 einen rabenschwarzen Tag. Die britische DTM-Neueinsteigerin erwischte auf dem Lausitzring zunächst zwar einen guten Start, kurz nach Beginn der zweiten Runde verlor sie in der berüchtigten Turn-1-Ovalkurve jedoch die Kontrolle über den Lamborghini Huracan ihres Teams T3 Motorsport, drehte sich mehrfach und schlug schließlich mit hoher Geschwindigkeit in die Mauern ein.

Die 23-Jährige wurde anschließend ins Medical Center an der Rennstrecke zu einem Gesundheitscheck eingeliefert und konnte wenig später grünes Licht geben - was allerdings nicht für ihren GT3-Lamborghini galt.

Zunächst hatte Hawkey zwar vermutet, dass der Schaden am Italo-Sportler nicht so groß sei und einem Antritt am Sonntag auf dem Lausitzring damit nichts im Wege stehen würde. Nach dem Rennen stellte sich allerdings heraus, dass der Bolide durch den Aufprall einen größeren Schaden davongetragen hatte als ursprünglich erwartet.

Beim Crash in der überhöhten Turn-1-Kurve, wo die GT3-Autos Geschwindigkeiten von rund 240 km/h erreichen, wurde das Chassis des Lamborghini so stark beschädigt, dass es nicht mehr eingesetzt werden kann. Das würde per Reglement einen Ausschluss vom weiteren Verlauf des Rennwochenendes bedeuten.

Aber: Das in Dresden beheimatete T3 Motorsport um Teamchef Jens Feucht hatte für das zweite Rennwochenende der DTM und angesichts der unbekannten und seit 2006 nicht mehr genutzten Turn-1-Streckenvariante sicherheitshalber einen weiteren Lamborghini Huracan GT3 im Truck - jenes Fahrzeug, welches das junge Team dieses Jahr im ADAC GT Masters einsetzt. Nach unseren Informationen haben auch andere Hersteller bzw. Teams sogenannte Spare Cars dabei.

Um Hawkey die Möglichkeit zu geben, weiter am Geschehen in der Lausitz teilnehmen zu können, hat T3 nach Informationen von Motorsport-Magazin.com einen Antrag bei der ITR gestellt, das eigentlich fürs GT Masters vorgesehene Fahrzeug an diesem Sonntag in der DTM einzusetzen. Die ITR hat grünes Licht gegeben, wollte sich zur Absicherung aber noch die Unterschriften aller weiteren Teams einholen. Am Samstagabend sagten schließlich alle Vertreter zu und ein Dutzend T3-Mototsport-Mitarbeiter setzte die Akkord-Arbeit am Auto fort.

DTM 2021 Lausitzring: Samstagsrennen als Zusammenfassung: (03:48 Min.)

Mechaniker des Teams hatten bereits am Nachmittag begonnen, den Austausch-Lamborghini vorzubereiten und mit den passenden Beklebungen und weiteren technischen Änderungen anzupassen - das würde eine kräftezehrende Nachtschicht ersparen, sollten die ITR und die restlichen DTM-Teams dem Vorhaben zustimmen.

Teamchef Jens Feucht zu Motorsport-Magazin.com: "Jetzt müssen wir nicht nur einen Lambo, sondern auch Esmee aufbauen. Sie ist wegen des Unfalls enttäuscht und total frustriert."

Foto: Motorsport-Magazin.com

"Ich hatte einen guten Speed und das Team eine gute Strategie. Die Hoffnung auf ihr bestes DTM-Resultat war groß, "zumal ich mich im Auto und auch beim Durchfahren der Ovalkurve wohl gefühlt habe", meinte Hawkey, die sich nicht erklären kann, was der Grund für den Abflug war. "Vielleicht bin ich ein bisschen von der Linie abgekommen, oder hatte Dirty Air... Fakt ist, die Chance, dass Auto abzufangen, lag gleich bei null, denn dafür war ich zu schnell."

Sie lobte das Team ausdrücklich für den Einsatz und hoffte, dass die ITR ihrer Truppe Grünes Licht gibt, damit sie mit dem 'GTM-Lambo' an den Start gehen kann. Dafür würde die Mannschaft auch auf Schlaf verzichten, denn schließlich sei der Start in der Lausitz das "Heimspiel" für das Dresdner Team.

Foto: Speedpictures

Teamkollege Esteban Muth, der über sein Management an T3 Motorsport vermittelt wurde und der von einer "idealen Nachwuchsförderung" spricht, lobte die "gegenseitige Wertschätzung" und ist beeindruckt, wie professionell das Team arbeitet. "Es macht richtig Spaß zu sehen, was wir mit unseren Mitteln erreichen können."

Das ist in der Tat aller Ehren wert, wie die Startplätze fünf für beide Monza-Rennen und jetzt sogar als Vierter des Qualifyings in der Lausitz mit der zweiten Startreihe. Muth: "Ich liebe Turn 1 wegen seiner Herausforderung, das ist Adrenalin pur." Es sei für alle die gleiche Herausforderung, denn jeder müsse ein perfektes Set-up für die Ovalkurve und das Infield finden. "Ich freue mich schon auf den morgigen Tag!"


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