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DTM, Test Lausitzring: Mercedes-Bestzeit ohne Aussagekraft

Wie am Hockenheimring geben die Fahrer in Mercedes-Fahrzeugen den Ton an. Die Aussagekraft der Zeiten ist aber noch begrenzt.
von Daniel Geradtz & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Die DTM hat am heutigen Dienstag ihre letzten offiziellen Testfahrten für die Saison 2021 auf dem Lausitzring begonnen. In der ersten, 2:25 Stunden dauernde Session war die Piste überwiegend nass. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer auf trockenem Asphalt 2:05 Stunden zur Verfügung, um sich auf der 4,570 Kilometer langen sogenannten Grand-Prix-Variante auf die erste Saison der traditionsreichen Motorsportserie mit GT3-Fahrzeugen vorzubereiten. Bei besseren Bedingungen unterboten die Piloten ihre Zeiten vom Vormittag. Maximilian Götz im Mercedes-AMG GT3 des Haupt Racing Teams (HRT) fuhr mit 1:43,840 Minuten die Tagesbestzeit. Dahinter folgten mit Daniel Juncadella (Gruppe M), Philip Ellis, Lucas Auer (beide Winward) und Arjun Maini (Getspeed) vier weitere Piloten in einem Mercedes-Sportwagen.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com haben die am Dienstag erzielten Zeiten aber überhaupt keine Aussagekraft. Das bezieht sich vor allem auf die Teams, die mit einem Mercedes-AMG GT3 in die Lausitz gereist sind. Vier von ihnen (HRT, GruppeM, Winward und GetSpeed) waren für die Top-5-Zeiten innerhalb von 0,568 Sekunden zuständig.

An den kommenden beiden Tagen sollen die zehn anwesenden Teams Wunschvorgaben der ITR in Verbindung mit Partner AVL umsetzen. Diese betreffen nach Informationen von Motorsport-Magazin.com die Fahrzeughöhe, die Aerodynamik und den Tankinhalt (30 Kilogramm). Die in der Lausitz angewendete, sogenannte Vorbereitungs-Balance-of-Performance (VBoP) hat nichts mit der BoP zu tun, die beim ersten DTM-Event der Saison 2021 in Monza (18. bis 20. Juni) zum Einsatz kommen soll.

Schon beim ersten ITR-Test auf dem Hockenheimring wurde eine BoP verwendet, die nicht auf eine Leistungsangleichung abzielte. Stattdessen war das Interesse von ITR und AVL, den maximalen Leistungsoutput der Fahrzeuge zu messen. Damals hatten in der kumulierten Zeitenliste beider Testtage sogar sechs Mercedes-AMG GT3 die Zeitenlisten angeführt.

Albon bester Nicht-Mercedes-Fahrer

Der vormalige Formel-1-Pilot Alexander Albon war im Ferrari von AF Corse auf Platz sechs der beste Nicht-Mercedes-Fahrer am Dienstag. Ihm fehlten rund sechs Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Götz.

Knapp dahinter platzierte sich Nick Cassidy. Der Neuseeländer ließ den ersten gemeinsamen Test der DTM-Teams Anfang April auf dem Hockenheimring aus, da er frühzeitig die Reise zum Formel-E-Event nach Rom antrat. Cassidy wird sich in diesem Jahr den Ferrari 488 GT3 im AlphaTauri-Design mit Albon teilen und immer dann zum Einsatz kommen, wenn der Thailänder seinen Verpflichtungen für das Formel-1-Team von Red Bull nachgeht. Während des ersten Testtags auf dem Lausitzring pilotierte er allerdings jenen Boliden, in dem an den Rennwochenenden Liam Lawson als Vollzeitfahrer Platz nehmen wird. Der Neuseeländer fehlte am Dienstag.

Flörsch erstmals im Abt Audi

Kelvin van der Linde führte auf Platz acht am Nachmittag die interne Audi-Wertung an. Auch bei Abt ist Cockpit-Sharing angesagt. Der Südafrikaner übernahm den Audi R8 LMS GT3 mit der Startnummer #3 von Mike Rockenfeller, der die erste Session bestritt. Dabei handelt es sich um das Fahrzeug, mit dem van der Linde die Saison bestreiten wird. Beim Hockenheim-Test teilten sich die Fahrer noch Rockenfellers Audi.

DTM-Novizin Sophia Flörsch nahm erstmals mit dem für sie bestimmten Abt-Audi an den ITR-Testfahrten teil und wurde 13. Ihr R8-Sportwagen war wie Motorsport-Magazin.com berichtet hat, mit dem "Space Drive"-System von Schaeffler Paravan ausgestattet. Bei dieser Technologie werden die Lenkbewegungen mittels elektronischer Impulse ausgeführt. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe. Bei den Testfahrten auf dem Hockenheimring pilotierte die 20-Jährige ein Fahrzeug, das nicht Abt gehört, sondern Schaeffler Paravan. Das neuartige Lenksystem ist auch in Timo Glocks ROWE-BMW M6 GT3 sowie in Gary Paffetts Mücke-Mercedes-AMG GT3 verbaut.

Space Drive! Technologie-Revolution unter der Lupe: (12:19 Min.)

Mehrere Fahrer lassen dritten Testtag aus

Das Aufgebot der BMW-Fahrer ist am Lausitzring auf zwei Fahrer reduziert. Marco Wittmann (Walkenhorst) wurde Elfter und Timo Glock (ROWE) beendete den Dienstag auf Platz 14. Beide werden am Mittwochabend die Weiterreise an den Nürburgring antreten, wo ihre Rennställe am kommenden Wochenende das Qualifikationsrennen für den 24-Stunden-Klassiker in der Eifel bestreiten werden. ROWE setzt dort denselben M6 GT3 ein und muss ihn an das dort geltende Reglement anpassen. Sheldon van der Linde (ROWE-Racing) wird gänzlich beim Lausitz-Test fehlen. Ihm stehen nach Informationen von Motorsport-Magazin.com arbeitsreiche Tage bevor. Der Ersatzfahrer des BMW-Formel-E-Teams wird bis Samstag beim Monaco ePrix sein und von dort an den Nürburgring reisen, wo der Südafrikaner gemeinsam mit Marco Wittmann, Martin Tomczyk und Connor de Phillippi im ROWE-BMW am Qualirennen teilnimmt.

Auch Gary Paffett (Mücke) und Nico Müller (Rosberg) werden den DTM-Test vorzeitig beenden, da sie zum Formel-E-Events nach Monte Carlo reisen. Beide ließen auch beim Test auf dem Hockenheimring den letzten Tag aus, weil dieser mit den Vorbereitungen zum Rom ePrix kollidierte. Mücke greift deshalb am Donnerstag - und wie schon in Hockenheim - auf die Dienste von GT3-Ass Maximilian Buhk zurück.

Wie angekündigt verzichtet Esteban Muth im Lamborghini Huracan GT3 von T3 Motorsport auf die Testgelegenheit auf dem Lausitzring, wo am Mittwoch und Donnerstag das Testprogramm der DTM mit jeweils zwei Sessions pro Tag ab 10:35 Uhr fortgesetzt wird.

Kumulierte Ergebnisse des offiziellen ITR-Tests auf dem Lausitzring

Position Fahrer Team Runden Zeit
1. Maximilian Götz HRT Mercedes-AMG 94 1:43,840 Minuten
2. Daniel Juncadella GruppeM Mercedes-AMG 61 +0,320
3. Philip Ellis Winward Mercedes-AMG 58 +0,339
4. Lucas Auer Winward Mercedes-AMG 56 +0,483
5. Arjun Maini GetSpeed Mercedes-AMG 85 +0,568
6. Alex Albon AF Corse Ferrari 75 +0,606
7. Nick Cassidy AF Corse Ferrari 92 +0,683
8. Kelvin van der Linde Abt Audi 26 +0,856
9. Gary Paffett Mücke Mercedes-AMG 70 +1,131
10. Nico Müller Rosberg Audi 70 +1,144
11. Marco Wittmann Walkenhorst BMW 61 +1,276
12. Vincent Abril HRT Mercedes 92 +1,362
13. Sophia Flörsch Abt Audi 58 +2,007
14. Mike Rockenfeller Abt Audi 70 +2,479
15. Timo Glock ROWE BMW 37 +2,506
16. Dev Gore Rosberg Audi 72 +3,559

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