DTM

BMW-Ikone Alex Zanardi in Fuji: Aus dem DTM-Autos aufs Handbike

Alex Zanardi ist in Fuji in doppelter Mission unterwegs. Die BMW-Motorsportlegende nutzt das Dream Race auch zur Vorbereitung auf die Paralympics 2020.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Ikone ist zurück im DTM-Auto: Alex Zanardi startet beim Dream Race zwischen DTM und Super GT in Fuji noch einmal für BMW im Tourenwagen. Neben dem zweifachen Champion Marco Wittmann und Lokalmatador Kamui Kobayshi komplettiert der Italiener in Japan das Trio des Autobauers aus München.

Doch Zanardi wäre nicht Zanardi, würde er in Fuji ausschließlich seine Runden im Rennwagen drehen. Der 53-Jährige nutzte die Zeit zwischen den Testfahrten am Donnerstag und sattelte flugs auf sein Handbike um, mit dem er bei den Paralympischen Spielen in London 2012 und Rio 2016 bereits vier Goldmedaillen gewonnen hat.

Nächstes Ziel: Paralympics 2020

Sein nächstes Ziel ist nun die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio, bei denen ausgerechnet der Fuji Speedway Austragungsort der Paracycling-Wettbewerbe sein wird! Vor dem Dream Race bot sich Zanardi die Gelegenheit, die Besonderheiten der 4,563 Kilometer langen Strecke mit seinem vertrauten Handbike zu erkunden und so erste Erkenntnisse zu sammeln.

"Ich habe jetzt eine sehr gute Ahnung davon, worauf ich mich vorbereiten muss", sagte Zanardi. "Ich nehme wichtige Informationen mit nach Hause, die mir zum einen aus technischer Sicht helfen können, denn ich möchte ein neues Handbike entwickeln, und auch in der körperlichen Vorbereitung. Jede Strecke hat andere Anforderungen, und man kann sein Training an die jeweiligen Eigenheiten der Strecke anpassen."

Zanardi hofft, dass er von seinen Fähigkeiten als Rennfahrer profitieren kann, sollte es ihm gelingen, sich für die Paralympics im kommenden Jahr zu qualifizieren. Die Chancen stehen gut für den Ausnahmeathleten, der in Folge eines schweren Unfalls 2001 auf dem Lausitzring beide Beine verlor.

Premiere im Turbo-Tourenwagen

"Aber es gibt noch viel Arbeit zu tun, denn dieser Kurs ist ganz anders als die, auf denen wir bisher gefahren sind", so Zanardi nach seiner Erkundungstour. "Es ist aufregend, und ich bin BMW sehr dankbar für die Möglichkeit, hier in Fuji dabei zu sein. Vor allem natürlich, weil ich am Wochenende den wunderbaren BMW M4 DTM fahren kann, zum anderem aber auch aus diesem Grund."

Beim Dream Race startet Zanardi zum ersten Mal in einem Tourenwagen der neuen Turbo-Generation. Mit dem alten V8-Boliden trumpfte der Italiener 2018 bei seinem DTM-Gaststart in Misano auf und erzielte bei regnerischen Bedingungen sensationell den fünften Platz.

Wittmann: Gute Ergebnisse als Sahnehäubchen

In Fuji muss sich Zanardi zunächst an das ihm unbekannte Auto gewöhnen. Doch allein seine Teilnahme kann als Erfolg angesehen werden. "Er ist eines meiner Vorbilder und es großartig, was er leisten kann", sagt Teamkollege Wittmann. "Es ist ganz besonders, dass er hier fährt, das sollten wir hoch bewerten. Gute Ergebnisse wie in Misano wären das Sahnehäubchen, ich hoffe aufs Beste."

Vorbild und absoluter Fan-Liebling: Alex Zanardi beim Dream Race in Fuji - Foto: BMW Motorsport

So steuert Zanardi den BMW M4

Vergangenes Jahr in Misano fuhr Zanardi zum ersten Mal ohne seine Beinprothese in einem BMW-Rennwagen. Das neue Handbremssystem erfordert weniger Kraftaufwand und ist leichter zu handhaben. Der Bremshebel befindet sich der Mittelkonsole.

Die Größe der Bremszylinder wurde leicht angepasst, damit Zanardi mit der Hand nicht genauso viel Druck aufbringen muss wie ein gewöhnlicher DTM-Fahrer mit dem Fuß. Drückt ein gewöhnlicher Fahrer 100 bis 120 Kilogramm, reichen bei Zanardi maximal 70 Kilogramm aus. Neben der Größe der Bremszylinder erleichtert auch die bessere Hebelwirkung des Handbremshebels den Bremsvorgang.

Das System, mit dem Zanardi Gas gibt, wurde aus den GT-Fahrzeugen, die zuvor für ihn umgebaut worden waren, übernommen. Die Beschleunigung erfolgt über das Ziehen mit den Fingern an einem Gasring auf der Rückseite des Lenkrads. Der durchgehende Ring kann mit beiden Händen bedient werden oder nur mit links oder rechts. Das spielt für das Funktionieren des Systems keine Rolle. Der Gasring wird über die gleichen Sensoren gesteuert wie das normale Gaspedal.


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