DTM

DTM Zolder 2019: BMW feiert überraschenden Doppelsieg

Philipp Eng gewinnt in Zolder sein erstes DTM-Rennen. BMW-Kollege Joel Eriksson Zweiter. Doppelter Ausfall für Aston Martin, Rene Rast im Pech.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Philipp Eng hat das erste Rennen der DTM in Zolder seit dem Jahr 2002 gewonnen! 17 Jahre nach der Rückkehr der Tourenwagenserie auf den belgischen Kurs setzte sich der BMW-Pilot vor Markenkollege Joel Eriksson und Audi-Pilot Nico Müller durch.

"Das hat sich länger angefühlt als jedes 24-Stunden-Rennen", sagte Sieger Eng. "Unglaublich! Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Das fühlt sich besser an als im Traum. Ich hatte natürlich auch etwas Glück. Mein Start war gut und auch der Re-Start hat geklappt."

Für den Österreicher Eng war es der erste Sieg in der DTM sowie der dritte Podesterfolg in seinem zweiten Jahr in der Tourenwagenserie. Der 29-Jährige profitierte genau wie Eriksson und der Schweizer Müller von einer Safety-Car-Phase zur Rennmitte, ausgelöst durch einen doppelten Ausfall des Aston-Martin-Duos Dani Juncadella/Jake Dennis.

Wittmann: Durch Safety Car alles verloren

Eng, Müller und Eriksson hatten vor dem Beginn der Safety-Car-Phase ihre Pflicht-Boxenstopps eingelegt und profitierten wenig später dank des Performance-Vorteils. Im Gegenzug erwischte es Pole-Setter Marco Wittmann und auch Bruno Spengler, der das Rennen nach einem Bomben-Start lange Zeit angeführt hatte.

Wittmann und Spengler wechselten ihre Reifen erst nach dem Safety Car und fielen letztendlich auf die Plätze 7 und 10 zurück. "Durch das Safety Car haben wir alles verloren", ärgerte sich der Meisterschaftsführende Wittmann. "Das ist ärgerlich. Wenn du von hinten startest, kannst du das Risiko eines frühen Stopps eingehen. Als Führender kannst du das nicht. So war es die letzten Jahre auch, aber vielleicht sollte man diese Regel überdenken und einen Boxenstopp auch während des Safety Car erlauben. Dann würdest du nicht so viel verlieren. Hier verlierst du 50 Sekunden, das kannst du nicht mehr zufahren."

Audi-Armada hinter BMW-Duo

Hinter dem Doppelsieger-Duo Eng/Eriksson folgte eine echte Audi-Armada: Müller, Loic Duval (trotz 5-Sekunden-Boxenstopp-Strafe), Mike Rockenfeller (nach Start vom letzten Platz) und Jamie Green beendeten das Rennen auf den Plätzen drei bis sechs.

Dieter Gass, Audi-Motorsportchef: "Ein schwieriges Rennen, das Safety Car hat für viel Action gesorgt. Leider gab es nicht viele Überholmanöver. Das ist unglücklich für uns. Wir waren zeitweise etwas schneller, konnten aber nicht überholen. Am Ende wurden es die Plätze drei bis sechs. Das müssen wir uns anschauen und morgen stärker daraus hervorgehen."

Paul Di Resta heimste mit Platz acht die nächsten Punkte für DTM-Neueinsteiger R-Motorsport ein. Der Schotte und DTM-Champion von 2010 legte im Verlauf des Rennens zwei Reifenwechsel ein. Mit Markenkollege Ferdinand Habsburg, der ebenfalls aus den letzten Reihen gestartet war, schaffte es ein zweiter Fahrer im Aston Martin Vantage als Neunter in die Punkte.

Technik-Defekt sorgt für Rast-Ausfall

Rene Rast erlebte einen bitteren Samstag in Zolder. Nach seinem sensationellen Sieg vor zwei Wochen in Hockenheim, startete der amtierende Vize-Meister vom zweiten Platz. Wegen eines technischen Defekts musste der Audi-Pilot in Runde 30 die Segel streichen. "Der technische Defekt war schade, aber nach der Safety-Car-Phase war es eh gelaufen", sagte Rast, der bis zu seinem Boxenstopp in Runde 26 auf den siebten Platz zurückgefallen war.

Die Meisterschaft: Marco Wittmann behält trotz des siebten Platzes die Führung in der Meisterschaft. Nach drei Rennen hat der zweifache Champion 43 Punkte auf dem Konto. Neuer Zweiter ist Philipp Eng nach seinem ersten DTM-Sieg, der Österreicher kommt auf 40 Zähler. Gesamtdritter ist Nico Müller mit 37 Punkten und damit bestplatzierter Audi-Fahrer. In der Hersteller-Wertung liegt Audi mit 155 Punkten an der Spitze. BMW sammelte bislang 147 Zähler, den dritten Platz belegt R-Motorsport mit 15 Punkten.

DTM Zolder: So lief das Samstags-Rennen

Die Startaufstellung: Marco Wittmann erzielte seine zweite Pole Position in der laufenden Saison sowie die zwölfte seiner DTM-Karriere. Der BMW-Pilot setzte sich mir nur 0,042 Sekunden Vorsprung vor dem amtierenden Vize-Meister Rene Rast durch. Fünf BMW fuhren in die Top-8 der Startaufstellung, Bruno Spengler und Rookie Sheldon van der Linde teilten sich die zweite Startreihe. Bestplatzierter Fahrer von Neueinsteiger R-Motorsport war Jake Dennis auf dem 13. Platz. Seine Teamkollegen Daniel Juncadella, Paul Di Resta und Ferdinand Habsburg (Motorwechsel vor Qualifying) landeten auf den Plätzen 15, 17 und 18.

Der Start: Bruno Spengler erwischte von P3 einen echten Raketenstart und übernahm die Führung vor Marco Wittmann und Rene Rast. Wittmann musste sich in den ersten Kurven heftig gegen den Audi-Rivalen zur Wehr setzen, behielt aber die Oberhand. Dahinter verteidigte Rookie Sheldob van der Linde die vierte Position, während sich Philipp Eng im BMW vom siebten auf den fünften Platz verbesserte. Timo Glock fiel von Startplatz sechs um zwei Positionen zurück.

Der Re-Start: Nach dem Doppel-Ausfall der Aston Martin und einer folgenden Safety-Car-Phase wurde das Rennen zur 20. Runde wieder freigegeben. Spengler blieb kontrolliert in Führung vor BMW-Kollege Wittmann. Dahinter schaltete Rookie van der Linde schneller als Vordermann Rene Rast und übernahm nach kurzem Zweikampf den dritten Platz - Dreifach-Führung für BMW! Der Rennleiter entschied, das Rennen wegen der Safety-Car-Phase um zwei Runden zu verlängern.

Die Boxenstopps: Paul Di Resta kam mit seinem Aston Martin schon nach der ersten Runde zum Reifenwechsel an die Box. Einen Umlauf später folgte Markenkollege Ferdinand Habsburg. Und auch Mike Rockenfeller, der wegen Arbeiten an seinem Audi nach dem Qualifying von ganz hinten starten musste, versuchte es mit einer frühen Boxenstopp-Strategie nach der zweiten Runde.

Den vierten Boxenstopp des Rennens legte BMW-Youngster Joel Eriksson in Runde 9 ein. Zwei Runden danach folgte mit Jamie Green aus dem Mittelfeld heraus der zweite Audi-Fahrer. In Runde 12 saß Loic Duval (Audi) zunächst seine 5-Sekunden-Strafe ab und ließ anschließend einen frischen Satz der Hankook-Reifen aufziehen. Ebenfalls in der Box: Philipp Eng (BMW), Nico Müller (Audi) und Jonathan Aberdein (WRT-Audi, Runde 13).

Habsburg, Di Resta und Rockenfeller nutzten die Safety-Car-Phase in Runde 13 für einen zweiten Reifenwechsel, um sich für den weiteren Verlauf des Rennens einen Performance-Vorteil zu verschaffen.

Nach der Safety-Car-Phase bog der Führende Spengler in Runde 20 zu seinem Pflicht-Stopp an die BMW-Box ab. Auch van der Linde, Glock, Frijns und Fittipaldi nutzten den 20. Umlauf für ihren verpflichtenden Reifenwechsel.

Zu diesem Zeitpunkt hatten nur Marco Wittmann und Rene Rast noch nicht gestoppt. Das Duo kam dann in Runde 26 zusammen an die Box, nachdem der Audi-Pilot zuvor schon auf den sechsten Platz - vermutlich wegen technischer Probleme - zurückgefallen war. Wittmann ordnete sich nach dem Reifenwechsel auf der 13. Position ein, Rast war 15.

Die Zwischenfälle: Die drei Audi-Piloten Robin Frijns (von P5), Pietro Fittipaldi (von P11) und Loic Duval (von P14) kassierten wegen eines Frühstarts jeweils eine 5-Sekunden-Boxenstopp-Strafe. In Runde 25 kassierte Rookie Jonathan Aberdein eine Verwarnung, weil der Markenkollege Loic Duval von der Strecke gedrängt hatte.

Die Ausfälle: Horror-Runde für R-Motorsport im 12. Umlauf: Zunächst segelte Daniel Juncadella mit seinem Aston Martin auf dem Weg zur Box von der Strecke, nur Augenblicke später musste auch noch Teamkollege Jake Dennis seinen qualmenden Boliden eingangs der Boxengasse abstellen. Der doppelte Ausfall sorgte für eine Safety-Car-Phase von der 14. bis zur 19. Runde.

In Runde 30 musste Rene Rast seinen Audi an der Box parken - bitter, nachdem er das Rennen von Platz zwei aufgenommen hatte. "Zum Schluss war es leider die Technik, ich habe Leistung verloren", sagte Rast. "Das Safety Car hat auch nicht geholfen. Ich war zu diesem Zeitpunkt Dritter. Dann hat das Safety Car alles durcheinandergewürfelt. Der technische Defekt war schade, aber nach der Safety-Car-Phase war es eh gelaufen."


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