DTM

DTM-Technik: So funktioniert der Turbo-Motor von BMW

BMW macht die Motorhaube auf: So sieht der neue Turbo-Motor für die DTM-Saison 2019 im Detail aus. Fotos und Erklärung des P48-Aggregats.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wenige Tage vor dem Start in die DTM-Saison 2019 auf dem Hockenheimring (03.-05. Mai) gewährt nach Audi auch BMW einen Einblick in sein Prunkstück: den brandneuen Turbo-Motor, der erstmals in den sechs BMW M4 DTM sein Werk vollrichten wird. BMW beziffert die Leistung des Aggregats mit der internen Bezeichnung P48 mit über 600 PS - Audi spricht seinerseits von über 610 PS.

Neben der reinen Leistung spielen gerade bei aufgeladenen Motoren auch die Effizienz und Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle. Die Leistung der Turbos ist durch eine reglementbedingte Durchflussbegrenzung des Kraftstoffs auf 95 kg/h limitiert. Der V8-Vorgänger hatte seinerseits eine Luftmengenbegrenzung.

Da jede Kraftstoffeinsparung mit Blick auf das Gewicht ein Plus an Leistung bedeutet, verfolgten die BMW-Ingenieure diesen Bereich konsequent in der Entwicklung. Der Autobauer aus München spricht von einer Effizienzsteigerung um 10 Prozent im Vergleich zum V8-Vorgänger, der 20 Jahre lang in der DTM zum Einsatz kam.

Dazu trug die von den BMW Serienmotoren bekannte Hochdruck-Direkteinspritzung genauso bei wie eine in vielen Simulationen und Versuchen erprobte Gemisch-Aufbereitung und Verbrennung, die einen Betrieb im sogenannten Magerbetrieb erlaubt. Eine Minimierung der Reibungsverluste, wie durch das Ölsystem, und der Einsatz von hochwärmebeständigen Komponenten, die keine Kühlung durch Kraftstoff benötigen, sorgen die zusätzliche Effizienz des P48-Motors.

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Die DTM-Turbos sind auf rund 6.000 Kilometer ausgelegt. Jedes Team kann in der Saison 2019 bei den insgesamt 20 Veranstaltungen drei Motoren (1,5 pro Fahrzeug) einsetzen. Diese Limitierung im Reglement ist aus Kostengründen vorgenommen worden.

Wie aufwendig die Entwicklung der neuen Aggregate vonstattenging, veranschaulichte BMW mit einem prägnanten Vergleich: Für die finale Baugruppe des Motors, der aus etwa 2.000 Einzelteilen besteht, wurden 1.005 Zeichnungen angefertigt. Aneinandergelegt bedecken sie den Boden einer 250 Quadratmeter großen Wohnung.

Noch mehr Vergleiche gefällig? Der Turbolader des P48 drückt 400 Liter Luft pro Sekunde in den Motor - 3.500 Mal so viel, wie ein Mensch atmet. Die Kolben beschleunigen von null auf 100 km/h in weniger als einer Tausendstelsekunde - 1.200 Mal schneller als eine Mondrakete. Die Wasserpumpe setzt in einer Stunde zirka 18.000 Liter um. Eine Badewanne würde sich so in zirka 20 Sekunden füllen.

Der P48-Motor verfügt über ein Trockensumpf-System. Das zur Schmierung im Motor benötigte Öl wird ohne Ölpanschverluste sofort wieder abgesaugt. Bestandteil dieses Systems ist auch der Öltank, der direkt am Motor befestigt ist. Eine effiziente Ladeluftkühlung erlaubt ebenfalls die Steigerung von Leistung und Wirkungsgrad.

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Nebenaggregate wie Starter und Generator sind nicht mehr am Motor, sondern am hinten liegenden Transaxle-Getriebe montiert. Zudem wird die Drosselklappe elektrisch bewegt. Statt offener Zündkabel sind die elektrischen Leitungen beim P48 in einer ebenfalls aus Karbon gefertigten Kabelkanalhaube geschützt geführt.

BMW feiert 2019 ein besonderes Jubiläum: Vor genau 50 Jahren traten die Münchner erstmals mit einem Turbo-Motor im Rennsport an. 1969 sicherte sich BMW mit Dieter Quester m BMW 2002 TI den Titel in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Für den nötigen Vortrieb sorgte damals der erste BMW Turbo im Rennsport mit der Typenbezeichnung M121.


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