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Exklusiver DTM-Testvergleich: Audi mit Turbo-Auto im Vorteil

Motorsport-Magazin.com liefert exklusive Zahlen zu den Testfahrten mit den neuen Turbo-Autos der DTM. Audi hat einen deutlichen Vorteil gegenüber BMW.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Die DTM erlebt mit dem neuen Class-One-Reglement und der Einführung des Turbo-Motors ihre größte Umwälzung seit 20 Jahren. Der Abschied der V8-Aggregate, die seit der 'neuen DTM' ab 2000 zum Einsatz gekommen waren, stellt die Ingenieure von Audi, BMW und auch DTM-Neueinsteiger R-Motorsport mit dem Aston Martin Vantage vor eine große Herausforderung.

Gordian von Schöning muss es wissen. In der Vergangenheit war er für BMW Motorsport und die HWA AG tätig, seit Beginn dieses Jahres arbeitet er als neuer Director Business Unit Sport and Engineering für die DTM-Dachorganisation ITR.

Von Schöning im Interview auf der offiziellen DTM-Webseite: "Die bisherige Rangordnung könnte kräftig durcheinander gewirbelt werden und ein Team oder Hersteller, der sich im Winter besonders sorgfältig vorbereitet hat, könnte dadurch durchaus einen Vorsprung erarbeitet haben. Ich erwarte definitiv einige ungewöhnliche Ergebnisse, vor allem in den ersten Rennen."

Die Testfahrten vor dem Saisonauftakt vom 3. bis 5. Mai auf dem Hockenheimring sind so wichtig wie schon lange nicht mehr. Dabei steht der Turbo-Motor mitsamt der optimalen Kühlung und Luftzufuhr voll im Fokus der drei Wettbewerber. Es gilt wie auch in der Formel 1: die neuen DTM-Autos müssen Kilometer um Kilometer abspulen, um Daten für die weitere Entwicklung zu generieren.

Audi mit deutlich mehr Kilometern als BMW

Dabei haben sich zwischen Audi und BMW deutliche Unterschiede ergeben, wie Motorsport-Magazin.com exklusiv recherchiert hat. Fakt ist: Audi hat bei den bisherigen sechs Testtagen in Estoril/Portugal (12.-14.11.2018) und in Jerez/Spanien (10.-12.12.2018) weitaus mehr Kilometer mit dem Turbo-Rennwagen zurückgelegt als BMW.

In der Summe hat der Audi RS 5 DTM 692 Kilometer mehr auf dem Tacho als der BMW M4 DTM. Das entspricht rund vier Renndistanzen auf dem Hockenheimring. Sowohl in Estoril im November als auch im Dezember in Jerez war Audi der Konkurrenz aus München in Sachen Kilometerpensum überlegen.

Auf dem Circuito do Estoril (4,360 km) legten Vize-Meister Rene Rast, Mike Rockenfeller und Nico Müller im Audi 326 Runden (1421,360 km) zurück. Dagegen schafften Bruno Spengler und Marco Wittmann mit dem BMW nur 215 Runden (937,400 km).

Estoril-Test (4,360 km) Runden Kilometer
Audi 326 1421,36
BMW 215 937,4
Differenz 111 483,96

Auch beim vier Wochen späteren, dreitägigen Test in Jerez hatte Audi die Nase vorn. Müller und Rockenfeller spulten auf dem 4,428 km langen Kurs gemeinsam 329 Runden (1456,812 km) ab. Bei BMW absolvierte Bruno Spengler mit 246 Runden die meisten aller Turbo-Fahrer - wohl auch, weil Markenkollege Wittmann bei seinem Einsatz nicht über 36 Runden hinauskam. So spulte der BMW M4 in Jerez insgesamt 282 Runden (1248,696 km) ab.

Jerez-Test I (4,428 km) Runden Kilometer
Audi 329 1456,812
BMW 282 1248,696
Differenz 47 208,116

"Bei den neuen Motoren gibt es für die Designer jede Menge zusätzliche Gehäuse- und Installations-Betrachtungen zu bedenken", erklärt von Schöning. "Es ist nicht einfach nur ein neuer Block, es müssen auch die höheren Temperaturen und die größere Anzahl an Komponenten bedacht werden; der Turbo und seine Sub-Komponenten wie Intercooler, Auspuffanlage und Waste-Gate. Das ist die Art von Dingen, die anfangs unkompliziert erscheinen, aber eine ganze Reihe kleinerer Probleme nach sich ziehen können, die dann beim Testen behoben werden müssen."

Estoril + Jerez I Kilometer
Audi 2878,172
BMW 2186,096
Differenz 692,076

Geheimsache DTM-Test

Die fehlenden Kilometer könnten sich auf das Programm von BMW bei den Testfahrten in Jerez in dieser Woche auswirken. Zum Auftakt am Dienstag konzentrierte sich BMW-Werksfahrer Spengler nach Informationen von Motorsport-Magazin.com auf Long Runs. Auf der Gegenseite standen bei Audi-Fahrer Müller offensichtlich Performance Runs auf dem Programm.

Das schlug sich in den Rundenzeiten nieder: Audi war am ersten der drei Testtage in Spanien rund eine halbe Sekunde schneller als BMW. R-Motorsport greift mit dem neuen Aston Martin Vantage DTM in Jerez erstmals ins Testgeschehen ein. Und das nicht unter den angenehmsten Bedingungen: An beiden Tagen regnete und stürmte es zum Teil stark. Somit hielt sich die Aussagekraft der Rundenzeiten vor allem am Mittwoch arg in Grenzen.

Rundenzeiten und Rundenanzahlen beim privaten Hersteller-Test in dieser Woche werden wie zuvor in Estoril und Jerez offiziell geheim gehalten.


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