DTM

DTM-Kommentar zu Budapest-Unfällen: Strafe muss sein

Sieben Menschen werden beim DTM-Chaos in Budapest verletzt. Die Empörung über die Strafen ist groß. Unverständlich, findet Redakteur Robert Seiwert.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Straße nass - Fuß vom Gas. Lernt man schon in der Fahrschule. Ganz so einfach war es beim Boxengassen-Chaos in Budapest natürlich nicht. Aber da waren auch keine Fahranfänger, sondern gestandene Profis am Werk. Und verletzten bei drei unterschiedlichen Situationen sieben Menschen zum Teil schwer. Dafür wurden Lucas Auer, Edo Mortara und Bruno Spengler nachträglich vom Rennen disqualifiziert.

Die Empörung über die Bestrafungen war groß - für mich unverständlich. Alle drei Fahrer haben eindeutig gegen das Reglement verstoßen. Dort heißt es: "Ab Auffahrt auf die Einfädelspur hat der Fahrer seine Geschwindigkeit so herabzusetzen, dass er sein Fahrzeug ohne Gefährdung anderer Teilnehmer oder Sportwarte an den Boxen zum Halten bringen kann."

Eindeutige Ansage ohne Ausnahmen. Da steht nichts von: 'Aber wenn es regnet oder die Boxengasse rutschig ist, gilt das nicht'. Hätten sie sich ans Reglement gehalten, hätten Auer, Mortara und Spengler auf dem aalglatten Beton ihre Autos unter Kontrolle halten können. So wie es in den kritischen Runden 6 und 7 auch Philipp Eng, Rene Rast, Paul Di Resta, Loic Duval und Robin Frijns umgesetzt haben.

Sieben (7!) Menschen werden verletzt und da soll es keine Strafe geben, weil die Bedingungen so schwierig waren? Sorry, so darf Motorsport nicht funktionieren. Dass es in der Boxengasse bei Regen gefährlich sein kann, wussten alle Fahrer und Teams aus dem ebenfalls nassen Training. Schon da waren Mechaniker auf dem Beton ausgerutscht. Das sollte Warnung genug gewesen sein.

Und wenn ein Fahrer dann im Rennen in die Boxengasse einbiegt, einen Krankenwagen (!) und Streckenposten mit gelben Flaggen sieht und auch noch am Funk gewarnt wird, dann muss er eben im Schritttempo durch die Box rollen.

Natürlich war es von Auer, Mortara und Spengler keine Absicht, die Gesundheit von Menschen aufs Spiel zu setzen. Überhaupt kein Zweifel, die persönliche Betroffenheit war absolut glaubwürdig. Aber Fakt ist und bleibt: Sieben Personen wurden durch sie verletzt, weil sie das Reglement nicht befolgten. Und dass eine Gefährdung von Menschen in den Regeln unter allen Umständen ausgeschlossen werden muss, sollte selbsterklärend sein.

Vielfach wurde eingeworfen, dass die spiegelglatte Betonfläche Schuld am Chaos war. Richtig, aber die kann von der Rennleitung nicht bestraft werden. Und sie selbst hat auch keine Menschen verletzt, das waren immer noch die Fahrer mit ihren Autos. Die 'Bestrafung' für Beton und Budapest ist zum einen miese Presse und berechtigte Kritik und zum anderen eine hoffentlich baldige Änderung der Boxengasse für einen Haufen Geld. Das hat aber nicht die Rennleitung zu entscheiden.

Dass die Strecke beziehungsweise die Boxengasse von der FIA im Juli 2015 grünes Licht erhielt, ist rückblickend sicherlich fragwürdig. Aber wie so oft, muss erst einmal etwas passieren, bis Handlungsbedarf besteht. Der besteht nun und das zügig. Das darf aber nicht als Ausrede für die Fahrer gelten, die sich als Profis den Bedingungen so gut wie nur irgendwie möglich anpassen müssen.


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