DTM

DTM Budapest: Mercedes wehrt sich gegen Stallorder-Vorwurf

Mercedes-Chef Fritz bezieht Stellung zu den Vorwürfen der Stallorder in Budapest. DTM-Boss Berger: Man wird nicht Meister, wenn man auf die Bremse tritt.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Es war das Riesenthema nach dem Samstagsrennen der DTM in Budapest: Hat Mercedes beim Doppelsieg durch Paul Di Resta und Lucas Auer etwa Stallorder betrieben? Und falls ja, warum überhaupt? Dass Auer im zweiten Renndrittel zweimal vor Kurve 1 das Bremspedal antippte und es seinem Markenkollegen dadurch einfach machte, ihn zu überholen, war auf den TV-Bildern deutlich zu erkennen. Warum der Österreicher aber für Di Resta Platz machen sollte, war nicht klar.

Am Samstagabend äußerte sich Mercedes-Teamchef Uli Fritz zur heiklen Situation. "Es gibt keine Ansage, dass der eine gewinnen soll und der andere nicht", sagte er am Sat.1-Mikro im Gespräch mit TV-Experte Timo Scheider. Der zweifache DTM-Meister hatte das Fass nach dem Rennen aufgemacht und sich über das Manöver der beiden Mercedes-Piloten geärgert.

Fritz weiter am Samstagabend: "Es ist völlig klar, dass es keine klassische Stallorder gab." Ein Blick auf die Meisterschaft vor dem Rennen gibt ihm rein rechnerisch Recht: Auer hatte vor dem Samstagsrennen fünf Punkte Vorsprung in der Meisterschaft auf Di Resta. Im Falle einer Stallorder wird üblicherweise der in der Gesamtwertung besser platzierte Fahrer nach vorne durchgewinkt.

Auer selbst erklärte auf der DTM-Webseite sein Bremsmanöver wie folgt: "Ich habe früh einen Boxenstopp gemacht. Ich kann mit kalten Reifen immer Megarunden raushauen. Da bin ich stark. Das habe ich gemacht und Di Resta und Nico Müller überholt. Den Reifen über 30 Runden im Fenster zu halten ist nicht einfach. Ich habe einen kleinen Drop gehabt. Dann ging es wieder."

Auer weiter: "So ein Rennen ist wie eine Wellenlinie. Zu dem Zeitpunkt waren die Audi hinter mir nicht weit weg. Da habe ich nicht an Paul gedacht, sondern an mich selbst. Wenn ich schon nicht gewinne, dann will ich wenigstens Zweiter werden. Da muss man weiterdenken. Das war es."

DTM Budapest 2018: Wiederholung und Highlights Rennen 1: (02:51 Min.)

Für Fritz eine nachvollziehbare Angelegenheit. Der Mercedes-Teamchef sprach von einer Fahrerentscheidung. "Das kann man gut finden oder nicht", meinte er. "Es war eine Fahrerentscheidung, es gab keine Ansage von uns. Wie auch? Es gibt keine Möglichkeit. Auf die Boxentafeln kannst du keine Zahlen draufschreiben, nur Namen und das Wort 'Box'." Diese Regel wurde vor mehr als einem Jahr in der DTM eingeführt, um Taktikspielchen zu verhindern.

Fritz räumte ein, dass die Aktion für den Zuschauer am Fernseher vielleicht nicht schön ausgesehen habe. Dabei bestritt er aber vehement, dass es sich um eine Stallregie im Sinne der Meisterschaft gehandelt habe: "Wir haben uns alle drauf geeinigt, dass wir das nicht mehr sehen wollen, dass ein Fahrer nach vorne geschickt wird oder ein Fahrer bevorteilt wird, um die Meisterschaft zu beeinflussen. Wenn die Jungs das für sich selbst entscheiden, wie sie gemeinsam schnell zum Ziel kommen, ist das ein legitimes Mittel."

Die Diskussionen nach dem Rennen riefen auch DTM-Chef Gerhard Berger auf den Plan. Der Onkel von Lucas Auer sagte mit etwas Abstand: "Wenn es so war, wie Lucas sagt, ist es keine unsportliche Aktion gewesen." Und: "Uli Fritz hat mir im persönlichen Gespräch gesagt, dass es keine Anweisung gab. Ich habe keinen Grund, an seiner Aussage zu zweifeln."

Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn: Für die Fans und Zuschauer ist es schwer nachvollziehbar, wenn der Führende 13 Runden vor Schluss vom Gas geht, um den Markenkollegen vorbeizulassen. Sah auch Berger so: "Ich als Rennfahrer hätte in so einer Situation ins Lenkrad gebissen und meinen Platz bis zur letzten Kurve verteidigt. Wenn ich Meister werden will, kann ich das nicht, indem ich auf die Bremse steige."


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