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DTM 2018 bei Sat.1: Die 7 Antworten zum TV-Deal

Die DTM wechselt nach 18 Jahren bei der ARD ab 2018 zu Sat.1. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen zum TV-Beben.
von Robert Seiwert

1. - Warum überträgt die ARD nicht mehr?

Nach 18 gemeinsamen Jahren gehen DTM und ARD getrennte Wege. Das Erste hatte die Tourenwagenserie seit dem Beginn der 'Neuen DTM' ab 2000 übertagen. In Folge des immer geringeren Zuschauerzuspruchs hatte sich die ARD in diesem Jahr allerdings nicht mehr für die Übertragungsrechte beworben.

Die Einschaltquoten in den vergangenen Jahren waren stetig gesunken. In der Saison 2017 schalteten im Schnitt nur noch 0,89 Millionen Zuschauer an den DTM-Rennwochenenden ein. 2016 lag der Schnitt mit 0,94 Millionen etwas höher, erreichte aber schon nicht mehr die magische Eine-Million-Grenze.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky zu Motorsport-Magazin.com: "Die ARD musste trotz intensiver Bemühungen in den letzten Jahren feststellen, dass der Zuschauerzuspruch nicht erhöht werden konnte. Deshalb ist es nun an der Zeit für neue Impulse. Vielleicht gelingt es ja den Kollegen von Sat.1, wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer für die DTM zu begeistern."

2. - Wieso fiel die Wahl auf Sat.1 als TV-Partner?

Sat.1 respektive die 7Sports, die Sportbusiness-Unit der ProSiebenSat.1 Group, hat sich die Übertragungsrechte für die Saisons 2018 und 2019 in der DTM gesichert. ProSiebenSat.1 hatte sich in diesem Jahr auf die TV-Rechte beworben, außerdem soll ITR-Boss Gerhard Berger auch mit dem österreichischen Sender Servus TV und Formel-1-Sender RTL Gespräche geführt haben. Wieso die Wahl letztendlich auf Sat.1 fiel, wurde nicht direkt begründet.

"Gemeinsam wollen wir ein innovatives und attraktives TV-Konzept aufsetzen", erklärte ITR-Geschäftsführer Achim Kostron. Gemeint ist damit wohl auch das Online-Angebot von Sat.1, das zusätzliche Übertragungsmöglichkeiten in sozialen Medien, Apps und Webseiten mit sich bringt. Gemessen an Einschaltquoten ist Sat.1 eine ganze Nummer kleiner als die ARD, durch die crossmediale Vernetzung könnte aber ein größeres Publikum erreicht werden.

3. - Was können Fans bei Sat.1 erwarten?

Sat.1 hat bereits angekündigt, der DTM mehr Sendezeit einzuräumen als es bei der ARD zuletzt der Fall gewesen war. Während das Erste am Rennwochenende täglich rund 90 Minuten der Serie widmete, sollen es bei Sat.1 immerhin 105 Minuten sein. Neben der Live-Übertragung der Rennen sind 30 Minuten für die Vorberichterstattung sowie 15 Minuten nach Zieleinlauf für Interviews und Analysen vorgesehen.

Die Qualifyings wird Sat.1 nicht im Fernsehen zeigen. Die ARD hingegen hatte die Zeittrainings live auf seinem Spartensender ONE übertragen. Ab 2018 können Fans die Qualis stattdessen auf der ran-Webseite sowie in der ran-App anschauen. Zudem will auch die DTM selbst wieder Live-Streams der einzelnen Sessions online anbieten. Der genaue Umfang wird derzeit mit den Verantwortlichen von Sat.1 diskutiert.

4. - Wer kommentiert die DTM-Rennen für Sat.1?

Das steht noch nicht offiziell fest. Vermutlich wird Andrea Kaiser einen Job innerhalb der Übertragungen übernehmen. Die Ehefrau von Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier gehört seit 2009 zum Team von Sat.1 beziehungsweise ran. In der Vergangenheit moderierte sie neben dem ADAC GT Masters (inzwischen auf Sport1) auch Spiele der Europa League.

Als Kommentar der Rennen kommt Jan Stecker in Frage. Er gehört seit 2012 zum ran-Team und kommentierte dort unter anderem das ADAC GT Masters. Seit 2016 gehörte er zudem zum Moderations-Team von Eurosport bei der MotoGP. Stecker arbeitet seit 1995 als Moderator, ab 2000 moderierte er 'Abenteuer Auto' bei kabel eins. Seine große Leidenschaft ist American Football. Seit 2012 kommentiert er den Super Bowl auf Sat.1 jährlich zusammen mit Frank Buschmann.

Wie das genaue Setup von Sat.1 bei den DTM-Übertragungen aussieht, will der Sender zu gegebener Zeit mitteilen. Die ARD hatte zuletzt auf das so genannte 'Champions am Mikrofon'-Konzept gesetzt, bei dem unterschiedliche Fahrer und Teamchefs wie Mick Schumacher, Pascal Wehrlein oder Timo Scheider neben Stammkommentator Philipp Sohmer Platz nahmen. Aus der Boxengasse berichteten zuletzt der frühere Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und Claus Lufen.

Andrea Kaiser könnte bei Sat.1 die Moderation der DTM übernehmen - Foto: ADAC

5. - Welche Vorteile bringt der Wechsel zu Sat.1?

Die DTM befindet sich nach dem angekündigten Ausstieg von Mercedes Ende 2018 im Umbruch. Die Zukunft liegt im Class-One-Reglement und japanischen Herstellern wie Toyota, Honda und Nissan. Außerdem will Gerhard Berger weitere Hersteller an Bord holen, zuletzt tauchte Volvo in den Medien auf. Da passt der Wechsel zu Sat.1 eigentlich ganz gut ins Konzept, bringt grundsätzlich frischen Wind in die Übertragungen.

Für Sat.1 ist die DTM ein Premium-Produkt, das entsprechend gepflegt werden will. 105 Minuten Übertragungszeit pro Renntag sind bereits angekündigt - 15 Minuten mehr als zu ARD-Zeiten. Einen Mehrwert erhofft sich die DTM zudem durch die Online-Angebote von Sat.1/ran, hier hatte die ARD definitiv Nachholbedarf.

Der ARD wurde nicht selten fehlende Flexibilität vorgeworfen, etwa beim vorzeitigen Übertragungsabbruch während des Norisring-Rennens oder nicht gezeigten Podiums-Feierlichkeiten. Hier erscheint Sat.1 tatsächlich besser aufgestellt, ist nicht ganz so sehr an Programmabläufe gebunden wie der öffentlich-rechtliche Sender.

6. - Welche Nachteile bringt der Wechsel?

Nach der Bekanntgabe des Senderwechsels war es die mit Abstand größte Sorge unter den DTM-Fans: Mit Sat.1 kommt Werbung während der Rennen. Das hatte es bei der ARD quasi nicht gegeben. "Die ITR hat sich mit SAT.1 auf einen verträglichen Umfang an Werbeunterbrechung verständigt. Die DTM-Fans werden nichts verpassen", teilte die Serie bereits mit.

Laut Recherchen von Motorsport-Magazin.com soll sich der Werbeumfang tatsächlich in Grenzen halten. Zwei Pausen á 6 Minuten oder drei Unterbrechungen zu je 4 Minuten samt Splitscreen-Werbung klingen realistisch und würden dem Werbekonzept anderer Rennserien auf Privatsendern folgen. Mehr als 12 Minuten Werbung pro Stunde darf ein privater TV-Sender ohnehin nicht zeigen.

Neben der Werbung spielt auch die Expertise eine wichtige Rolle in der DTM. Gerade in der politisch hochsensiblen Rennserie mit ihren Herstellern ist ein gutes Hintergrund- und Fachwissen unerlässlich - und das nicht nur bei Kommentatoren und Moderatoren. Es wird sicherlich eine Weile dauern, bis das Sat.1-Team komplett eingespielt ist.

Ein weiterer Nachteil ist die Reichweite im Fernsehen. Die ARD ist im Vergleich zu Sat.1 eine größere Hausnummer und erreicht im Schnitt ein größeres TV-Publikum. Für Sat.1 als vergleichsweise kleinem Sender könnte es schwierig werden, die von der DTM stets gewünschte Marke von einer Million Zuschauern zu knacken. Zumal Sat.1 nicht unbedingt als Sportsender wahrgenommen wird.

7. - Was sagt der Experte?

Motorsport-Magazin.com-Experte Manuel Reuter über den Wechsel der DTM von der ARD hin zu Sat.1: "In der jetzigen Situation sollte man nach vorne schauen. Wichtig war, dass die DTM wieder einen guten TV-Partner findet. Sat.1 hat einen gescheiten Vor- und Nachlauf rund um die Berichterstattung an den Rennwochenenden angekündigt. Das wurde früher ja häufig an der ARD kritisiert. Ein Fragezeichen steht hinter den Einschaltquoten. Ich glaube, dass es nicht einfach wird, die Eine-Million-Grenze zu knacken."

"Es ist mit Sicherheit positiv, eine andere Sichtweise und Denke zu haben. Die privaten Sender haben ohnehin eine ganz andere Vorstellung, wie man solche Dinge präsentiert. Ich hoffe, dass Sat.1 den richtigen Spagat zwischen Sport, Entertainment und Kompetenz finden wird."


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