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DTM

Neuer Indy Re-Start: Änderungen am Lausitzring

Der neue Re-Start in der DTM ist spektakulär, sorgte aber für Ärger. Auf dem Lausitzring kommt es deshalb zu einigen Änderungen beim Ablauf.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Der neue Double-file Re-Start in der DTM hat beim Saisonstart in Hockenheim für Spektakel gesorgt - und einige Diskussionen. Vor zwei Wochen fühlte sich Timo Glock, damals führend, unfair behandelt. In Hockenheim galt die Absprache, bis zum Re-Start-Signal mit 70 km/h in Richtung Start/Ziel-Linie zu fahren und dann beim Erlöschen der Startampel zu beschleunigen. Glocks Verfolger Jamie Green hatte allerdings konstant beschleunigt, Glock nicht richtig mitgehalten und auch dadurch die Führung verloren.

Vor dem zweiten Rennwochenende auf dem Lausitzring war der neue Re-Start ein großes Thema beim Fahrer-Briefing gewesen. Motorsport-Magazin.com weiß: Es wird Änderungen beim Ablauf des Re-Starts geben, um für fairere Bedingungen zu sorgen. Im Falle einer Safety-Car-Phase gibt nun der Führende die Pace vor. Nicht die Startampel, sondern er entscheidet, wann das Rennen wieder aufgenommen wird. Innerhalb eines definierten Startsektors beschleunigt er konstant, der Rest des Feldes muss folgen.

Vorteile der neuen Regelung

Vorteil der neuen Regelung: Der Führende kann nun nicht mehr vor Start/Ziel vom Nebenmann überrumpelt werden, sondern fährt definitiv als Erster auf die erste Kurve zu. Die Startampel gilt nun nicht mehr als Re-Start-Signal, stattdessen werden grüne Flaggen geschwenkt, wenn der Führende beschleunigt hat. So kann der Rest des Feldes erkennen, ab wann das Rennen wieder freigegeben ist.

Eine weitere Änderung ab dem Lausitzring: Hinter dem Führenden muss das gesamte Feld solange in Zweierreihen fahren, bis die jeweiligen Autos die Start/Ziel-Linie überqueren. In Hockenheim war beim Re-Start ein Großteil des Feldes schon früher auf die Außenbahnen ausgeschert, um die Vorderleute überholen zu können. "Die Idee kam von Mattias Ekström", sagte Gary Paffett zu Motorsport-Magazin.com. "In der NASCAR machen sie es auch so."

So läuft der neue Re-Start jetzt ab

1. Alle Autos reihen sich in Zweierreihen hinter dem Safety Car auf
2. Safety Car biegt in die Box ab (Scharfer Eingang in die Boxengasse in der letzten Kurve)
3. Führendes Auto gibt das Tempo vor, Rest des Feldes folgt dicht beisammen
4. Führendes Auto beschleunigt konstant bis auf ca. 110 km/h, bremsen verboten
5. In Re-Start-Zone entscheidet Führender, wann wieder Rennpace gefahren wird
6. Bis zu diesem Zeitpunkt darf Zweitplatzierter höchstens auf Höhe des Führenden fahren
7. Rest des Feldes muss bis zu Start/Ziel-Linie in Zweierreihen fahren, ausscheren verboten

Noch immer bleibt es schwierig für die Rennleitung, das Geschehen bei einem Re-Start genau zu überwachen. Durch die Anweisung, dass die jeweiligen Reihen bis zur Start/Ziellinie nicht ausscheren dürfen, soll Frühstarts automatisch vorgebeugt werden. Die Fahrer haben untereinander eingewilligt, sich an die neue Absprache halten zu wollen. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass es auch am Lausitzring im Falle einer Safety-Car-Phase samt Re-Start wieder zu Diskussionen kommen könnte...

"Die Idee dahinter war, dem Führenden einen Vorteil zu geben", erklärte Paffett. "Nachdem das Safety Car in die Box abgebogen ist, übernimmt der Führende die Kontrolle über die Formation. Wenn er an die erste Linie der Startzone angekommen ist, liegt es in seiner Entscheidung, wann das Rennen wieder beginnt. Das gibt dem Leader einen kleinen Vorteil, weil die Reaktion der anderen Fahrer etwas verzögert ist."

Turbulenter Indy-Re-Start in der DTM: (00:37 Min.)

Weniger Unfallrisiko

Dabei darf der Führende nach dem Überqueren der ersten Startzonen-Linie nicht mehr vom Gas gehen, sondern muss konstant weiter durchbeschleunigen. Ansonsten wäre das Risiko eines Unfalls zu groß. Paffett: "Durch die Zweierreihen und das neue Startprozedere liegen wir immer noch viel enger zusammen als früher bei einem Re-Start. Es wird spannend sein, aber sicherer und es bestehen weniger Chancen für einen Unfall."

Nach dem 1. Training am Freitagabend wurde das neue Re-Start-Prozedere noch einmal geübt. Das kann gerade in der Lausitz nicht schaden, wo gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. In Kurve eins wird es im Gegensatz zu Hockenheim richtig eng - das Potenzial eines Unfalls im Linksknick ist ungleich höher. "Ich denke, wir haben jetzt eine Lösung gefunden", sagte Timo Glock am Freitagmittag am Lausitzring und räumte gleichzeitig ein, sich in Hockenheim verpokert zu haben.

In Hockenheim kam der Indy-Style Re-Start schon zum Einsatz - Foto: DTM

Noch mehr Spannung dank Hankook

Sollte es am Lausitzring wieder zu einer Safety-Car-Phase kommen, bleibt es also spannend. Allerdings auch danach, wie Hankook erklärte. Beim Re-Start-Test nach dem Freitagstraining war dem Reifenlieferanten der DTM massiver Reifen-Pickup bei Audi, BMW und auch Mercedes aufgefallen. 2 bis 3 Millimeter sollen die Autos dabei aufgesammelt haben. "Dadurch verloren die Autos ihre Balance und waren schwierig zu fahren", erklärte Hankook-Ingenieur Thomas Baltes.

Der Grund: Neben der DTM sind beim Motorsport Festival auch das ADAC GT Masters und die Formel 4 am Start. Beide Serien werden von Pirelli mit Reifen beliefert und gummieren den Asphalt entsprechend ein. "Das beißt sich ein bisschen", sagte Baltes. Heiße Bedingungen wie am Freitag mit bis zu 44 Grad Asphalttemperatur werden im weiteren Verlauf des Wochenendes jedoch nicht erwartet, am Samstag könnte es sogar regnen.


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