Exklusiv
DTM

Im Interview berichtet Manuel Reuter über die Probleme der DTM

Manuel Reuter im Exklusiv-Interview: Über den möglich Abschied der DTM-Veteranen, die Wahrheit über Stallorder in der DTM und unbewaffnete Fahrer.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wie wichtig sind Veteranen wie Tomczyk, Scheider oder Ekström für die DTM?
Manuel Reuter: Namen und Ikonen sind schon wichtig, besonders in der DTM. Man sucht ja immer nach Charakteren. Von einem Mann, der Anfang 20 ist, kann man nicht verlangen, dass er sofort eine große Persönlichkeit ist. Das muss sich über die Jahre entwickeln. Fahrer wie Martin, Timo oder Mattias sind seit mehr als 15 Jahren dabei. Das sind gestandene Männer mit einer erfolgreichen Historie in der DTM. Die können natürlich anders reden, haben ein anderes Standing in der Öffentlichkeit und werden auch anders wahrgenommen.

Oktoberfest-Fight gegen DTM BMW-Star Bruno Spengler: (05:34 Min.)

Um Scheider und Ekström gibt es Gerüchte über einen Rücktritt zum Saisonende. Würde das der DTM schaden?
Manuel Reuter: Es wäre schade, wenn man solche Charaktere verlieren würde. Aber wenn wir uns den Martin als Beispiel nehmen: Es macht irgendwann auch keinen Spaß mehr. Martin hat selber gesagt, dass sich vieles geändert hat - und nicht alles zum Positiven. Wir sagen, dass wir Helden möchten und die Fahrer mehr hervorheben wollen. Aber welche Möglichkeiten haben denn heutzutage die Fahrer überhaupt noch, sich abzusetzen und ihren Charakter auch auf der Strecke zu zeigen?

Du kannst aktuell kaum etwas machen als Fahrer - entweder passt dein Fahrstil oder nicht.
Manuel Reuter

Was ist das größte Problem dabei?
Die Hersteller sind perfekt, die Autos sind perfekt, die Strategien sind perfekt. Mit weniger Technik und Engineering würde der Fahrer eine viel größere Rolle spielen. Wir brauchen größere Zeitabstände und Variablen, wo Fehler gemacht werden können. Du kannst aktuell kaum etwas machen als Fahrer - entweder passt dein Fahrstil oder nicht. Das sehen wir aktuell wieder bei BMW, wo Marco Wittmann extrem gut mit dem Auto zurechtkommt und es auch über die Renndistanz abstimmen kann. Früher konntest du mehr deinen eigenen Weg gehen mit dem Team und dem Ingenieur. Das ist heute vorbei. Darunter leiden die Fahrer prinzipiell - und vor allem die alteingesessenen.

Marco Wittmann kommt momentan besonders gut zurecht - Foto: DTM

Liegt das auch am gehobenen Alter einiger Fahrer?
Manuel Reuter: Nein, das Alter ist nicht der Faktor. Sie sind vielleicht müde oder haben den Spaß verloren. Und da stellst du dir irgendwann die Frage: ‚Muss ich mir das noch antun?´ Wir müssen mehr dafür tun, damit der Fahrer zeigen kann, dass er der entscheidende Faktor ist. Dass er den Unterschied ausmachen und sich auch entfalten kann. In den letzten Jahren hat man ja auch versucht, die Fahrer wieder verstärkt in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen mehr Freiheiten zu lassen. Das finde ich sehr wichtig für die Entwicklung der jungen Fahrer. Wenn sie sich nicht frei entwickeln können, dann hast du auch keine Typen.

Das sind 24 Egomanen, die Rennen gewinnen wollen und das Potenzial dazu haben.
Manuel Reuter

Stallorder macht den Fahrern sicherlich auch keinen Spaß...
Manuel Reuter: Wir machen den Sport für die Fans. Und was wollen die sehen? Dass die Fahrer beinhart gegeneinander fahren, am besten noch die Teamkollegen untereinander. Keiner im Feld ist happy, seinem Teamkollegen helfen zu müssen. Das ist die alte Regel: Der größte Gegner ist der Teamkollege. Wenn du den vorlassen musst, zerreißt dich das im Inneren. Natürlich werden das die Jungs öffentlich nicht kommunizieren - aber so ist es. Das sind 24 Egomanen, die Rennen gewinnen wollen und das Potenzial dazu haben. Aber das Korsett, in das sie eingepfercht sind, ist extrem geworden.

Was meinst du konkret mit diesem Korsett?
Manuel Reuter: Es ist ja nicht alles schlecht in der DTM, aber wir müssen das Rezept etwas anders zusammenstellen: Weniger Regeln und weniger kontrollieren, damit die Jungs da draußen eine gute Show bieten können. Du musst ihnen eine Waffe geben, um zu kämpfen. Aber sie haben keine Waffe mehr zum Kämpfen. Man muss sich fragen, ob das Produkt, das wir heute zeigen, noch das ist, was die Leute sehen wollen.

Vorschau Budapest 2016: (01:18 Min.)

Kann man den Spaß an der DTM - immerhin der Königsklasse der Tourenwagen - wirklich verlieren?
Manuel Reuter: Du musst Spaß haben an dem, was du machst. Nur dann kannst du diese 101 Prozent, die du geben musst, auch mobilisieren. Die Jungen, die Hungrigen, kommen in die DTM und sagen: 'Die alten Säcke, die hau ich jetzt hier weg!" Und wenn du als langjähriger DTM-Fahrer dann wirklich keinen Erfolg mehr hast, holt dich das irgendwann ein. Dann wird es schwer und du sagst dir: 'Ach, es gibt auch noch etwas anderes. Es gibt andere schöne Rennserien und Autos. Das macht mehr Spaß, da habe ich Bock drauf. Warum soll ich mir das hier überhaupt noch antun?' Es gibt auch noch ein Leben nach der DTM.


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