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Rennentscheidender Faktor - Die Gewinner und Verlierer der Safety-Car-Phasen

Sand, Reifen, DRS? Nein - der wichtigste Faktor in Zandvoort war das Safety Car. Motorsport-Magazin.com präsentiert die Gewinner und Verlierer der vier Phasen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Was wurde im Vorfeld des DTM-Rennens in Zandvoort nicht alles spekuliert: Auf die Strecke gewehter Dünensand, ein hoher Reifenverschleiß durch den rauen Asphalt oder das in diesem Jahr erlaubte DRS - an potentiellen Einflussgrößen auf das Renngeschehen sollte es sicherlich nicht mangeln. Doch dass diese drei Faktoren hinter einen alles dominierenden Vierten zurücktreten würden, hatte vor dem Start wohl niemand erwartet.

Viermal krachte es heftig in Zandvoort, viermal schickte die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke. Insgesamt 13 der 43 Rennrunden folgten die Piloten brav dem Sicherheitsfahrzeug - kein Fahrer legte so viele (theoretische) Führungsrunden zurück wie das Safety Car. Keine Frage, dass es den Ausgang des Rennens damit massiv beeinflusste. Doch welche Piloten profitieren und welche litten unter dem Safety-Car-Dauereinsatz? Motorsport-Magazin.com macht den Check.

Die Gewinner

Marco Wittmann: Zu den größten Gewinnern zählt auf jeden Fall Marco Wittmann. Schon die erste Safety-Car-Phase (Runden fünf bis sieben) spielte dem Meister in die Karten. Gerade als bei Wittmann die Options schneller abbauten als bei Verfolger Mike Rockenfeller, hielt das Safety Car dem BMW-Piloten seinen schärfsten Konkurrenten eine Weile vom Leib.

Wittmann musste sich hart gegen Rockefeller verteidigen. Das erste Safety Car half dem Meister zumindest kurzfristig - Foto: DTM

Noch gelegener kam Wittmann das zweite Safety Car (Runden 19 bis 21): "Da waren wir im Vorteil, weil wir schon gestoppt hatten", erklärte Wittmann, warum er am Ende auf dem Podium stand und Rockenfeller abgeschlagen im Mittelfeld landete.

Matthias Ekström: "Safety Car und Strategie haben mir heute perfekt in die Hände gespielt." Niemand profitierte so sehr vom Safety-Car-Chaos wie Matthias Ekström. Kurz bevor der Crash von Nico Müller die dritte Phase (Runden 26 bis 30) auslöste, hatte der Schwede seine Standard-Reifen gegen Options getauscht. So profitierte der Audi-Pilot gleich doppelt.

So ausgelassen kann man feiern, wenn das Safety-Car-Glück einem hold ist - Foto: DTM

Einerseits konnte er die weiche Mischung fünf Runden lang schonen, andererseits büßte die hart bereifte Spitze ihren Vorsprung ein - und war leichte Beute für den Schweden. Kaum bog das Safety Car von der Strecke, startete Eki seine rasante Aufholjagd. Nur zwei Runden brauchte der spätere Rennsieger um sich von P9 an die Spitze zu pflügen.

Edoardo Mortara: Was für eine Aufholjagd! Nach einem starken Qualifying per Disqualifikation noch auf den letzten Startplatz verbannt, kämpfte sich Edoardo Mortara zurück und beendete das Rennen auf Platz vier. Doch der Markenkollege von Matthias Ekström profitierte ganz anders durch das Safety Car als der Schwede. Auf dem Option gestartet, fegte Mortara zunächst schnell in Richtung Top-10.

Gegen Rennende verteidigte sich Mortara gekonnt - Foto: DTM

Dass seine spektakuläre Aufholjagd durch den verpflichtenden Wechsel auf die Standard-Pneus nicht jäh gebremst wurde, verdankte der RS5-Pilot einer Extra-Portion Glück, als er beim zweiten Safety Car in Runde 19 zum idealen Zeitpunkt seinen Pitstop erledigte. Dank der etwas längeren dritten Safety-Phase verlor Mortara zudem nicht allzu viel Zeit gegenüber den schnelleren Option-Runnern.

Einzig und allein auf Glück ist Mortaras vierter Platz dennoch nicht zurückzuführen. "Wie er sich am Ende erfolgreich auf den Standardreifen gegen die Angriffe von Vietoris verteidigt hat war einfach fantastisch", lobte Audi-Leiter Dieter Gass. Nur Ekström war einfach nicht zu bremsen.

Martin Tomczyk: Genau dasselbe Glück wie Mortara genoss BMW-Mann Martin Tomczyk. Dank der deutlich besseren Startposition gegenüber dem Audi-Fahrer reichte es für den Rosenheimer sogar zu einem völlig überraschenden dritten Platz.

Die Verlierer

Marco Wittmann: Ja, Sie lesen richtig - Marco Wittmann gehört auch zu den Verlierern. Während der BMW-Pilot von den beiden ersten Safety Cars noch profitierte, kosteten ihn die Phasen drei und vier wertvollen Vorsprung auf all jene Piloten, die im zweiten Stint auf den schnelleren Options unterwegs waren. "Das hat uns nicht mehr in die Karten gespielt", sagte Wittmann.

Wittmann muss gratulieren. Das dritte Safety Car kostete ihn den Sieg - Foto: DTM

In Folge des zusammengerückten Feldes hatte der Meister in der Schlussphase keine Chance, sich mit Standard-Pneus gegen den auf Softs heranstürmenden Ekström zu verteidigen. "Ich habe gedacht, am Ende überholen uns noch mehr mit den Options", sagte Wittmann. Zumindest das ließ sich noch verhindern.

Mike Rockenfeller: Der Pechvogel des Tages. Niemanden trafen die Safety-Car-Phasen härter als Mike Rockenfeller. "Klar bin ich jetzt gefrustet. Aber es ist heute eben gekommen, wie es einmal kommen musste. Ich habe immer gesagt: Wenn man auf dem Option startet und es kommt ein Safety Car, dann bist du im Nachteil - ganz egal, wann es kommt", sagte Rockenfeller zu Motorsport-Magazin.com. Und es kam - gleich mehrfach.

Groß gekämpft, aber ohne Glück - Mike Rockenfeller - Foto: DTM

Schon das erste Safety Car kostete Rockenfeller wertvolle Sekunden auf die Standard-Starter und verhinderte einen früheren Angriff auf Spitzenreiter Wittmann. Viel härter trafen den Meister von 2013 aber die Phasen zwei und drei. Beide Male war Rockenfeller bereits an der Box vorbei. So wurde dem eigentlich schnellsten Mann auf der Strecke jede Siegchance entrissen. "Rocky wäre heute nur schwer zu schlagen gewesen", befand auch Audi-Leiter Dieter Gass.

Erst in Runde 31 konnte der Audi-Pilot die alten Reifen wechseln und fiel ans Ende des Feldes zurück. Eine Aufholjagd war auch nicht drin - schließlich musste Rocky jetzt den harten Gummi fahren. "Armer Rocky. Marco hat sich seine Reifen ruiniert", trauert selbst BMW-Konkurrent Augusto Farfus im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com mit.

Timo Glock: Auch Timo Glock reiht sich ein in die Reihe der Verlierer. Der BMW-Pilot teilte dasselbe Schicksal wie Rockenfeller. "Wir waren leider nicht zur richtigen Zeit an der Boxengasseneinfahrt. Der ein oder andere war halt genau passend oder kurz vor einer Safety-Car-Phase drin. Wir waren leider nie an dem richtigen Punkt auf der Strecke, um davon zu profitieren. So sind wir erst ans Ende des Feldes zurückgefallen. Dann waren wir irgendwann nochmal vorne, aber schließlich kamen von hinten die ganzen Option-Runners und wir waren auf Standard", beklagte Glock sein Kanonenfutter-Dasein gegen Rennende.


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