24 h von Le Mans

Nakajima in beeindruckender körperlicher Verfassung - Toyota: Le-Mans-Test eine Herausforderung

Problemloser Test, Trotzdem Sorgenfalten: Die Trocken-Performance von Toyota entsprach nicht den Vorstellungen. Wird es noch schlimmer als in Spa?

Motorsport-Magazin.com - Die über acht Stunden hinweg ausgetragenen Testfahrten auf der 13,629 Kilometer langen Strecke, die ja zum Teil aus für den Anlass gesperrten öffentlichen Landstraßen besteht, boten die letzte Möglichkeit die beiden TS040 Hybrid einer umfangreichen Feinabstimmung zu unterziehen.

Kazuki Nakajima, im Vorjahr an dieser Stelle noch der Polesetter, nahm seine Arbeit wieder neben den beiden Weltmeistern Anthony Davidson und Sébastien Buemi im Cockpit des TS040 Hybrid mit der Startnummer 1 auf. Kazuki absolvierte zwei Stints und bestätigte damit, dass er von der vor einem Monat in Spa erlittenen Rückenverletzung wieder vollständig genesen ist. Dennoch kam auch Test- und Ersatzfahrer Kamui Kobayashi zum Einsatz und absolvierte vier gezeitete Runden, nur für den – eher unwahrscheinlichen – Fall, dass er doch noch für ein Renneinsatz aufgestellt werden könnte.

Ich hatte keinerlei Probleme und ich fühle mich gut in Form.
Kazuki Nakajima

Im Fahrzeug Nummer 2 treten mit Alex Wurz und Stéphane Sarrazin zwei Routiniers an, die zusammen auf 21 Le Mans-Teilnahmen zurückblicken können. Ihr Partner ist erneut Mike Conway, der allerdings an der Sarthe erstmals am Steuer eines LMP1 antreten wird.

Oberste Priorität hatte für das Team: Die speziell für Le Mans konzipierte Aerodynamik auszutesten, die auf möglichst geringen Luftwiderstand ausgelegt wurde, sowie eine Reihe von mechanischen Abstimmungen in Verbindung mit den unterschiedlichen Reifencharakteristik auszuprobieren.

Kamui Kobayashi genoss seine ersten LMP1-Kilometer in Le Mans - Foto: Toyota

Anhaltender Regen am Morgen erschwerten durch schwierige Streckenbedingungen zwar die Arbeit, boten andererseits die Gelegenheit die Michelin Hybrid Intermediate-Reifen und auch die Regenpneus auszuprobieren, sowie das Fahrverhalten bei geringer Haftung zu testen. Ein Regenschauer zur Mittagszeit bedeutete zunächst, dass die Tests auf regennasser Fahrbahn fortgesetzt wurden, doch im weiteren Verlauf trocknete die Strecke soweit auf, dass am Nachmittag auch die Slickreifen zum Einsatz kamen – bevor erneut Regen einsetzte.

Die Rundenzeiten entsprach eindeutig nicht den Erwartungen.
Sebastien Buemi

Mit zwei Autos und sieben Fahrern im Einsatz konnten über beide Sitzungen hinweg insgesamt 173 Runden absolviert werden, was einer Gesamtdistanz von über 2.500 Kilometern entspricht. Am Ende des Tages zeigte sich das Team zufrieden mit den auf nasser Strecke gemachten Fortschritten und gab sich zuversichtlich für das Rennen.

Stimmen der Verantwortlichen

Toshio Sato, Team Präsident: "Dank der umfangreichen Vorarbeit des Teams konnten wir hier gut vorbereitet antreten und die Vorbereitungen für die 2015er Ausgabe von Le Mans in Angriff nehmen. Der entscheidende Faktor heute war allerdings das Wetter, denn die Streckenbedingungen wechselten ständig. Das gab uns die nicht eben unbedeutende Gelegenheit unser Auto und die Reifen unter unterschiedlichsten Bedingungen besser zu verstehen. Normalerweise muss man damit rechnen, solch widrige Bedingungen im Verlauf des Rennens vorzufinden, es kann also nur von Vorteil sein, diese Erfahrungen gesammelt zu haben. Beide Autos erwiesen sich als sehr zuverlässig, was zwar ein positives Vorzeichen für das Rennen ist, aber auf trockener Strecke müssen wir noch zulegen. Da wir aber nur sehr wenig bei trockener Strecke zum Fahren kamen, ist es schwierig, irgendwelche Rückschlüsse aus den reinen Rundenzeiten zu ziehen. Allerdings haben wir eine Menge Datenmaterial, das uns ermöglichen sollte gut vorbereitet ins Rennen zu gehen."

Stimmen Startnummer 1

Toyota vor Porsche: Im Klassement war es andersrum - Foto: Toyota

Anthony Davidson: "Ein schwieriger Tag, weil das Wetter so wechselhaft war, was eine ziemliche Herausforderung für die Fahrer war. Schade, ich kam gar nicht dazu auf trockener Strecke zu fahren, denn das Zeitfenster für den Einsatz von Slickreifen war denkbar klein. Aber während der Woche vor dem Rennen wird noch genug Zeit hierfür sein. Ein Blick auf die Zeitenliste zeigt, dass wir noch einiges an Arbeit vor uns haben. Die Situation ist völlig anders gegenüber dem Vorjahr, also müssen wir uns anstrengen und Lösungen finden."

Sébastien Buemi: "Am Vormittag erlebten wir so ziemlich alle Streckenbedingungen, die einem im Rennen widerfahren können: Trockene, feuchte und wirklich nasse Piste. Am Nachmittag spulte ich reichlich Runden ab, das war recht positiv. Ich fand schnell einen guten Rhythmus im Auto. Die Aufgabe lautete zu lernen und Daten zu sammeln. Es war ein Testtag, also haben wir so viel wie möglich ausprobiert, damit wir gut für die Rennwoche vorbereitet sind. Die Rundenzeiten entsprach eindeutig nicht den Erwartungen. Wir müssen analysieren woran das liegen mag und wie wir das Beste aus unserem Konzept herausholen können."

Kazuki Nakajima: "Es war großartig wieder im Auto zu sitzen, vor allem hier in Le Mans. Ich hatte keinerlei Probleme und ich fühle mich gut in Form. Es war ein guter erster Tag am Steuer seit dem Unfall in Spa und es zeigte sich, dass ich das Auto wieder auf dem selben Niveau schnell fahren kann. Am Nachmittag war es auf der Strecke wegen der Witterung ein wenig knifflig. Als die Strecke begann abzutrocknen, konnten wir einen interessanten Test hinsichtlich des idealen Zeitpunkts zum Wechsel auf Slickreifen machen. Auf Slicks hatte ich eine Menge Spaß, obwohl es streckenweise ein wenig zu nieseln begann. Ich konnte mich jedenfalls im Trockenen gut einarbeiten und das sagte mir eher zu, als die Bedingungen am Morgen, denn es erinnerte mich eher an das Fahrgefühl im Vorjahr."

Die Leistung dieses LMP1-Autos übertraf meine Erwartungen.
Kamui Kobayashi

Kamui Kobayashi: "Ein schönes Gefühl erstmals einen LMP1 in Le Mans fahren zu dürfen, auch wenn ich nur wenige Runden fahren konnte. Bedenkt man wie wechselhaft das Wetter heute war, so bin ich doch froh, dass ich das Auto im Trockenen ausprobieren konnte. Die Leistung dieses LMP1-Autos übertraf meine Erwartungen. Ich habe hier ja nur Erfahrung am Steuer eines GT-Autos, in denen man die meiste Zeit in den Rückspiegel schauen muss, um den Prototypen nicht im Weg zu stehen. Heute war das natürlich mal anders herum und ich konnte mal erleben, wie schwierig es ist die GTs zu überholen. Das aber ist ein wichtiger Bestandteil des Spiels hier in Le Mans und auch so gesehen war es eine gute Erfahrung für mich."

Die Trockenperformance bereitet Toyota Kopfzerbrechen - Foto: Toyota

Stimmen Startnummer 2

Alex Wurz: "Ich hatte nur ein paar Runden im Trockenen. Wir machten ein paar Reifentests an beiden Autos um Daten zu sammeln und um zu verstehen, wann man am besten den Wechsel zwischen Slicks, Hybrid Intermediate und Regenreifen vornehmen sollte. Mehr kann man aus diesen ständig wechselnden Bedingungen und launischem Le Mans-Wetter nicht machen. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Rennwoche und bereiten uns bestmöglich vor."

Wir konnten so einiges am Auto verbessern, müssen aber noch deutlich zulegen.
Stephane Sarrazin

Stéphane Sarrazin: "Das war mal ein interessanter Tag mit diesem hartnäckig wechselhaften Wetter, das uns allerdings auch die Gelegenheit gab sämtliche Reifenvarianten auszuprobieren. Wir konnten so einiges am Auto verbessern, müssen aber noch deutlich zulegen, um unsere Rundenzeiten zu verbessern. Wir haben jetzt noch rund eine Woche die Ursachen zu verstehen und die beste Lösung für unsere Gegebenheiten zu finden. Wir wissen ja, dass Le Mans ein langes, kompliziertes Rennen ist, die Herausforderung ist nun einmal gleichzeitig schnell und dazu zuverlässig zu sein. Schauen wir mal, was die Rennwoche so mit sich bringt."

Mike Conway: "Heute hatten wir sehr wechselhafte Bedingungen. Jede Kurve war anders, eine trocken, die nächste womöglich nass, also ziemlich knifflig. Für mich war es toll, erstmals auf dieser Strecke einen LMP1 fahren zu können. Sämtliche Erfahrungen, die ich vor zwei Jahren gesammelt hatte, kamen mir heute zugute, aber ich lernte auch in jeder Runde dazu und bekam so ein gutes Gefühl für das Auto. Man fährt die gleichen Linien wir in einem LMP2, aber man fliegt förmlich auf die Kurven zu – und doch ist der Bremsweg kürzer. Jedes mal, wenn ich an einem LMP2 vorbeizog, dachte ich so bei mir: ‘in der Lage warst du noch vor zwei Jahren´. Ich hatte aber schon vergessen, um wie viel schneller so ein LMP1 vorbei saust!"


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