Marc Marquez war der strahlende Sieger beim MotoGP-Grand-Prix in Aragon. Doch der Weg dorthin war definitiv kein leichter. Mehrfach musste er sich mit riskanten Manövern gegen seine Kontrahenten Marco Bezzecchi und Pedro Acosta behaupten. Auf der langen Gegengeraden im Motorland Aragon lieferte er sich mit Aprilia-Pilot Marco Bezzecchi ein packendes Kopf-an-Kopf-Duell – teilweise sogar neben der Strecke. Im Rahmen unseres Interwetten-MotoGP-Magazins analysiert MotoGP-Experte Tom Lüthi das Manöver des Wochenendes und erklärt, wie Marc Marquez mit grenzwertigen Mitteln Marco Bezzecchi schlagen konnte.

Marc Marquez musste Gegenangriff abwehren – Lüthi: "Er hat ihn immer weiter abgedrängt"

Der Start ins Rennen lief für den von Platz Zwei gestarteten Marc Marquez alles andere als optimal. Nach seinem Angriff auf Pole-Sitter Marco Bezzecchi in Kurve Eins hatte er ein Problem mit seinem Ride-Height-Device, dass sich beim Anbremsen nicht löste. Dadurch musste Marquez mit abgesenktem Heck durch die ersten Kurven fahren. Er verlor einige Positionen, konnte das Problem jedoch schnell beheben und sich anschließend in der Spitzengruppe festsetzen.

In Runde Sechs griff er den in Führung liegenden Bezzecchi in der Schikane vor der 1,1 Kilometer langen Gegengeraden beim Herausbeschleunigen erneut an. Die Aprilia und die Ducati lieferten sich ein Highspeed-Duell der Extraklasse. Bezzecchi wurde von Marquez an den linken Streckenrand gedrängt und musste zwischenzeitlich sogar über den roten Markierungsstreifen neben der Strecke fahren. Zudem berührten sich die beiden mehrfach. Ein definitiv gewagtes Unterfangen, das jedoch von vielen Fachleuten nicht als unfair betrachtet wurde.

Marco Bezzecchi vor Marc Marquez und Pedro Acosta im MotoGP-Rennen von Aragon.
Der drittplatzierte Pedro Acosta, profitierte aus dem Manöver von Marc Marquez gegen Marco Bezzecchi, Foto: IMAGO / NurPhoto

Tom Lüthi erklärt: So verlor Marco Bezzecchi gleich zwei Positionen

MotoGP-Experte Tom Lüthi bewundert sogar das Überholverhalten von Marquez und vor allem dessen Cleverness in den entscheidenden Rennsituationen. "Marc hat sofort reagiert und ist nach links gezogen. Er wollte Bezzecchi auf die schmutzige Linie drängen, damit er weniger Traktion hat. Er ist erst spät wieder nach rechts gezogen. Somit hatte er beim Kurveneingang einen viel besseren Winkel und konnte vor Bezzecchi bleiben", erklärt er in unserem Interview. Die komplette Folge mit Tom Lüthi könnt ihr euch ausführlich im folgenden Video ansehen!

Bagnaia am Tiefpunkt - Lüthi: Er braucht Schwung für Aprilia! (33:51 Min.)

Das Manöver des nach diesem Rennwochenende aktuell WM-Zweitplatzierten gegen den drittplatzierten Bezzecchi war für den Italiener doppelt bitter. Nicht nur Marc Marquez ging an ihm vorbei, sondern auch KTM-Werksfahrer Pedro Acosta. Dieser kam auf Position drei liegend mit Topspeed auf seiner KTM RC16 hinter den beiden herangeschossen. Aufgrund der schlechteren Position des abgedrängten Marco Bezzecchi vor dem Kurveneingang konnte der von außen kommende Acosta mit zusätzlichem Geschwindigkeitsüberschuss problemlos an ihm vorbeigehen. "Bezzecchi hatte einen viel engeren Winkel. Er musste viel langsamer in die Kurve einfahren und früher bremsen. Acosta war auf der besseren Linie und konnte direkt durchschlüpfen", bestätigt Tom Lüthi. Somit wurde der Italiener binnen weniger Sekunden von Platz eins auf Rang drei zurückgereicht.

"Staubsauger-Effekt" bei Geschwindigkeiten über 330 km/h: MotoGP-Bikes wie aneinandergeklebt

Die modernen MotoGP-Bikes verfügen über eine hochentwickelte Aerodynamik. Diese trägt neben der Motorleistung entscheidend dazu bei, dass regelmäßig neue Topspeed-Rekorde aufgestellt werden. Im Duell zwischen Marquez und Bezzecchi kam es aufgrund dieser Aerodynamik zum sogenannten "Staubsauger-Effekt". Die nebeneinander fahrenden Bikes der MotoGP-Piloten erzeugten einen starken Unterdruck und wurden regelrecht aneinander gesaugt.

Beide Fahrer erklärten nach dem Rennen, dass sie Abstand voneinander halten wollten. Die Motorräder seien laut ihren Aussagen jedoch wie "aneinandergeklebt" gewesen. Tom Lüthi schätzt den aerodynamischen Effekt der beiden wie folgt ein: "Es war durch die ganzen Luftverwirbelungen ein ziemliches Hin und Her. Der Windschatten greift zwischenzeitlich und setzt dann wieder aus. Deswegen kamen sie sich zeitweise auch so nahe. Es war von allen sehr mutig."

Wie seht ihr das Verhalten von Marc Marquez? War das Abdrängen von Marco Bezzecchi unfair oder einfach harter Rennsport? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!