MotoGP

MotoGP Spielberg: Frust bei Bradl nach intensiver Testarbeit

Ein Testfahrer muss testen. In dieser Hinsicht klappt zwischen Honda und Stefan Bradl alles. Doch manchmal kommt beim Testfahrer auch das Racer-Herz durch.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Stefan Bradl ist mit seiner Tätigkeit als MotoGP-Testfahrer für Honda im Grunde sehr zufrieden. In Spielberg musste er sich nach einem schwierigen Wochenende dennoch den Frust von der Seele reden, denn Honda hatte die Geduld des Deutschen an den drei Tagen des Österreich-GP ordentlich strapaziert.

"Der Frust ist an diesem Wochenende immer mehr gestiegen", eröffnete Bradl sein Plädoyer. "HRC ist sehr zufrieden mit meiner Arbeit und das ist auch alles sehr effektiv und nützlich. Aber als Racer willst du natürlich mehr und das habe ich ihnen auch gesagt." Denn Bradl musste in Spielberg sehr radikale Lösungsansätze für Honda auf der Strecke einsetzen. Das ging zu Lasten der eigenen Performance.

"Und der Red Bull Ring ist nicht gerade eine Strecke, wo du alles so gut spürst. Das haben sie meiner Meinung nach ein wenig unterschätzt", führte Bradl aus. "Auch wenn ich Testfahrer bin, sind meine Motivation und mein Rennspirit noch da und das muss man für die Zukunft auch ein bisschen berücksichtigen."

Racer-Herz siegt nach dem Warmup

So ließ Bradl nach dem Warmup das Setup seiner Honda radikal umbauen. Dabei standen seine eigenen Bedürfnisse als Fahrer im Vordergrund und nicht die Bedürfnisse der HRC-Dateningenieure. "Ich bin auf meinen Wunsch mit einem komplett neuen Setup gestartet", gab er zu. "Dadurch hat es aber natürlich ein bisschen gedauert, bis ich das richtige Gefühl aufgebaut hatte. Drei Punkte am Ende sind okay, aber der Rest des Wochenendes war nicht so toll für einen Rennfahrer."

Honda drückt bei der Entwicklung für 2020 aktuell ordentlich aufs Tempo, auch weil man mit Stefan Bradl seit dem Sachsenring mit dem Testfahrer unter Bedingungen der regulären GP-Wochenenden Neuerungen auf die Strecke bringt. Das wäre mit Jorge Lorenzo in dieser Form nicht möglich gewesen.

Für Bradl, der in der Sommerpause mehrere Tests sowie das 8-Stunden-Rennen in Suzuka für Honda bestreiten musste, geht es nun munter weiter. Vor dem MotoGP-Wochenende in Silverstone steht ein erster Test der neuen Strecke in Finnland auf dem Programm, nach dem Großbritannien-GP geht es für Honda nach Misano zur nächsten Testfahrt.

Dazwischen muss sich Bradl auch noch bereit halten, eventuell ein viertes Mal für den rekonvaleszenten Lorenzo einzuspringen, sollte dieser doch nicht rechtzeitig fit werden. "Diese Entscheidung liegt bei Jorge. Ich bin auf Standby, aber durch die Tests in Finnland und Misano würde das für mich sehr schwierig werden."


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