MotoGP - Spielberg zu gefährlich: Fahrer-Streik bei Regen?

MotoGP-Starterfeld denkt über Boykott nach

Der Red-Bull-Ring ist die schnellste Strecke im MotoGP-Kalender. Für viele Fahrer ist es auch die gefährlichste. Bei Regen ist ihnen das Risiko zu groß.
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Motorsport-Magazin.com - Seit der Rückkehr des Österreich-Grand-Prix im Vorjahr ist die Sicherheit am Red-Bull-Ring ein brisantes Thema. Für den Geschmack der Piloten stehen die Leitplanken vor allem in Kurve eins und drei viel zu nahe an der Strecke. Zwar nahm man in Kurve drei für dieses Jahr Veränderungen vor, wirklich glücklich sind die Fahrer damit aber noch nicht. Erst recht bedenklich wird die Situation im Regen, wie das nasse FP1 der Moto2 am Freitag mit elf Stürzen, einem Großteil davon in der gefährlichen Kurve eins, zeigte.

Besonders in den kritischsten Kurven liegt noch ein dicker Gummifilm von diversen Automobilrennwochenenden, vor allem der Formel 1, auf dem Asphalt. Bei Regen verwandelt sich die Strecke damit in eine Rutschbahn, Stürze sind praktisch nicht vorherzusehen und passieren oft schon bevor die Fahrer in die eigentliche Kurve einbiegen.

In Kurve eins steht die Leitplanke sehr nahe an der Strecke - Foto: Repsol

Streik? MotoGP-Feld gespalten

Die MotoGP-Piloten trafen sich daher am Freitagabend in der Safety Commission zu einer Krisensitzung, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Kurzfristige Umbauten sind absolut unmöglich, deshalb denken die Fahrer nun an radikale Mittel. Wird es am Sonntag regnen, soll es einen Streik geben. Die Piloten würden also ihr Rennen boykottieren. Ob sich an diese Abmachung das gesamte Feld halten wird, ist freilich fraglich.

Viele Fahrer hier haben eine große Klappe. Ob sie dann auch die Eier haben, diese Entscheidung durchzuziehen, ist eine ganz andere Frage.
Bradley Smith

"Viele Fahrer hier haben eine große Klappe. Ob sie dann auch die Eier haben, diese Entscheidung durchzuziehen, ist eine ganz andere Frage", stellt KTM-Pilot Bradley Smith klar. Rückendeckung kommt von Teamkollege Pol Espargaro: "Ich denke, wir müssen hier fahren." Aber nicht nur die beim Heim-Grand-Prix nicht ganz objektive KTM-Fraktion ist eher gegen einen Boykott, auch Ducati-Mann Jorge Lorenzo schlägt in diese Kerbe: "Ich glaube, dass wir auch im Regen fahren werden."

Der wohl größte Fürsprecher eines Boykotts ist Aleix Espargaro: "Ich würde im Regen nicht fahren. Wenn dir hier bei 300 Stundenkilometern das Vorderrad blockiert, dann fliegst du direkt in die Bande. Und was in so einer Situation passieren kann, haben wir letztes Jahr alle bei Luis Salom gesehen." Salom schlug ja in Barcelona kurz nach seinem Motorrad in die Begrenzung ein und wurde dabei tödlich verletzt.

Einigkeit: Österreich-GP einer der gefährlichsten

Über die Gefahren der Strecke in Spielberg ist man sich im MotoGP-Grid aber ausnahmsweise einig. "Natürlich mache ich mir nach den vielen Stürzen in der Moto2 Sorgen", gesteht Marc Marquez. "Immerhin sind wir an den gefährlichen Stellen mit den MotoGP-Maschinen noch viel schneller unterwegs." Teamkollege Dani Pedrosa sieht im Regen ebenfalls zu große Risiken: "Der Grip der Strecke ist dann für so harte Bremsmanöver einfach nicht gut genug."

Wissenswertes zur MotoGP in Spielberg: (00:45 Min.)

Die neuesten Wetterprognosen gehen zum Glück davon aus, dass es am Sonntag trocken bleiben soll. Zur Rennzeit geht das Regenrisiko gegen Null. In den letzten Tagen entsprachen die Prognosen allerdings auch nicht immer der Realität. Eine mögliche Alternative zum Streik bei Regen wäre eine zusätzliche Trainingssession in der Länge von etwa 15 Minuten am Sonntag, die den Piloten die Möglichkeit gibt, das Risiko auf nasser Fahrbahn zu evaluieren. Reifenlieferant Michelin gab dafür bereits sein Okay.


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