MotoGP

Katar-Analyse: Die Lehren aus den Freien Trainings der MotoGP

Kein FP4, kein Quali - und dennoch deutet sich das Kräfteverhältnis in Katar schon leicht an. Unsere Analyse und die Lehren der drei MotoGP-Trainings kompakt:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Der Trainings-Samstag zum MotoGP-Auftakt 2017 in Katar ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Sintflutartige Regenfälle, wie man sich auf dem Wüstenparcours noch nie erlebt hatte, sorgten für einen Abbruch des kompletten Trainingstages. Weder MotoGP, noch Moto2 oder Moto3 konnten die Strecke unter die Räder nehmen. Damit gehen Beteiligte und Fans mit den Eindrücken der drei Freien Trainings am Donnerstag und Freitag in den Renn-Sonntag. Trotzdem ließen sich schon erste Tendenzen erkennen. Motorsport-Magazin.com mit der dazugehörigen Analyse:

Die Pace der MotoGP-Fahrer auf eine Runde

Auf eine Runde sind in Katar viele Fahrer gefährlich, gerade den Ducati-Piloten ist in dieser Disziplin einiges zuzutrauen. Das haben nicht zuletzt Scott Redding und Andrea Dovizioso mit den Plätzen eins und zwei im FP2 eindrucksvoll untermauert. Schade daher, dass das Qualifying ersatzlos gestrichen wurde. Bei einigermaßen regulären Verhältnissen hätten sich die Fans auf extrem enge Zeitabstände freuen können.

Auch Maverick Vinales und Jonas Folger waren beispielsweise auf einer Runde bärenstark unterwegs, ebenso Marc Marquez. Andrea Iannone ist, getreu seinem Spitznamen "The Maniac", seinerseits auch immer für eine Chaos-Runde gut. Nach drei Freien Trainings liegen Vinales, Iannone, Marquez, Johann Zarco, Dovizioso und Redding in den Top-6.

Die Pace in Katar in längeren Runs

Auf eine fliegende Runde im Qualifying herrscht also ziemlich viel Chancengleichheit. Ein bisschen klarer wird das Bild schon, wenn wir längere Runs betrachten. Für die folgende Grafik haben wir die fünf schnellsten Runden der Top-Fahrer pro Session genommen und den Durchschnitt daraus berechnet. Hier lässt sich in der Tat erkennen, das Maverick Vinales der Konkurrenz einen Schritt voraus ist. Marc Marquez fehlen hier im Schnitt drei bis vier Zehntel auf seinen spanischen Yamaha-Widersacher.

Doch nicht nur das: Es wird erkennbar, wie gut das Rookie-Duo von Tech3-Yamaha wirklich ist. Jonas Folger und Johann Zarco können gut mithalten und verlieren eigentlich nur auf Vinales etwas deutlicher. Schwierig wird es hingegen für Valentino Rossi, der stets deutlich hinter Vinales zurücklag. Und auch die Zeiten-Entwicklung von Jorge Lorenzo lässt nicht gerade auf einen entspannten Renn-Sonntag hindeuten. Die große Wundertüte dagegen ist Andrea Iannone. Wo er wirklich steht, weiß wohl keiner so richtig. Erst Recht nicht, da er sich im FP3 am Ende noch über eine Sekunde steigerte.

Die Stärken in den verschiedenen Sektoren

Grundsätzlich präsentiert sich das MotoGP-Feld auch in den einzelnen Sektoren sehr ausgeglichen. Bei der Analyse der Zeiten kommen eigentlich nur zwei Auffälligkeiten zum Vorschein. Die erste: Der dritte Sektor ist Yamaha-Land. Maverick Vinales, Jonas Folger und Johann Zarco fuhren hier in jeder der drei Sessions in die Top-5. Im Vergleich dazu kommen hier Valentino Rossis Probleme mit der weicheren Reifen-Karkasse deutlich zum Vorschein: Rossi landete im dritten Sektor nur auf den Plätzen 13 (im FP1) und 15 (in FP2 und FP3). Auffälligkeit Nummer 2: Im vierten Sektor behält zumeist Ducati die Überhand. Kein Wunder, ist die Desmosedici auch im Jahre 2017 das Top-Speed-Wunder der Königsklasse.

Die Yamaha ist in den Kurven stark - Foto: Tobias Linke

Das Kräfteverhältnis auf der langen Start-Ziel-Geraden

Damit wären wir beim finalen Punkt angekommen. Wie bereits im oberen Absatz erwähnt, führt auch in der MotoGP-Saison 2017 auf der Geraden kein Weg an die Ducati Desmosedici vorbei. Im Top-Speed-Ranking von FP1 belegten sieben Ducati-Fahrer die ersten acht Positionen, einzig Valentino Rossi konnte in diese Phalanx eindringen. In beiden folgenden Session beanspruchte Ducati immer noch die ersten fünf Positionen für sich. Sollte ein Ducati-Fahrer also bis zur letzten Runde im Kampf um den Sieg mitspielen, dann müssen die Gegner der Roten vor Start-Ziel ausreichend Vorsprung herausgefahren haben.

WerkTop-Speed FP1Top-Speed FP2Top-Speed FP3Fahrer
Ducati343,8 km/h349,6 km/h348,7 km/hAlvaro Bautista
Yamaha339,6 km/h344,8 km/h342,6 km/hJohann Zarco
Aprilia332,2 km/h339,9 km/h344,8 km/hAleix Espargaro
Honda337,7 km/h343,2 km/h344,0 km/hDani Pedrosa
KTM334,8 km/h342,7 km/h340,1 km/hPol Espargaro
Suzuki334,9 km/h341,7 km/h341,3 km/hAlex Rins

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