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MotoGP

MotoGP Aragon: Rückblick auf die letzten Jahre

Das Motorland Aragon liegt mitten im spanischen Nirgendwo. Die moderne Anlage begünstigt durch ihr Layout Rad an Rad-Duelle und war schon für Kracher gut.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Zum sechsten Mal trägt die MotoGP ein Rennen im Motorland Aragon aus. Zunächst war der Kurs, der mitten in der spanischen Wüste liegt, nur als Alternative eingeplant für das abgesagte Rennen auf dem Balatonring in Ungarn, hat aber schnell an Reputation gewonnen. Inzwischen ist der Aragon GP nicht mehr aus dem Kalender wegzudenken. In den bisherigen fünf Rennen war Honda meist der Konkurrenz überlegen, wie unser Rückblick verdeutlicht:

Aragon 2016: Fast-Sturz hält Marquez nicht auf

Marquez machte es sich beim Sieg 2016 nicht leicht - Foto: Repsol

Nach einigen Zweikämpfen am Start führt Suzuki-Pilot Maverick Vinales das Rennen an. Doch schon in der zweiten Runde übernimmt Pole-Setter Marc Marquez, am bisherigen Wochenende der dominante Mann, wieder die Spitze. Dort hält sich der Repsol-Honda-Pilot nicht lange: In Runde drei kann Marquez einen Sturz über das Vorderrad gerade noch abfangen, fällt dabei aber auf P5 zurück. Danach startet Marquez eine Aufholjagd: Innerhalb von neun Runden überholt er zunächst Andrea Dovizioso, dann Jorge Lorenzo, Vinales und schließlich Valentino Rossi. Der Weg zum Sieg und damit einem großen Schritt Richtung WM-Titel ist frei. Rossi hingegen muss sich in der Schlussphase noch mit Lorenzo auseinandersetzen. Lorenzo geht fünf Runden vor Schluss vorbei, ein Rossi-Angriff in der vorletzten Runde läuft ins Leere. Das Duell um Platz zwei ist entschieden. Vinales wird am Ende nach zwei Verbremsern ungefährdeter Vierter. In der WM liegt Marquez nach 14 Rennen 52 Punkte vor Rossi. 248:196 steht es nach Punkten. Lorenzo (182) ist weiter Dritter.

Aragon 2015: Großer Fight hinter Sieger Lorenzo

Pedrosa und Rossi rissen die Zuschauer 2015 von den Sitzen - Foto: HRC

Jorge Lorenzo übernimmt bereits am Start die Führung von Pole-Setter Marc Marquez. Marquez hingegen fällt noch hinter Andrea Iannone auf Platz drei zurück. Noch in der ersten Runde kämpft sich Marquez wieder am Italiener vorbei und nimmt die Verfolgung von Lorenzo auf. Der Yamaha-Pilot versucht sich bereits abzusetzen. Doch dabei übertreibt es Marquez, er fällt nach einem Sturz in der zweiten Runde aus. In der Zwischenzeit hat sich Dani Pedrosa an Iannone vorbeigekämpft, wenig später geht auch Valentino Rossi vorbei. Pedrosa und Rossi können Lorenzo zwar auf dem Weg zum Sieg nicht mehr gefährden, liefern sich aber in der Schlussphase einen mitreißenden Kampf um Platz zwei. Immer wieder versucht es Rossi an den verschiedensten Stellen, doch Pedrosa kann jedes Mal kontern. In der letzten Runde scheint es Rossi endgültig geschafft zu haben, doch Pedrosa presst sich eine Kurve später nochmal vorbei und drückt Rossi dabei auf den Rasenteppich - die Vorentscheidung. Ein letzter verzweifelter Angriff Rossis misslingt. Damit siegt Lorenzo vor Pedrosa und Rossi. Einsamer Vierter wird schließlich Iannone. Für die WM nach 14 Rennen bedeutet das: Lorenzo knabbert neun Zähler von Rossis Vorsprung ab, nun steht es 263:249. Marquez bleibt als WM-Dritter auf seinen 184 Punkten sitzen.

Aragon 2014: Ein würdiges Jubiläum

Crutchlows und Aleix Espargaros Kampf um P2: Ellbogen an Ellbogen durchs Ziel - Foto: Milagro

Aragon 2014 bildet den 800. Grand Prix in der Geschichte der Motorrad-WM. Und bietet allen Beteiligten ein denkwürdiges Jubiläum! Schon in der Anfangsphase verliert die Spitzengruppe Andrea Iannone und Valentino Rossi. Dadurch fahren vorne Marc Marquez, Jorge Lorenzo und Dani Pedrosa dem restlichen Feld davon. Bis es gegen Rennhalbzeit zu tröpfeln beginnt – die Rennleitung reagiert mit der weißen Flagge, die Piloten dürfen an die Box und auf das Ersatzbike mit Regenreifen wechseln. Aleix Espargaro macht davon sieben Runden vor Schluss zuerst Gebrauch. Eine Runde später folgen unter anderem Cal Crutchlow und Stefan Bradl. Fünf Runden vor dem Ende biegt auch Lorenzo ab. Marquez und Pedrosa bleiben hingegen draußen – und pokern zu hoch. Beide stürzen im immer stärker werdenden Regen und holen so statt einem Repsol-Doppelsieg nur einen 13. und einen 14. Platz. Nach den Stopps führt Lorenzo, der in der Folge zu seinem ersten Saisonsieg fährt. Espargaro ist mit der Forward-Yamaha auf Platz zwei unterwegs, vor Crutchlow und Bradl. Der Brite kommt ihm in der letzten Runde mit Siebenmeilenstiefeln näher und schüttelt dabei gleichzeitig Bradl ab. Espargaro kann sich nur mit äußerstem Einsatz im Zielsprint auf Rang zwei vor Crutchlow behaupten, während Bradl Vierter wird. In der Gesamtwertung hat sich vorne nichts getan. Nach 14 Rennen führt weiterhin Marquez (292 Punkte) deutlich vor Pedrosa (217) und Rossi (214).

Aragon 2013: Vorentscheidung im Titel-Dreikampf

Die Repsol Hondas kollidierten 2013 beinahe - Foto: Milagro

Lorenzo setzt sich wie schon im Vorjahr am Start durch und versucht, die Gegner mit schnellen Zeiten direkt von Beginn an zu brechen. Doch das Repsol-Duo Pedrosa und Marquez lässt sich nicht abschütteln. Beide bleiben Lorenzo auf den Fersen, bis in Runde sechs ein folgenschweres Manöver von Marquez folgt: Beim Anbremsen von Kurve zwölf rauscht er Pedrosa fast ins Heck, fährt dabei aber so dicht am Teamkollegen vorbei, dass er ihm ein Kabel für einen Traktionskontrollensensor abreißt. Ohne Anti-Schlupf-Regelung fliegt Pedrosa sofort per Highsider ab und muss Sieg- sowie Titelhoffnungen begraben. Marquez fängt sich dabei zwei Sekunden Rückstand ein, fährt die Lücke aber wieder zu und gewinnt am Ende sogar mit mehr als einer Sekunde Vorsprung vor Lorenzo. Dritter wird Rossi, der sich in der Schlussphase gegen Alvaro Bautista, Bradl und Crutchlow behauptet. Bautista und Bradl fighten in der letzten Runde beinhart um Rang vier und überholen sich dabei mehrfach. Am Ende hat der Deutsche das Nachsehen. In der WM führt Marquez nun nach 14 Rennen mit 278 Punkten vor Lorenzo (239). Pedrosa (219) ist aus dem Titelrennen ausgeschieden.

Aragon 2012: Pedrosa nicht zu halten

Pedrosa entschwand 2012 auch für Lorenzo in der Ferne - Foto: Repsol Honda

Das Rennen wird zu einer Angelegenheit zwischen Lorenzo und Pedrosa. Der Mallorquiner führt in den ersten Runden. Mit Ausnahme von Pedrosa kann keiner das Tempo Lorenzos mitgehen. In Runde sieben setzt Pedrosa sein Manöver. Der Repsol-Honda-Pilot geht in Kurve zwölf vorbei an Lorenzo und braust danach unaufhaltsam zu einem überlegenen Sieg vor seinem Widersacher in Yamaha-Diensten. Nachdem sich Bradl in Runde fünf auf Platz drei liegend per Sturz aus dem Rennen verabschiedet hat, kämpfen die restlichen Yamaha-Piloten Ben Spies, Andrea Dovizioso und Crutchlow um den letzten Podiumsplatz. Spies führt die Gruppe bis zehn Runden vor Schluss an, fällt dann aber nach und nach zurück. So wird Rang drei zwischen Dovizioso und Crutchlow ausgefochten. In den letzten beiden Runden versucht Crutchlow verzweifelt, diese Position zu erobern, wird dabei aber jedes Mal von Dovizioso ausgekontert. Am Ende setzt sich Dovizioso ganz knapp durch. Nach dem 14. Rennen verliert Lorenzo (290 Punkte) als Gesamtleader nur fünf Zähler auf Pedrosa (257). Dahinter rücken der verletzte Casey Stoner (186) und Dovizioso (179) enger zusammen.

Aragon 2011: Stoner beschert Repsol-Honda den 100. Sieg

Kam nicht bei jedem gut an: Repsols Sonderlackierung 2011 - Foto: Honda Pro Images

Auch 2011 diktieren Stoner und Pedrosa den Aragon GP von Beginn an. Nachdem beim Start Ben Spies die Führung übernommen hat, kämpfen sich die beiden Repsol-Honda-Piloten noch im Laufe der ersten Runde am Amerikaner vorbei und entschwinden von da an für die Konkurrenz in der Ferne. Stoner sorgt somit für den 100. Erfolg für die Kombination Repsol-Honda in der Motorrad-WM, Pedrosa komplettiert mit Rang zwei den Doppelsieg. Einzig Dovizioso muss bereits in der ersten Runde die Segel streichen. Hinter dem Repsol-Duo kämpft sich Marco Simoncelli an Ben Spies und Lorenzo vor auf Platz drei, fällt aber kurz darauf nach einem Ausflug in die Auslaufzone von Kurve zwölf wieder hinter beide Yamahas zurück. Lorenzo hat die konstantere Pace und fährt dadurch als Dritter aufs Podium, während Spies immer langsamer wird und wenige Runden vor Schluss Simoncelli wieder passieren lassen muss. Stoner baut mit dem Sieg seine Führung in der WM wieder aus. Nach 14 Rennen liegt er mit 284 Punkten 44 Zähler vor Lorenzo (240). An dritter Stelle bleibt Dovizioso (185), Pedrosa (170) ist ihm nun deutlich auf die Pelle gerückt.

Aragon 2010: Ungefährdeter Stoner-Sieg bei der Premiere

An dieser Stelle zog Hayden 2010 in der letzten Runde an Lorenzo vorbei - Foto: Bridgestone

Die Premiere im Motorland Aragon wird dominiert von Stoner. Der Australier erfährt nur in den ersten Kurven ernsthafte Gegenwehr durch Lorenzo. Pedrosa, der sich rasch als Schnellster der Verfolger entpuppt, braucht nach einer schlechten ersten Kurve ein paar Runden, um sich auf Position zwei vorzukämpfen. Zu diesem Zeitpunkt liegt Stoner jedoch schon mit 1,5 Sekunden Vorsprung vorn. Der Repsol-Honda-Pilot kann den Rückstand zwischenzeitlich auf unter eine Sekunde drücken, muss in der zweiten Rennhälfte allerdings abreißen lassen. So gewinnt Stoner am Ende locker vor Pedrosa. Zwei packende Zweikämpfe sind dahinter in vollem Gang: Nicky Hayden überlistet Lorenzo in der letzten Runde und erkämpft sich damit Platz drei. Für den Mallorquiner ist es das erste Mal, dass er 2010 den Sprung aufs Treppchen verpasst. Ben Spies gewinnt dahinter den Fight gegen Dovizioso, der in der letzten Runde crasht, um Rang fünf. In der WM hat Lorenzo auch nach 13 Rennen noch ein beruhigendes Polster auf Pedrosa. Es steht 284:228 zwischen den Beiden. Stoner (155) schiebt sich mit seinem ersten Sieg seit Malaysia 2009 auf Rang drei vor.


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