MotoGP

Tradition verpflichtet - Top-5: Die legendärsten Strecken der MotoGP

Hier wurden einst Legenden geboren, doch längst sind diese Asphaltbänder selbst legendär. Die Top-5 Traditionsstrecken des aktuellen Rennkalenders.
von Michael Höller

5. Mugello

Die Siegerehrung in Mugello ist die wohl stimmungsvollste des Jahres - Foto: Milagro

1974 wurde die permanente Rennstrecke im toskanischen Mugello errichtet, zwei Jahre später gastierte die Motorrad-WM erstmalig auf dem über fünf Kilometer langen Kurs. Unter der Bezeichnung Grand Prix der Nationen, Grand Prix von San Marino und Grand Prix von Italien fanden bislang 25 Rennen in Mugello statt, das seit 1991 ununterbrochen im Kalender steht und seit 1994 den Italien GP ausrichtet. 1988 kaufte Ferrari den Kurs als zusätzliche Testmöglichkeit für das Formel-1-Team, davon profitierten aber auch die Motorradfahrer, denn die Scuderia ließ die Strecke auf höchste Sicherheitsstandards heben. Vom Prestigegewinn durch die Ferrari-Übernahme ganz zu schweigen. Bis zur Aufnahme des Circuit of the Americas in den Rennkalender verfügte Mugello mit seiner Geraden von 1.141 Metern über die längste aller WM-Strecken. Der Kurs fügt sich perfekt in die malerische Umgebung ein und neben zahlreichen Tribünen finden die Fans auch auf den Wiesen der umliegenden Hügel Zuschauerzonen. Vor allem nach Siegen von Valentino Rossi ist dort die Hölle los. Bislang konnte der Dottore bereits neun Mal in Mugello siegen, allerdings zog er sich dort 2010 auch seinen offenen Unterschenkelbruch zu.

4. Jerez

Mehr als 200.000 Fans feuern ihre Helden Jahr für Jahr in Jerez an - Foto: Repsol

Montjuich, Jarama, Barcelona, Valencia, Aragon - die Liste an spanischen Motorrad-Strecken ist lang. Doch keiner dieser Kurse kommt an die Tradition von Jerez heran, wo bisher 27 MotoGP-Rennen ausgetragen wurden. Zwar wurde der Circuito de Jerez erst im Dezember 1985 eröffnet, doch schon anderthalb Jahre später war die Motorrad-WM erstmals zu Gast. Seit 1987 stand der Kurs ununterbrochen im Rennkalender und trägt seit jeher das Prädikat des offiziellen Spanien Grand Prix. Die weit über hunderttausend Zuschauer finden zum größten Teil auf den Naturtribünen entlang des Mittelsektors Platz, vor allem in den Kurven neun und zehn herrscht aufgrund der Architektur und der unmittelbaren Nähe zur Strecke regelrechte Stadionatmosphäre. Hier findet sich auch der künstlich angelegte Teich, in dem etwa Jorge Lorenzo 2010 nach seinem ersten MotoGP-Sieg auf spanischem Boden ein kurzes Bad nahm. In der finalen Kurve spielten sich bereits mehrfach Dramen ab, wie etwa 2005 im Duell zwischen Valentino Rossi und Sete Gibernau oder im Vorjahr zwischen Lorenzo und Marc Marquez. Mit nur 4,4 km Länge zählt die Strecke zu den kürzeren im Kalender, die Atmosphäre ist dafür umso dichter. Außerhalb der Saison zählt der Circuito de Jerez aufgrund des gemäßigten Klimas zu den beliebtesten Teststrecken.

3. Sachsenring

Das Rennwochenende am Sachsenring ist eine einzige große Party - Foto: Milagro

Bei einer Aufzählung der Traditionsstrecken darf der Sachsenring nicht fehlen, denn bereits 29 Mal gastierte die Motorrad-WM im Osten Deutschlands. 8,7 km war der temporäre Straßenkurs durch Hohenstein-Ernstthal einst lang, als er als Großer Preis der DDR im Jahr 1961 seinen Weg in den Rennkalender fand. 1972 kam allerdings das Aus. Offiziell wegen Sicherheitsbedenken, inoffiziell weil die SED-Führung sich im Jahr zuvor daran stieß, dass die anwesenden Fans aus der DDR beim Sieg des Westdeutschen Dieter Braun während der Siegerehrung die BRD-Hymne lauthals mitsangen. Mit dem Zusammenbruch der DDR kam auch für den temporären Straßenkurs das endgültige Aus. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte 1996 schließlich der neue, von Hermann Tilke konstruierte Sachsenring eröffnet werden, der 1998 die Motorrad-WM erneut anlocken konnte. Rasch entwickelte sich die Strecke zum Publikumsmagneten, jährlich finden am MotoGP-Rennwochenende über 200.000 Fans den Weg an die Strecke. Diese ist mit nur 3,6 km die kürzeste im gesamten Kalender. Das Layout zählt bei den Fahrern nicht zu den beliebtesten, vor allem die sieben Linkskurven im Vorfeld von Turn 11 sorgten im Vorjahr für eine Sturz-Orgie inklusive anschließender Sicherheits-Debatte im Fahrerlager. Die Möglichkeiten eines Umbaus der entsprechenden Passagen sind aufgrund der natürlichen geographischen Bedingungen allerdings begrenzt.

2. Brünn

Nirgends pilgerten 2014 mehr Fans an die Strecke als in Brünn - Foto: Milagro

Tschechien zählt zwar nicht unbedingt zu den großen Motorrad-Nationen, doch der Grand Prix der Tschechischen Republik (bis 1992 Grand Prix der Tschechoslowakei) hat in der MotoGP eine lange Tradition. 1965 gastierte die WM erstmals in Brünn. Gefahren wurde auf einem 13,94 km langen Kurs auf öffentlichen Straßen direkt vor den Toren der zweitgrößten Stadt Tschechiens. 1975 wurde die Strecke, die auch durch Wälder und um umliegende Dörfer führte, auf 10,92 km verkürzt, ehe 1982 das vorläufige Aus für den tschechischen Grand Prix erfolgte. Der Straßenkurs war nicht mehr zeitgemäß, sodass innerhalb des nordwestlichen Abschnitts der ehemaligen Strecke ein neuer, moderner Kurs unter dem Namen Masaryk Ring errichtet wurde. 1987 gab Brünn sein Comeback im MotoGP-Zirkus und ist heute aus dem WM-Kalender nicht mehr wegzudenken. 45 Rennen fanden bisher auf tschechischem Boden statt, wo unter anderem Valentino Rossi 1996 im Alter von 17 Jahren seinen ersten GP-Sieg feierte. Die Strecke zeichnet sich nicht nur durch ihre perfekte Einbettung in die umliegende Landschaft und damit einhergehende Höhenunterschiede aus, sondern lockt Jahr für Jahr auch über 200.000 Fans an. Von der großen Naturtribüne im Infield überblicken die Zuseher mehr als ein Drittel der gesamten Strecke.

1. Assen

Als bisland letzter Pilot durfte sich Marc Marquez in die lange Siegerliste der Dutch TT eintragen - Foto: Milagro

Er ist auch als die Kathedrale des Motorradsports bekannt: der TT Circuit Assen. Seit der Premierensaison im Jahr 1949 gastiert die Motorrad-WM in der niederländischen 67.000-Einwohner-Stadt. Assen kommt damit auf die Rekordzahl von bisher 65 Rennen. Im Laufe der Jahre veränderte sich der Kurs mehrfach. Anfangs wurde auf offenen Straßen gefahren, erst 1955 wurde eine permanente Rennstrecke in Assen gebaut. Diese war ursprünglich 7,7 km lang, ehe sie 2006 durch den Wegfall der Nordkurve auf 4,5 km verkürzt wurde. Seit jeher unverändert ist die Start/Ziel-Gerade, der gegenüber die imposante Haupttribüne steht. Assen rühmt sich damit, die einzige Strecke im Kalender zu sein, die rein nach den Bedürfnissen des Motorradsports errichtet wurde. So sind alle Kurven leicht überhöht und die langgezogenen kombinierten Kurven-Passagen Turn 2/3/4 und 12/13/14 lassen jeden Motorradfahrer mit der Zunge schnalzen. Auch für die Fans ist Assen ein Zweirad-Mekka. 100.000 Zuschauern bietet die Anlage Platz. Allerdings litt das Rennen in den vergangenen Jahren unter Zuschauerschwund, weshalb bereits überlegt wurde, den Grand Prix der Niederlande auf Sonntag zu verlegen. Traditionell findet das Rennen in Assen an einem Samstag statt weil in den Anfangszeiten die frommen Kirchgänger am Sonntag nicht durch das Knattern der Motoren gestört werden sollten.

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