Moto2

Tschechien-GP: Die Schweizer Fahrer im Brünn-Check

Thomas Lüthi kommt in Brünn zum Sieg wie die Jungfrau zum Kind. Er nutzt die Regen-Unterbrechung perfekt aus. Kein Glück dagegen für Aegerter und Raffin.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Sonntag

Thomas Lüthi (1.): Es ging nur in eine Richtung für Thomas Lüthi beim Tschechien-GP in Brünn: nach vorne. Bis zum Abbruch wegen Regens jedoch nur in kleinen Schritten. In den ersten acht Runden konnte er sich von Startplatz elf aus gerade einmal vier Plätze verbessern. Beim Neustart übernahm Lüthi dagegen von P7 aus sofort die Führung und verschwand danach für die Konkurrenz in der Ferne. Ein unerwarteter, aber dafür umso schönerer Sieg für Lüthi.

"Ich habe heute Morgen im Warm Up in den ein bis zwei nassen Runden viel Selbstvertrauen gesammelt. Im Rennen war der Start natürlich der Schlüssel zum Erfolg. Dann habe ich einfach nur noch versucht, meinen Rhythmus zu halten und das Limit richtig zu fühlen. Das ist mir nach all den Problemen an diesem Wochenende gut gelungen und ich konnte richtig schnell fahren. Es ist echt cool, endlich wieder ganz oben auf dem Podium zu stehen."

Jesko Raffin (29.): Keinen Profit aus den chaotischen Umständen konnte Jesko Raffin schlagen. Weder im ersten Teil, noch im zweiten Teil des Tschechien-GP konnte der Schweizer Eindruck schinden. Letztlich sah er als 29. und Letzter die Zielflagge, mit einem Rückstand von acht Sekunden auf seinen Vordermann.

"Es war ein turbulenter Tag. Auf dem Trockenen ging es nicht schlecht, ich war in den Top-20 obwohl mein Start nicht sehr gut war. Dann, nach dem zweiten Start, konnte ich nochmals drei oder vier Plätze gewinnen, ich fuhr in einer guten Gruppe. Nach einigen Runden verlor ich den Grip aber total. Ich wäre einmal fast gestürzt, aber habe mir dann gesagt, dass es der Worst Case wäre, auf dem letzten Platz jetzt auch noch zu stürzen. Somit bin ich froh, dass ich das Motorrad trotzdem noch ins Ziel gebracht habe. Natürlich bin ich enttäuscht, denn da ich eigentlich ein gutes Gefühl im Regen hatte, habe ich mich über die ersten Tropfen gefreut. Aber jetzt kann man nichts mehr ändern."

Dominique Aegerter (DNS): Ähnlich wie Sandro Cortese durfte auch Dominique Aegerter nicht mehr beim Neustart mitmachen. Aegerter hatte zum Zeitpunkt des Abbruchs nicht 80% der Renndistanz absolviert. Grund: Nach Runde eins kam er wegen eines Defekts an die Box, später ging er beim Abbruch eine Runde zu früh rein. Somit fehlte ihm eine Runde, um beim Restart startberechtigt zu sein. Auch die Diskussionen des Teams mit der Rennleitung halfen nichts.

"Das Rennen verlief von Beginn an wie verhext für mich. Zuerst brach der Starthebel und dann durfte ich zum Neustart nicht mehr antreten. Nach dem notwendigen Boxenstopp wegen der Reparatur des Schalthebels habe ich auf Regen gehofft. Dieser kam dann auch, also hatte kurz mal ich Glück. Doch ein paar Minuten später hatte ich schon wieder Pech. Als ich zum ersten Mal die rote Flagge gesehen habe, bin ich gleich in die Box gefahren. Das war mein Fehler, weil ich dadurch die erforderlichen 75 Prozent der bis zum Abbruch gefahrenen Gesamtzeit nicht erreicht habe. Somit stehen wir jetzt zum zweiten Mal hintereinander mit leeren Händen da. Dabei wollten wir unbedingt mit einem starken Ergebnis in die zweite Saisonhälfte starten."

Samstag

Thomas Lüthi verpasste die Top-10 im Qualifying - Foto: Tobias Linke

Tom Lüthi (12.): Nach dem verhaltenen Freitag ging es für den WM-Anwärter Tom Lüthi am Samstag in Brünn schwierig weiter. Am Vormittag crashte der Schweizer, konnte aber unverletzt am Qualifying teilnehmen. Zu Beginn der Session konnte er sich auf dem neunten Platz halten, rutschte aber am Ende des Qualifying auf den zwölften Platz ab. Auf den Polesetter Mattia Pasini fehlen Lüthi 0.603 Sekunden. Seine beste Rundenzeit im Qualifying war eine 2:03.214. Damit startet Lüthi am Sonntag aus Reihe vier ins Rennen.

"Die Abstände sind zwar nicht sehr gross, das Feld ist eng zusammen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich aus der vierten Reihe starte und somit einfach zu langsam war. Wir konnten keine Lösung finden, ich fahre am Limit und bin trotzdem nicht schnell genug. Ob neue oder gebrauchte Reifen, meine Zeiten bleiben gleich und das ist nicht normal. Der Grip verändert sich ständig, vom Anfang einer Session bis zum Ende hin, und ich denke wir sind nicht die einzigen hier im Paddock, die Mühe haben, das zu verstehen. Aber offensichtlich haben andere eine bessere Lösung dafür gefunden als wir. Aber es ist nun unser Job, den letzten Tag noch zu nutzen und das zu ändern."

Dominique Aegerter (21.): Zwar brachte Dominique Aegerter seine Vormittagssession im Gegensatz zu Lüthi ohne Crashes über Bord, dafür räumte ihn im Qualifying Simone Corsi mit einem seiner übermotivierten Manöver von der Strecke. Danach reichte es für den Schweizer Piloten nur noch für einen 21. Rang in der Startaufstellung und eine 2:03.788er Bestzeit. Damit fehlen Aegerter 1.177 Sekunden auf Spitzenreiter Pasini.

"Die Situation im heutigen Qualifying war für mich nicht einfach zu ertragen. Nach nur drei Runden hat mich Simone Corsi abgeschossen. In diesem Moment war an dieser Stelle kein Platz zu überholen. So eine Aktion nach nur fünf Minuten in einem Training zu starten, ist einfach sinnlos - es war absoluter Schwachsinn. Das Motorrad wurde erst sehr spät zurückgebracht und zudem war es ziemlich beschädigt. Auf jeden Fall konnte ich dank des super Einsatzes und exzellenten Arbeit meines Teams am Ende noch drei Runden fahren. Doch mehr als P21 war nicht möglich."

Jesko Raffin (29.): Auch Jesko Raffins Qualifying-Samstag in Brünn lief nicht ohne Probleme ab. Zwar stürzte er nicht, konnte sich im Qualifying aber nur den 29. von insgesamt 32 Plätzen sichern. Mit einer besten Rundenzeit von 2:04.424 fehlen ihm ganze 1.813 Sekunden auf Pasinis Pole-Zeit.

"Ein heisser, sehr enttäuschender Samstag. Ich bin mit dem Resultat überhaupt nicht zufrieden. Ich fahre mit dem selben Motorrad wie bei Tests und ich weiss, dass ich damit schneller sein könnte. Natürlich ist der Grip anders, und wir haben noch immer die Möglichkeit, morgen im Warm-up zu arbeiten. Falls es regnen sollte – natürlich war ich im Regen am Freitag besser, aber schlussendlich muss ich fähig sein, auch im trockenen schnell fahren zu können."

Freitag

Dominique Aegerter wurde am Freitag bester Schweizer - Foto: Tobias Linke

Dominique Aegerter (9.): Mit dem Selbstbewusstsein seines Suzuka-Podiums im Gepäck startete Dominique Aegerter gut in das Brünn-Wochenende. Nach Rang 19 im verregneten FP1 verbesserte sich der Kiefer-Racing-Pilot am Nachmittag auf trockener Strecke um zehn Plätze und beendete den Freitag auf Rang neun. Somit war Aegerter bester Schweizer.

"Im Großen und Ganzen kann ich mich über meinen Start in dieses Wochenende nicht beklagen. Allerdings war ich im verregneten ersten Training viel zu weit weg vom Schuss. Vom fahrerischen Aspekt her war ich sicher nicht in Bestform. Auf trockener Piste lief es dafür umso besser, auch wenn wir mit dem Motorrad noch nicht am Limit sind. Es gibt in einigen Bereichen sicher noch Potenzial für Verbesserungen. Abgesehen davon war es heute mein erster Tag mit der Suter Moto2 seit einem Monat. Wir hatten in der Sommerpause keinen Test."

Tom Lüthi (10.): Noch hinter seinen Ansprüchen zurück blieb am Freitag in Brünn Tom Lüthi. Der WM-Zweite kam über die Ränge sieben in FP1 und zehn in FP2 nicht hinaus, was ihm Gesamtrang zehn einbrachte. Vier Positionen und über drei Zehntelsekunden fehlen ihm aktuell auf WM-Leader Franco Morbidelli, auf die Bestzeit von Mattia Pasini verlor Lüthi mehr als acht Zehntel.

"Der Regen hat uns heute Vormittag alle überrascht, aber ich bin nicht unzufrieden mit meiner Leistung. Letztes Jahr bin ich das Rennen nach dem Sturz am Samstag nicht gefahren, deshalb war ich überrascht, wie viel Grip wir in diesen Verhältnissen hatten. Am Nachmittag konnten wir die Arbeit fortsetzen, die wir bereits bei den Tests begonnen hatten, der Grip war jetzt jedoch ganz anders als noch vor zwei Wochen. Dann, am Ende des zweiten freien Trainings, hatte ich Probleme mit der Bremse und war gezwungen, vor Ende des Trainings zur Box zurückzukehren. In Anbetracht dessen mache ich mir überhaupt keine Sorgen für die weiteren zwei Tage hier in Brno."

Jesko Raffin (27.): Im nassen ersten Training durfte sich Jesko Raffin mit P17 über ein gutes Ergebnis freuen, am Nachmittag ging es für ihn in der Zeitenliste aber wieder deutlich nach hinten. Er beendete den Freitag schließlich auf dem 27. Platz, 2,125 Sekunden hinter der Spitze.

"Im Regen nach einer so langen Pause war mein Gefühl am Vormittag für den ersten Tag nicht schlecht und ich konnte die 17. Zeit fahren. Heute Nachmittag hatte ich leider etwas Probleme mit meinem Vorderreifen. Wir müssen nun analysieren, was da genau passiert ist. Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass ich an genau denselben Stellen beschleunige, aber trotzdem anders in die Kurven hinein komme. Trotzdem ist der Rückstand inakzeptabel auch wenn ich weiss, dass ich morgen besser sein kann, wenn wir dieses Problem behoben haben."


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