Moto2

Niederlande GP: Der Check der Schweizer Piloten

Tom Lüthi verpasst den Sieg nur um eine halbe Runde. in der WM büßt er nun wieder etwas ein. Die Schweizer Moto2-Asse im Check:
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Sonntag

Tom Lüthi (2.): Viel fehlte nicht zum ersten Saisonsieg! In Assen fuhr Tom Lüthi erneut ein beherztes Rennen und setzte sich zu Beginn in einer sieben - später nur noch sechs - Fahrer starken Spitzengruppe fest. Dort arbeitete er sich gegen Rennende immer weiter nach vorne und ging fünf Runden vor Schluss in Führung. Auf der letzten halben Runde musste er aber Franco Morbidelli passieren lassen, der ihm den Sieg wegschnappte. In der WM hat Lüthi daher nun zwölf Punkte Rückstand auf den Italiener.

"Morbidelli war dieses Wochenende von Anfang an sehr präsent. Aber er war nicht der Einzige – genau das hat das Rennen heute so spannend gemacht. Als ich in die letzte Runde mit 2 Zehntel Vorsprung eingebogen bin wusste ich, dass es nicht so einfach reichen würde. Frankie hat mich in Kurve 9 überholt, da war er einfach der Stärkste von allen, und da hat er mich auch schon vorher mehrmals überrascht. Natürlich habe ich mir gleich vorgenommen, in der letzten Schikane nochmals anzugreifen, aber wir waren beide so sehr am äussersten Limit, dass es gefährlich gewesen wäre, etwas zu versuchen. Das Team hat dieses Weekend einmal mehr einen perfekten Job gemacht. Wir waren präsent, solide und konstant. Natürlich hätte ich den Sieg gewollt, wie ich ihn immer will. Aber die Saison ist noch lang."

Dominique Aegerter (12.): Von Platz 11 gestartet, schnappte sich Aegerter im Rennen früh Francesco Bagnaia und Fabio Quartararo. Damit biss er sich in den Top-10 fest, konnte diese gegen Ende aber nicht mehr halten. Bagnaia, Quartararo und auf der letzten Runde auch Marcel Schrötter gingen an Aegerter vorbei, der letztlich nur Zwölfter wurde.

""Es war erneut ein schwieriges Rennen für uns. Als es ab Rennmitte leicht zu regnen begann, habe ich weiter viel riskiert, damit ich dranbleiben konnte. Als der Regen wenig später wieder aufhörte, konnte ich im Gegensatz zu den Anderen nicht mehr zulegen. Die Konkurrenz fuhr ab diesem Zeitpunkt eine halbe Sekunde schneller. Damit war ich für die nachfolgenden Fahrer leichte Beute. In der letzten Runde hat mich Marcel (Schrötter) noch überholt. Das war ein hartes, aber faires Manöver. Doch so ist der Rennsport und ich hätte es auch nicht anders gemacht. Trotzdem stinkt es mir, dass ich in der letzten Runde noch eine Position verlor."

Jesko Raffin (17.): Am Start einen Platz gewonnen, konnte Raffin im Rennen auch Stefano Manzi überholen. Seinen Kampf gegen Jorge Navarro zu Mitte des Rennens verlor er, am Ende kam er noch knapp an Remy Gardner heran. Als 17. gab es aber keine Punkte.

"Assen war allemal ein positives Wochenende. Ich war sowohl im Trockenen als auch auf nasser Piste in den Top-20. Das hat gezeigt, und ich bin auch zuversichtlich, dass es wieder bergauf geht. Das Rennen selbst war eine spannende Angelegenheit, ich hatte ein paar gute Kämpfe und habe auch viel gelernt. Leider fehlten am Ende vier Zehntelsekunden für die Punkte. Das war wirklich ganz knapp. Doch wir sind wieder dabei. Ich hatte einen guten Rhythmus, als auch eine schnelle Pace und ich kann mit diesem Rennen zufrieden sein. Jetzt heisst es aber das Gelernte am Sachsenring umzusetzen. Doch zuvor gilt es nochmals Energie für das letzte Rennen vor der Sommerpause zu sammeln."

Samstag

Tom Lüthi (3.): Der Start in den Samstag gestaltete sich für Thomas Lüthi schwieriger als gewohnt. Im nassen FP3 hatte der Schweizer so seine liebe Müh und Not und schaffte es gerade noch so in die Top-10. Im Qualifying war Lüthi wieder besser aufgelegt. Vor allem in den Schlussminuten war Lüthi bärenstark unterwegs und fuhr sich mit konstant guten Zeiten in die erste Startreihe.

"Ich bin froh, in der ersten Reihe zu sein. Am Vormittag, auf der nassen Strecke, war es sehr mühsam. Ich hatte dauernd das Gefühl, das Motorrad möchte mich abwerfen. Wir haben zwischen Training und Quali viel gearbeitet und haben das, was wir fürs Qualifying gebraucht haben, erreicht. Trotzdem bleiben viele Fragen offen, vor allem was die Reifen betrifft. Der Grip ist sehr schlecht und die Pneus verlieren schnell an Halt. Es waren bisher nur sieben oder acht schnelle Runden möglich, im Rennen werden es aber 24 sein. Das wird morgen der Schlüssel zu einem guten Resultat sein. Für uns wäre es gut, wenn es etwas wärmer wäre."

Dominique Aegerter (11.): Blass geblieben ist Dominique Aegerter am Trainingssamstag zur Dutch TT 2017 in Assen. Der Schweizer reihte sich im nassen 3. Freien Training am Vormittag auf Platz 17 ein. Besser lief es schon im Qualifying. Lange Zeit hielt sich Aegerter in den Top-10, am Ende reichte es nicht ganz: Platz elf für den Kiefer-Pilot am Start am Sonntag Nachmittag.

"Heute Morgen im Nassen lief es eigentlich gar nicht so schlecht. P17 war zwar nichts Grossartiges, aber der geringe Rückstand mit nur zwei Sekunden auf die Spitze glich das aus. Das Qualifying war wieder einmal ein typischer Mischmasch aus halbnasser bis feuchter und zum Schluss fast trockener Strecke. Doch abgesehen davon hatten wir die gleichen Probleme, mit denen wir in das Wochenende gestartet sind. Wir haben sehr viel Grip am Hinterreifen, doch wir können diesen nicht richtig nutzen. Obwohl Startplatz elf ein bisschen besser ist als bei den letzten Rennen, bin ich ein wenig enttäuscht. Ich spüre, dass wir viel mehr rausholen könnten, doch wir können es im Moment auf der Strecke nicht umsetzen."

Jesko Raffin (20.): Kaum regnet's, schon geht es für Jesko Raffin weiter nach oben in der Reihenfolge. Im nassen FP3 fuhr Raffin immerhin die elftschnellste Zeit und lag damit nur einen Platz hinter Teamkollege Lüthi. Im Qualifying konnte Raffin daran nicht mehr ganz anknüpfen. Im Bild war der Schweizer vor allem dann zu sehen, wenn schnellere Fahrer auf ihn aufliefen. Dennoch war Raffin respektabel unterwegs und wurde letztlich 20.

"Am Vormittag, im Regen, lief’s gut für mich: ich war im dritten Training auf dem 11. Platz. Zu beginn des Qualifyings war es nicht viel schlechter, ich gewann mehr und mehr Vertrauen in die Strecke und die Verhältnisse wurden mit jeder Runde besser. Als das Quali unterbrochen wurde war ich nahe an den Top15. Danach bin ich direkt mit neuen Reifen wieder raus gegangen, als die Streckenverhältnisse später aber noch besser wurden, waren die Pneus eben schon nicht mehr optimal. Der 20. Platz ist nicht schlecht – es ist mein bestes Resultat sein der Startaufstellung zum GP von Argentinien im Frühling. Das Ziel ist also klar: Punkte!"

Freitag

Am Freitag lagen Lüthi und Aegerter in den Top-10 - Foto: Kiefer Racing

Tom Lüthi (3.): Auch der Assen-Auftakt am Freitag zeigte wieder einmal deutlich, wie gut sich Tom Lüthi in dieser Saison schlägt. Nach zwei Trainingssessions am Vor- und Nachmittag sicherte sich der Schweizer den dritten Platz in der kombinierten Tageswertung. Damit hat er nur Franco Morbidelli und Takaaki Nakagami vor sich. Auf den Führenden Morbidelli fehlt Lüthi mit seiner Bestzeit nur 0.181 Sekunden. Seine beste Zeit von 1:38.242 fuhr Lüthi im zweiten Freien Training, was ihn den dritten Platz in der Session sicherte. Am Vormittag wurde er mit 1:38.492 sogar Session-Erster.

"Wir haben während dem Test in Barcelona, nach dem GP-Wochenende, enorm viel gearbeitet. Vor allem am zweiten Tag bin ich, obwohl ich nicht auf die Rundenzeiten fixiert war, sehr schnell und auch sehr konstant gefahren. Und das trotz den sehr heissen Temperaturen. Hier ist es natürlich etwas kühler als in Spanien, somit ist auch der Grip etwas geringer. Ich war überrascht, dass ich mich trotzdem sehr wohl gefühlt habe auf dem Motorrad. Mein Rhythmus hat sich verbessert – aber achtung, wir haben noch immer Arbeit vor uns. Wir sind mit der Front stark am Limit, wobei ich überzeugt bin, dass, sofern es nicht regnet, sich die Verhältnisse noch etwas verbessern werden. Wir arbeiten auf einem hohen Niveau, das gefällt mir sehr."

Dominique Aegerter (7.): Auch für Dominique Aegerter liefen die Trainings am Assen-Freitag deutlich besser als die vorherigen Rennwochenenden. In der kombinierten Bestzeitenliste des Tages sicherte sich der Schweizer den siebten Platz mit einer 1:38.614. Diese fuhr er im zweiten Freien Training, während er am Morgen nur eine 1:39.792 und einen 16. Platz verzeichnen konnte. Mit seiner Bestzeit vom Nachmittag fehlen ihm auf Morbidelli an der Spitze 0.553 Sekunden.

"Wir haben die Daten vom ersten Training genau analysiert und konnten daher bis zum Nachmittag einen guten Schritt vorwärts machen. Das Team und Suter haben sicher gute Arbeit geleistet. Während der zweiten Session haben wir es geschafft, den richtigen Weg einzuschlagen. Diesen Schritt müssen wir aber morgen noch bestätigen. Das wird aber nicht einfach, da die Zeiten sicher noch schneller werden. Doch soweit haben wir eine gute Session abgeliefert und wir sind vorerst nicht weit von der Spitze entfernt. Nachdem wir zuletzt in Barcelona Probleme hatten, versuchen wir diese mit ein paar neuen Teilen zu beheben."

Jesko Raffin (24.): Jesko Raffin bildet auch in Assen ein weiteres Mal das Schlusslicht der Schweizer Piloten. Am Ende des Tages fuhr der Schweizer auf den 24. Rang in der kombinierten Zeitenliste. Das tat er mit einer Bestzeit von 1:39.546 aus dem ersten Freien Training. Dort war er mit dieser Zeit auf den 13. Rang gefahren. Im Gegensatz zu allen seinen Konkurrenten (mit Ausnahme von Marcel Schrötter), konnte sich Raffin am Nachmittag aber nicht verbessern. Mit seiner Bestzeit fehlen ihm 1.485 auf die Zeit Morbidellis.

"Ich habe mich am Vormittag sofort wohl gefühlt auf dem Motorrad, wir haben gar nicht viel geändert. Ich habe das Training am Nachmittag mit alten Reifen begonnen um deren Verhalten auf Renndistanz zu testen und um zu sehen, wie sie sich am Limit verhalten. Als wir dann neue Pneus aufzogen, fand ich den Rhythmus nicht mehr und außerdem war viel Verkehr auf der Strecke. Schade, aber ich bin überzeugt, dass morgen im Qualifying mehr drin sein wird als der 24. Platz."


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