Motorsport-Magazin.com Plus
Formel E

Wehrlein trotz erstem Formel-E-Podest für Porsche enttäuscht

Pascal Wehrlein erringt beim Formel-E-Rennen in Rom seinen ersten Podiumserfolg für Porsche. Der ehemalige Formel-1-Fahrer hadert mit dem geerbtem Podest.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Es war ein Rennen der Premieren rund um Pascal Wehrlein beim Formel-E-Lauf in Rom: Als erster Deutscher errang der frühere Formel-1- und DTM-Pilot einen Podestplatz in der Saison 2021, gleichzeitig war es sein erster für den neuen Arbeitgeber Porsche sowie der erste für den Sportwagenbauer aus Zuffenhausen in diesem Jahr.

Den dritten Platz beim Sonntags-Rennen in der italienischen Hauptstadt erbte Wehrlein im Nachgang. Nachdem er die Ziellinie als Vierter überquert hatte, rückte der 26-Jährige in Folge einer nachträglich ausgesprochenen Disqualifikation für den eigentlich Drittplatzierten Norman Nato nach vorne. Der Formel-E-Rookie in Diensten von Mercedes-Kundenteam Venturi hatte mehr als die erlaubten 40 kWh benutzt: "Eine bittere Pille, die ich schlucken musste."

Nach dem Podesterfolg und zuvor P7 im Samstags-Rennen belegt Wehrlein als bestplatzierter der vier deutschen Fahrer den sechsten Rang in der Meisterschaft. 32 Punkte sammelte der Porsche-Neuzugang in den ersten vier Rennen - elf weniger als der aktuelle Spitzenreiter Sam Bird (Jaguar). Wehrleins Teamkollege Andre Lotterer, der Porsche in der Debütsaison 2019/20 zwei Podiumsplätze beschert hatte, ging beim zweiten aufeinanderfolgenden Double-Header leer aus.

Zweiter Podestplatz für Pascal Wehrlein in der Formel E - Foto: LAT Images

Wehrlein: Haben Potenzial liegenlassen

"Es fühlt sich gut an, auf dem Podest zu stehen", sagte Wehrlein. "Trotzdem bin ich ein bisschen enttäuscht, weil ich das Rennen ja angeführt hatte. Ich denke, dass wir Potenzial haben liegen lassen. In den Rennen fehlt uns noch Pace. In Rom war es ähnlich wie in Riad (Saisonauftakt; d. Red.), als ich von Platz zwei gestartet bin. Das müssen wir für die nächsten Rennen untersuchen und verbessern."

Wehrlein hatte das Rennen nach einer starken Leistung im verregneten Qualifying vom dritten Platz hinter Pole-Setter Nick Cassidy (Virgin) und Norman Nato (Venturi) aufgenommen. Nachdem Cassidy die Führung früh durch einen Fahrfehler weggeworfen hatte, übernahm Wehrlein in der vierten Runde durch ein beherztes Überholmanöver gegen Formel-E-Rookie Nato die Spitze. Von hinten rauschte unterdessen der von P5 gestartete, spätere Rennsieger Stoffel Vandoorne mit seinem Mercedes heran.

Formel E 2021 Rom: Rennen 2 als Zusammenfassung: (05:06 Min.)

Schlüsselmoment gegen Rakete Vandoorne

"Ich hatte einen kleinen Vorsprung, aber Stoffel kam wie eine Rakete angeschossen. Der war wirklich schnell unterwegs", sagte Wehrlein. Der Belgier versuchte in der siebten Runde auf Platz zwei liegend einen Undercut gegen Wehrlein, indem er früher einen der drei verpflichtend einzusetzenden Attack Modes nutzte. Wehrlein befuhr die Aktivierungsschleifen in der Attack-Mode-Zone in Runde acht und hatte Pech, als ein Unfall von Audi-Pilot Lucas di Grassi einen Umlauf später eine Full-Course-Yellow-Phase auslöste.

So konnte Wehrlein keinen Gegenangriff starten und verlor bei der mit maximal 50 km/h erlaubten Fahrt für zwei Runden (9 und 10) den zusätzlichen Boost. "Das war der Schlüsselmoment des Rennens", bestätigte Vandoorne. "Durch die Full Course Yellow konnte ich den Vorsprung wahren, weil Wehrlein seinen ersten Attack Mode nicht vollständig nutzen konnte."

Full Course Yellow in Rom wirft Pascal Wehrlein zurück - Foto: LAT Images

Wehrlein überrumpelt: Knopf zu spät gedrückt

Beim Re-Start nach der FCY-Phase in Runde elf erlebte Wehrlein einen weiteren Dämpfer, als ihn Hintermann Alex Sims im Mahindra offenbar überraschte und überholte. Wehrlein: "Der hat den Knopf wohl ein bisschen früher gedrückt als ich..." In Runde 17 - sechs Runden vor dem Rennende - musste Wehrlein auch Venturi-Fahrer Nato passieren lassen, der allerdings wie Teamkollege Edoardo Mortara mehr Energie als die anderen Piloten im vorderen Feld genutzt hatte.

Der Nachteil beim Energie-Management sollte Folgen haben, als die Rennleitung nach einer späten Safety-Car-Phase das Rennen für eine letzte Runde freigab. Wehrlein kam auf den 3,380 Kilometern nicht an Nato vorbei, doch dessen zu hoher Energieverbrauch führte letztendlich zur Disqualifikation. "Mein Ingenieur sagte, dass ich zwei Prozent mehr Energie habe", so Wehrlein. "Ich hätte ihn gern noch im Rennen überholt."

In diesem Bereich rund um den Obelisk lag die Aktivierungszone für den Attack Mode - Foto: LAT Images

Porsche: Müssen es endlich im Rennen umsetzen

Mit Wehrleins Podestplatz hat Porsche ein erstes Ausrufezeichen gesetzt - im Renntrim sind Teams wie Jaguar und Mercedes allerdings noch überlegen. Für den nächsten Double-Header in Valencia (24./25. April 2021) wollen die Zuffenhausener Ingenieure nachbessern - vor allem auch beim bislang äußerst glücklosen Lotterer, dessen Antriebsstrang vor dem Rennen am Sonntag obendrein gewechselt werden musste.

"Seit dem Saisonstart in Diriyah haben wir gute Fortschritte gemacht", wurde Formel-E-Einsatzleiter Amiel Lindesay in der Porsche-Pressemitteilung zitiert. "Im Qualifying waren wir vorne dabei. Doch wir müssen das jetzt endlich auch im Rennen umsetzen. Heute waren wir schon nahe dran. Der dritte Platz von Pascal ist ein Ergebnis, auf dem wir für die nächsten beiden Läufe in Valencia aufbauen können."


Weitere Inhalte:
nach 12 von 15 Rennen