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Formel E

Formel E Rom: Vandoorne siegt, Wehrlein nachträglich auf Podest

Mercedes gewinnt das Sonntags-Rennen der Formel E in Rom vor Mahindra und Porsche. Stoffel Vandoorne revanchiert sich, Pascal Wehrlein staubt Podest ab.
von Robert Seiwert
Formel E 2021 Rom: Rennen 2 als Zusammenfassung: (05:06 Min.)

Stoffel Vandoorne hat beim Sonntags-Rennen der Formel E in Rom zurückgeschlagen! Der Mercedes-Pilot feierte seinen zweiten Sieg in der Elektro-Serie nach einem spannenden Schlussspurt in Folge einer späten Safety-Car-Phase. Am Samstag war der Mercedes-Pilot von der Pole Position nach einer Kollision zurückgefallen und später ausgeschieden.

"Wir hatten eine sehr gute Pace und konnten die drei Attack Modes gut managen", sagte Vandoorne. "Wir haben uns für den Samstag gerächt! Und in der letzten Runde wollten sie es mit der Rennfreigabe wohl noch einmal ein bisschen spannend machen. Aber ich konnte mich mit meinem Fanboost erfolgreich verteidigen."

Hinter Vandoorne überquerte Alexander Sims nach Start von Platz sechs die Ziellinie als Zweiter. Ein Schlüsselmoment seines Rennens war, als er nach einer Full Course Yellow seinen Vordermann Pascal Wehrlein überrumpelte und den zweiten Platz übernahm.

Ex-BMW-Pilot Sims: "Stoffel hatte einen großen Vorsprung. Am Ende hatte ich keine Chance, ihn zu überholen. Nach dem Safety Car war es eine Runde Vollgas, da kannst du selbst eigentlich nur Fehler machen. Man hat gesehen, dass die Reifen in der letzten Runde wie verrückt blockiert haben. Für uns war es ein sauberes Rennen und ich haben am zweiten Rennwochenende meinen ersten Podestplatz für Mahindra geholt."

Wehrlein erbt Podestplatz in Rom

Der von Platz drei gestartete Wehrlein übernahm zwischenzeitlich die Führung, bevor er während der ersten Phase der Attack-Mode-Aktivierungen auf den dritten Platz zurückfiel. Nach der turbulenten Schlussphase überquerte der Porsche-Pilot die Ziellinie auf dem vierten Platz. Wegen einer nachträglichen Disqualifikation von Norman Nato (mehr als 40 kWh Energie genutzt) rückte Wehrlein auf den dritten Podestplatz vor.

"Mein Ingenieur sagte, dass ich zwei Prozent mehr Energie habe als das Auto vor mir", erklärte Wehrlein kurz nach Rennende bei Sat.1. "Deswegen hatte ich gehofft, dass das Safety Car früher abbiegt, damit ich auf der Strecke überholen kann. Wir machen Fortschritte und sammeln weiter Punkte."

Rennen startet hinter dem Safety Car

Das Rennen begann wie am Vortag hinter dem Safety Car - trotz trockener Bedingungen und sehr zur Verwunderung von Sat.1-Experte Daniel Abt. Nach der Freigabe zur zweiten Runde warf Pole-Setter Nick Cassidy die Führung durch einen Verbremser nach wenigen Kurven weg. Für den Virgin-Rookie lief es nicht besser, als er einige Runden später einen Schubser von Oliver Rowland kassierte und innerhalb von nur vier Runden von P1 bis auf den letzten Platz durchgereicht wurde.

In der neunten Runde flammte eine alte Rivalität in der Formel E neu auf: Sebastien Buemi fuhr seinem alten 'Erzfeind' Lucas di Grassi ins Heck und schickte den Audi-Piloten unsanft in die Mauer. "Das war super-gefährlich", ärgerte sich Di Grassi am Funk und forderte eine harte Strafe für den Schweizer Nissan-Fahrer.

Di Grassi erlebte in Rom ein Wochenende zum Vergessen. Der frühere Champion sah in beiden Rennen nicht die Zielflagge und verlor den sicher geglaubten Sieg am Samstag weniger als Minuten vor Schluss wegen eines technischen Defekts an der Antriebswelle.

Beide Audi in der Mauer

Für Audi-Teamkollege Rene Rast lief es nach einer Aufholjagd bis auf Platz sechs am Samstag im zweiten Rennen ebenfalls nicht wie erhofft: Der dreifache DTM-Champion verlor in der 20. Runde die Kontrolle über sein Auto und knallte mit dem Heck voran in die Streckenbegrenzung. Der Crash führte zu einer weiteren Safety-Car-Phase knapp sieben Minuten vor dem Rennende.

Mit noch einer einzigen zu fahren Runde wurde das Rennen noch einmal freigegeben. Vandoorne verteidigte sich erfolgreich mit letzter Energie gegen Hintermann Alex Sims. Den dritten Platz auf dem Podium belegte Norman Nato mit exakt null Prozent verbleibender Energie! Quasi ohne Vortrieb rettete sich der Venturi-Pilot vor Pascal Wehrlein über den Zielstrich.

Dreifach-Crash in letzter Runde

Im Mittelfeld krachte es noch einmal ordentlich, als Oliver Rowland (Nissan), Nyck de Vries (Mercedes) und Sam Bird (Jaguar) beim Kampf um die letzten Punkte in eine kleine Massen-Kollision in der gefährlichen Kurve 7 gerieten und ans Ende des Feldes zurückfielen.

Edoardo Mortara bescherte Susie Wolffs Venturi-Truppe mit Platz fünf weitere Punkte für die Meisterschaft, stand aber unter Beobachtung der Rennleitung. Der von Platz fünf gestartete BMW-Pilot Maximilian Günther erzielte als Fünfter zum zweiten Mal in Folge Zähler. Mitch Evans (Jaguar) kam nach seinem Podestplatz am Samstag nicht über Platz sechs hinaus, der amtierende Champion Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) und Sebastien Buemi (Nissan) komplettierten die Top-8.

Die Formel E gastiert am 24./25. April 2021 zum dritten aufeinanderfolgenden Doppel-Rennen der Saison auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia. Auf dem spanischen Kurs soll ein spezielles Streckenlayout genutzt werden, dessen Verlauf öffentlich noch nicht bekannt ist.

Formel E 2021: Meisterschaft nach 4 Rennen (Top-8 und Deutsche)

Position Fahrer Team Punkte
1 Sam Bird Jaguar 43
2 Mitch Evans Jaguar 39
3 Robin Frijns Virgin 34
4 Stoffel Vandoorne Mercedes 33
5 Nyck de Vries Mercedes 32
6 Pascal Wehrlein Porsche 32
7 Edoardo Mortara Venturi 30
8 Jean-Eric Vergne Techeetah 25
... ... ... ...
11 Rene Rast Audi 21
15 Maximilian Günther BMW 12
23 Andre Lotterer Porsche 0

Formel E in Rom: So lief das Rennen am Sonntag

Die Startaufstellung: Im verregneten Qualifying am Samstagmorgen fuhren mit Nick Cassidy und Norman Nato zwei Formel-E-Rookies in die erste Startreihe. Die unterschiedlichen Streckenbedingungen sorgten für große Zeitenabstände quer durchs Feld. Pascal Wehrlein und Maximilian Günther starteten von den Plätzen drei und fünf. Andre Lotterer fiel nachträglich aus der Superpole und landete ohne eine gezeitete schnelle Runde auf P21. Rene Rast musste in Gruppe 1 starten und kam nicht über P19 vor Samstagssieger Jean-Eric Vergne hinaus.

Das Wetter: Nach dem Regen am Samstagvormittag trocknete die Strecke rechtzeitig zum Rennstart um 13:00 Uhr ab. Bei Außentemperaturen von 15 Grad (Strecke: 16 Grad) ging das vierte Saisonrennen über die Bühne. Zuschauer waren entlang der temporären Strecke im Süden von Rom wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt.

Der Start: Das Rennen begann wie am Samstag trotz trockener Bedingungen hinter dem Safety Car. Nach einer Runde hinter dem Elektro-Mini gab die Rennleitung das das Rennen zur zweiten Runde frei. Pole-Setter Nick Cassidy verbremste sich nach wenigen Kurven, drehte sich und verlor die Führung an Norman Nato. Der Venturi-Pilot büßte die Spitze in der vierten Runde an Pascal Wehrlein ein und musste auch Hintermann Stoffel Vandoorne ziehen lassen. Maximilian Günther lag nach den ersten Runden an vierter Stelle.

Der Fanboost: Stoffel Vandoorne kassierte zum 28. Mal in Folge den Fanboost, auch Mercedes-Teamkollege Nyck de Vries kam in den Genuss der kurzzeitigen Zusatzleistung. Der amtierende Meister Antonio Felix da Costa, Pascal Wehrlein und Sam Bird erhielten die meisten Stimmen beim Fanboost-Voting.

Die Zwischenfälle: Andre Lotterer kassierte zu Rennbeginn eine 10-Sekunden-Stop-And-Go-Strafe, weil das Team vor dem Rennen länger als erlaubt am Auto gearbeitet hatte. Eine 5-Sekunden-Zeitstrafe kassierte Robin Frijns, weil er während der anfänglichen Safety-Car-Phase einen zu großen Abstand gelassen hatte.

Für Pole-Setter Nick Cassidy lief es nach seinem frühen Dreher und dem Verlust der Führung nicht besser: Der Virgin-Pilot kassierte in Runde 4 einen Schubser von Oliver Rowland und wurde dadurch leicht in die Mauer gedrückt. Cassidy fiel innerhalb von vier Umläufen vom ersten bis auf den letzten Platz zurück, während Rowland mit einer 10-Sekunden-Zeitstrafe belegt wurde.

Die Ausfälle: Lucas di Grassi wurde in Runde 9 von Sebastien Buemi am Heck getroffen und unsanft in die Streckenbegrenzung geschickt. Für den Audi-Piloten war vorzeitig Feierabend. Di Grassi: "Das war super-gefährlich! Buemi sollte eine fette Strafe dafür bekommen." Die Rennleitung entschied sich für eine Full-Course-Yellow-Phase, bei der alle Autos nur 50 km/h fahren dürfen, während der Aufräumarbeiten.

Audi-Teamkollege Rene Rast verlor in der 20. Runde die Kontrolle über sein Auto und knallte mit dem Heck voran in die Streckenbegrenzung. Der Crash führte zu einer weiteren Safety-Car-Phase. Nach der Rennfreigabe für eine letzte Runde krachte es zwischen Oliver Rowland, Sam Bird und Nick de Vries, was zum Ausfall der beiden Letztgenannten führte.

Formel E in Rom: Key Facts zum Sonntagsrennen

  • Stoffel Vandoorne feiert zweiten Formel-E-Sieg
  • Dritter Podestplatz für Alexander Sims in Formel E
  • Nato bestraft: Pascal Wehrlein erbt drittes FE-Podium
  • Doppelter Audi-Ausfall: Rene Rast und Lucas di Grassi raus
  • Maximilian Günther punktet in beiden Rom-Rennen
  • Andre Lotterer zum vierten Mal in Folge ohne Punkte
  • Sam Bird führt in Meisterschaft vor Jaguar-Teamkollege Mitch Evans
  • Pascal Wehrlein auf P6 bestplatzierter Deutscher in Tabelle

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