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Formel E

Formel E: Strafzahlungen bei vorzeitigen Hersteller-Ausstiegen

Nach Ausstiegen von Audi und BMW: Die Formel E bittet künftig Hersteller beim vorzeitigen Abschied zur Kasse. Kundenautos werden teurer, Services günstiger.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Formel E und FIA wollen sich nach den angekündigten Abschieden von Audi und BMW zum Saisonende 2021 offenbar künftig vor weiteren vorzeitigen Hersteller-Ausstiegen schützen. In einer überarbeiteten FIA-Version der Hersteller-Registrierung ist ein neuer Absatz enthalten, der Herstellern eine Art 'Strafzahlung' auferlegt, sollten sie vorzeitig aus der Elektro-Serie ausscheiden.

Die Regelung gilt ab der Saison 2022/23, wenn mit dem neuen und leistungsstärkeren Gen3-Auto der dritte Zyklus seit dem Serienbeginn im Jahr 2014 eingeleitet wird. Dieser Zyklus umfasst die Saisons 9 (2022/23), 10 (2023/24), 11 (2024/25) und 12 (2025/26).

Laut dem neuen Artikel 7.4 muss ein Hersteller ab Saison 9 im Falle eines Ausstieges vor dem Ende der 12. Saison die vollständigen Gebühren von 300.000 Euro pro Saison innerhalb von 60 Tagen an die FIA entrichten. Konkretes Beispiel: Sollte ein Hersteller nach Saison 9 vorzeitig ausscheiden, muss er trotzdem die weiteren 900.000 Euro für die Saisons 10 bis 12 zahlen.

Formel-E-Zukunft: Wer ist dabei?

Hersteller, die ab 2022/23 mit dem Gen3-Boliden in der Formel E starten wollen, müssen ihre Bewerbung bis spätestens 31. März 2021 an die FIA schicken. Bislang hat sich nur der indische Automobilgigant und Formel-E-Pionier Mahindra öffentlich und konkret zum Gen3-Reglement bekannt. McLaren, bis 2022 Lieferant für die Einheits-Batterien, hat sich unterdessen eine Option für den Einstieg zur Saison 9 gesichert.

Und Porsche-Motorsportleiter Fritz Enzinger teilte zum vergangenen Jahresende mit: "Wir freuen uns sehr, dass wir am heutigen Tag ein klares Bekenntnis zur weiteren Teilnahme an der ABB FIA Formula E abgeben können. Wir wollen die Meisterschaft in den kommenden Jahren gemeinsam mit der FIA/FEO und den Teams weiter voranzubringen."

Preis für Kundenauto steigt auf 1,5 Millionen

Weitere Änderungen in der Hersteller-Registrierung betreffen die Kosten für Kundenautos. Jeder Hersteller verpflichtet sich wie bisher, mindestens zwei private Teams mit rennfertigen Fahrzeugen, technischem Support und Ersatzteilen zu einem bestimmten Preis zu beliefern. Aktuell starten Venturi (Mercedes) und Virgin Racing (Audi) mit Kundenautos in der Formel E.

Für den Kauf oder die Leihe eines Gen3-Boliden veranschlagte die FIA zuletzt einen festen Preis in Höhe von 835.000 Euro. In der neuen Version steigt der Preis auf 1,53 Millionen Euro pro Auto. Neu enthalten in der Kostenaufstellung ist eine Überarbeitung des Batterie-Systems in Höhe von 195.000 Euro. Zudem erhöhen sich die Kosten für das Hersteller-spezifische Paket (u.a. E-Motor, Getriebe, Fahrwerkkomponenten) von bisher 227.300 auf 427.300 Euro.

Formel E: Hersteller-Dienstleistungen halbiert

Während der Preis fürs reine Auto ordentlich ansteigt, können Kundenteams an anderer Stelle sparen. In der aktuellen Version darf der maximale Preis für Service-Dienstleistungen eines Herstellers die Summe von 600.000 Euro nicht übersteigen. In der vorigen Variante konnten Hersteller bis zu 1,2 Millionen Euro verlangen. Der Service beinhaltet technischen Support mit zwei Ingenieuren, Software-Updates, die Nutzung des Simulators sowie weitere Personalkosten.

Formel E Gen3: Kosten für Kundenautos

Auto/Service Kosten
Neues Batterie-System (Einheitsteil) 245.000 Euro
Überarbeitung des Batterie-Systems 195.000 Euro
Chassis mit E-Frontmotor (Einheitsteil) 340.000 Euro
Weitere Einheitsteile für Chassis 22.700 Euro
Hersteller-Teile (E-Motor, Getriebe, Fahrwerk etc.) 427.300 Euro
Maximale Hersteller-Servicegebühren pro Auto 300.000 Euro

Kostenobergrenze weiter im Gespräch

Zudem verringern sich die maximalen Kosten für Ersatzteile. Bislang durfte die Summe an Austauschteilen nicht mehr als 150 Prozent des Kaufpreises für ein Auto übersteigen. In der jüngsten Version des Schreibens gibt die FIA 135 Prozent an. Durch all diese Maßnahmen ändert sich trotz des höheren Autopreises nicht viel für Teams, die kein eigenes Formel-E-Fahrzeug entwickeln wollen.

Formel-E-Gründer Alejandro Agag hatte sich mit den involvierten Teams schon vor Jahren darauf geeinigt, Kundenautos zu einem bestimmten Fixpreis anbieten zu müssen. Dadurch sollte ein Ausufern der Entwicklungskosten vermieden werden. Mit der Einführung der Gen2-Boliden sind die Kosten inzwischen deutlich angestiegen, Szene-Kenner sprechen von bis zu 30 Millionen Euro Budget pro Saison bei den großen Herstellern. Die Einführung einer Kostenobergrenze bleibt ein Thema.

Gen3: Aktuelle Rahmendaten zum neuen Formel-E-Auto

  • Einsatz ab 2022/23 für 4 Saisons geplant
  • Maximale Leistung: 350 kW (475 PS)
  • Zielgewicht: 780 Kilo (120 weniger als beim Gen2)
  • Batterie soll 101 Kilo abspecken (aktuell 385 Kilo)
  • Williams ersetzt McLaren als Einheitsbatterie-Lieferant
  • Hankook folgt auf Michelin als Lieferant für Allwetterreifen
  • Zweiter E-Motor als Einheitsbauteil von Atieva
  • Neuer E-Motor nur zur Rekuperation an der Vorderachse
  • 600 kW Rückgewinnung über Bremse (350 kW hinten, 250 kW vorne)
  • Fast Charging: 4 kWh Ladung während Boxenstopps möglich

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