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Formel E

Formel E Marrakesch: Da Costa siegt vor Günther und Vergne

Während Antonio Felix da Costa den Sieg einfährt, kämpft Maximilian Günther um Platz zwei. In einem engen Kampf setzt er sich gegen Jean-Eric Vergne durch.
von Daniel Geradtz & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Fünftes Saisonrennen, fünfter unterschiedlicher Sieger: Techeetah-Fahrer Antonio Felix da Costa hat den ePrix in Marrakesch gewonnen. Der Portugiese startete von der Pole Position und lieferte sich zwischenzeitlich ein Duell mit Maximilian Günther um den Sieg. Danach setzte er sich vom BMW-Fahrer ab. Dieser kämpfte gegen Jean-Eric Vergne (ebenfalls Techeetah) um Platz zwei. In einem packenden Schluss-Fight setzte sich Günther gegen den amtierenden Champion, der Dritter wurde, durch.

In einem Rennen, das vom Energie-Management bestimmt wurde, machte sich der Sieger die Taktik zunutze. "Ich musste Max rankommen lassen", sagte Felix da Costa. "Ich habe ihn dahin gebracht, dass er mehr Energie brauchte. Das Auto war hier von Beginn an schnell. Mit der Pole war ich happy. Das Rennen war ein bisschen komplizierter als es aussah. Wir mussten mit der Strategie spielen, aber es hat gut geklappt." Für ihn war es der dritte Formel-E-Sieg.

Von der Leistung seines Teamkollegen zeigte sich Felix da Costa sich nach dem Rennen beeindruckt. "Er hatte ein sehr hartes Wochenende", resümierte der neue Meisterschaftsführende. "Im Team herrscht kein Druck, sondern eine gute Stimmung. Die Ergebnisse kommen dann ganz von selbst."

Sebastian Buemi (Nissan) beendete das Rennen auf dem vierten Platz vor Edoardo Mortata (Venturi). Mitch Evans, der vor dem Rennen in Marrakesch die Führung in der Meisterschaft innehatte, kämpfte sich von der letzten Position bis auf den sechsten Platz nach vorne. Der Jaguar-Pilot sicherte sich den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde.

Vergne ging geschwächt ins Wochenende

Auch Vergne zeigte auf dem Circuit International Automobile Moulay El Hassan ein starkes Rennen. Der Franzose verpasste das 1. Freie Training am Freitag, weil er sich auf eine Coronainfektion testen ließ, nachdem heftige Symptome aufgetreten waren. Er ging also mit einem Erfahrungsrückstand in den Samstag. Die Qualifikation beendete er auf Platz elf und machte im Rennen früh einige Positionen gut. Etwa zur Rennhälfte war der ehemalige Formel-1-Pilot hinter Lotterer auf dem vierten Platz angekommen und lieferte sich mehrere Überholmanöver mit dem Porsche-Piloten, gegen den er sich Ende durchsetzte, ehe sich auf die Jagd nach Platz zwei machte.

Er ging geschwächt in das Rennen am Samstag. "Es war mein härtestes Wochenende in der Formel E", sagte Vergne. "Gestern war ich noch im Krankenhaus. Das 1. Freie Training habe ich in einem fünf Quadratmeter großen Raum geschaut. In den vergangenen drei Tagen hatte ich 40 Grad Fieber. Man kann sich vorstellen, wie mein Tag war."

An der Spitze ließen Felix da Costa und Günther ihren Konkurrenten von Rennbeginn an keine Chance auf den Sieg. Die beiden Führenden blieben am Start vorne und setzten sich in den darauffolgenden Runden vom drittplatzierten Nyck de Vries ab. Die Rennleitung belegte den Mercedes-Piloten in Runde acht mit einer Durchfahrtsstrafe, weil er beim Rekuperieren das erlaubte Leistungsmaximum überschritt. Er fiel auf die vorletzte Position zurück und verpassten die Punkteränge als Elfter knapp.

Günther setzt sich in der letzten Runde durch

In Runde 16 griff Günther den Führenden zum ersten Mal an, musste allerdings zurückstecken. Zu Beginn der darauffolgenden Runde setzte sich der BMW-Fahrer beim Anbremsen auf die erste Kurve durch. In Runde 21 tauschten sie die Positionen wieder. Danach galt es für Günther, sich zu verteidigen. Während Felix da Costa enteilte, rückte von hinten Vergne an, der kurz darauf die zweite Position übernahm. Doch Günther gab nicht auf: In der vorletzten Runde startete Günther einen Schlussangriff auf den Franzosen, dem er sich zunächst geschlagen geben musste. Wenige Kurven vor dem Ende gelang Günther dann doch noch das entscheidende Überholmanöver, das ihm Platz zwei bescherte.

"Am Ende hatten wir einen Energievorteil gegen Vergne", berichtete der Bayer. "Das hat gereicht, um Platz zwei zu holen. Vergne weiß, wie man sich verteidigt. Er ist immer in den Kurven innen gefahren. Vor Kurve elf war er in der Mitte. Ich bin mit einem späten Manöver auf die Innenseite gefahren, durchgezogen und vorbeigefahren."

Daniel Abt (Audi) und Pascal Wehrlein (Mahindra) starteten mit hohen Erwartungen in das Wochenende, die sich allerdings nicht erfüllten. Abt überquerte die Ziellinie auf Platz 14. Wehrlein wurde 22.

Formel E Marrakesch 2020: So lief das Rennen

Die Startaufstellung: Antonio Felix da Costa erzielte seine zweite Pole Position in der Formel E sowie die erste für seinen neuen Arbeitgeber Techeetah. Mit Maximilian Günther, Andre Lotterer und Nyck de Vries folgten Fahrer der drei deutschen Teams BMW, Porsche und Mercedes. Edo Mortara, Sebastien Buemi, Jerome D'Ambrosio und Alex Sims komplettierten die Top-8 der Startaufstellung. Pascal Wehrlein startete von Platz 15, Daniel Abt kam nicht über P18 hinaus. Der Meisterschaftsführende Mitch Evans begann seine gezeitete Runde im Qualifying zu spät und musste deshalb aus der letzten Reihe starten.

Das Wetter: Der Renntag in Marrakesch begann mit kühlen Temperaturen um die 10 Grad. Als der Himmel gegen Mittag aufklarte, kletterten die Temperaturen auf 25 Grad nach oben. Das vorgezogene Training am Freitagnachmittag ging sogar bei 31 Grad über die Bühne.

Der Start: Der Start verlief ohne Komplikationen. Pole-Setter Felix da Costa kam besser weg als Günther. Auch in der zweiten Startreihe blieben Lotterer und de Vries in der Reihenfolge, in der sie losfuhren.

Der Fanboost: Im Voting für den Fanboost erhielten Vandoorne, Wehrlein, Felix da Costa, Di Grassi und D'Ambrosio die meisten Stimmen. Vandoornes Fanboost-Serie ist weiterhin ungebrochen. In jedem seiner Formel-E-Rennen konnte er bislang die zusätzliche Leistung abrufen.

Der Attack Mode: Die FIA teilte kurz vor dem Rennen mit, dass der Attack Mode im Rennen zweimal genutzt werden musste. Die Freischaltung der zusätzlichen Leistung dauerte vier Minuten. In dieser Saison stehen den Fahrern während des Attack Modes 235 kW zur Verfügung. Die Aktivierung befand sich in Marrakesch auf der Außenseite von Kurve drei.

Die Meisterschaft: Felix da Costa führt nun mit 67 Punkten die Gesamtwertung an. Evans liegt mit elf Punkten Rückstand auf dem zweiten Platz. Es folgt das BMW-Duo, bestehend aus Sims (46 Punkte) und Günther (44 Punkte). Mit dem doppelten Podest-Ergebnis hat Techeetah auch in der Team-Wertung die Führung übernommen. BMW ist Zweiter vor Jaguar.


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