Formel E

Formel E - BMW-Chef: Max Günther kommt mit dem Druck klar

Maximilian Günther steht in der Formel E vor seiner Rennpremiere für BMW. Motorsport-Direktor Jens Marquardt hält große Stücke auf das deutsche Top-Talent.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Der Einstand war schon einmal vielversprechend: Maximilian Günther führte bei seinem ersten offiziellen Einsatz als BMW-Werksfahrer gleich zwei Kategorien bei den Testfahrten in Valencia an. Der Neuzugang im Formel-E-Programm der Münchner erzielte die absolute Bestzeit auf dem Circuit Ricardo Tormo und spulte zudem die meisten Runden aller 24 Fahrer ab.

Dass Rundenzeiten auf der permanenten Rennstrecke mit Vorsicht zu genießen sind, weiß auch Günther. "Es ging uns in erster Linie um die Weiterentwicklung des Autos und die Abläufe innerhalb des Teams an der Strecke. Das hatte oberste Priorität. Rundenzeiten waren Nebensache", sagte der 22-Jährige, der in der vergangenen Saison für das US-Team Dragon sein Renndebüt gab.

Bestzeit vor Wehrlein und Müller

Mit der am Freitag aufgestellten Bestzeit von 1:15.087 Minuten setzte sich Günther nach drei Tagen in Valencia an die Spitze des Zeitentableaus. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Pascal Wehrlein im Mahindra sowie Audi-DTM-Werksfahrer Nico Müller, der in der anstehenden Saison bei Dragon auf Günther folgt.

Günther steht vor seiner ersten Saison mit BMW in der Formel E - Foto: LAT Images

Bei den einzigen gemeinsamen Testfahren vor dem Saisonauftakt in Saudi-Arabien (22./23. November) spulte Günther zudem ein enormes Pensum ab: 203 Mal (ohne die beiden 'Test-Rennen') umrundete er die 3,094 Kilometer lange Strecke, die mit Blick auf die üblichen Stadtkurse der Formel E einen wenig repräsentativen Charakter aufweist.

"Ich bin froh, dass wir sehr viele Runden drehen und Dinge ausprobieren konnten", lautet Günthers Test-Fazit. "Das war sehr wichtig für mich. Ich habe mich die ganze Woche über im Auto sehr wohl gefühlt. Jetzt kann ich es kaum erwarten, dass die Saison im November losgeht."

Formel-E-Tests Valencia: Persönliche Bestzeiten gesamt

Position Fahrer Team Pers. Bestzeit Abstand
1 Maximilian Günther BMW 1:15.087
2 Pascal Wehrlein Mahindra 1:15.190 0.103
3 Nico Müller Dragon 1:15.198 0.111
4 Antonio Felix Da Costa Techeetah 1:15.293 0.206
5 Mitch Evans Jaguar 1:15.306 0.219
6 Sebastien Buemi Nissan 1:15.328 0.241
7 Alexander Sims BMW 1:15.359 0.272
8 Robin Frijns Virgin 1:15.377 0.290
9 Oliver Rowland Nissan 1:15.444 0.357
10 Jerome D'Ambrosio Mahindra 1:15.454 0.367
11 Jean-Eric Vergne Techeetah 1:15.480 0.393
12 Felipe Massa Venturi 1:15.504 0.417
13 Sam Bird Virgin 1:15.570 0.483
14 Brendon Hartley Dragon 1:15.592 0.505
15 James Calado Jaguar 1:15.624 0.537
16 Daniel Abt Audi 1:15.673 0.586
17 Lucas di Grassi Audi 1:15.675 0.588
18 Edoardo Mortara Venturi 1:15.684 0.597
19 Andre Lotterer Porsche 1:15.699 0.612
20 Stoffel Vandoorne Mercedes 1:15.736 0.649
21 Nyck de Vries Mercedes 1:15.916 0.829
22 Neel Jani Porsche 1:16.053 0.966
23 Oliver Turvey NIO 1:16.568 1.481
24 Ma Qing Hua NIO 1:17.047 1.960

BMW-Boss Marquardt: Günther kommt mit Druck klar

In Saudi-Arabien bestreitet Günther zum ersten Mal ein Rennen für einen großen Automobilhersteller. Eine neue Herausforderung - kann er mit dem Druck umgehen? "Ja", ist BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com überzeugt. "Er ist gereift, aber immer noch jung. Er hat die richtige Einstellung. Auf der einen Seite steht ein Hersteller mit einem großen Namen, richtig. Aber das kann dir auch Sicherheit geben."

Günthers Performance in der vergangenen Saison mit dem vergleichsweise kleinen Dragon-Team habe seine Reife unter Beweis gestellt, betont Marquardt. Bei der US-Mannschaft glänzte Günther trotz widriger Umstände. Teambesitzer Jay Penske gab zwischenzeitlich dem früheren Formel-1-Fahrer Felipe Nasr (0 Punkte) den Vorzug, bevor er sich endgültig auf Günther festlegte. Der zahlte das Vertrauen unter anderem mit zwei fünften Plätzen in Paris und Bern zurück.

Marquardt: Den Speed hatte er immer

Marquardt: "Letzte Saison hatte er kein Top-Paket, hat aber trotzdem abgeliefert. Er hat gezeigt, wie sehr er als Fahrer gereift ist. Den Speed hatte er immer. Zuletzt war er nicht an einen Hersteller gebunden, also haben wir ihn noch näher beobachtet. Als die Gelegenheit kam, haben wir mit ihm gesprochen und eine gute Vereinbarung gefunden."

Es sei laut Marquardt nun Aufgabe von BMW, dem jungen Günther zu zeigen, dass aus psychologischer Sicht kein Gewicht auf seinen Schultern laste. "Sondern auf uns allen", sagt der Motorsportchef. "Ich sage ihm: 'Bleib im Kopf sauber und hole dein Potenzial aus dir heraus. Dann musst du dir keine Sorgen machen'."

Mit Alexander Sims trifft Günther auf einen Teamkollegen, der bereits eine Saison Erfahrung mit BMW in der Formel E aufweist. Der Brite schloss seine Debütsaison auf dem 13. Platz ab. Seinen einzigen Podestplatz und seine einzige Pole Position errang er beim letzten Rennen der Saison in New York.


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