Formel E

Formel-E-Champion Vergne patzt in Marrakesch: Ich war ein Idiot

Techeetah ist derzeit das stärkste Team in der Formel E, verpasst Siege aber durch Eigenverschulden. Jean-Eric Vergne geht hart mit sich selbst ins Gericht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Techeetah ist das große Kuriosum der jungen Formel-E-Saison 2018/19. Zwei Siege hätte die Mannschaft, jetzt mit Werkspower von DS Automobiles, in den ersten beiden Rennen einfahren können und müssen. Zu Buche stehen für den amtierenden Champion Jean-Eric Vergne und Teamkollege Andre Lotterer: null.

Wie stark Techeetah ist, zeigte die Mannschaft erneut beim Rennen in Marrakesch: Ganze 31 Plätze machten Vergne (+17) und Lotterer (+14) im Verlauf des 45-minütigen Rennens gut. Eine unglaubliche Aufholjagd, die allerdings keinen Podestplatz einbrachte. Lotterer beendete das zweite Saisonrennen auf dem fünften Platz, direkt vor Lotterer.

Dabei hätten die Verläufe der beiden Freunde kaum gegensätzlicher verlaufen können. Vergne startete nach einem starken Qualifying vom zweiten Platz. Der Franzose drehte sich allerdings aus Eigenverschulden in der ersten Kurve, als er Pole-Setter Sam Bird (Virgin) angreifen wollte. Vergne fiel bis auf die letzte Position zurück, kämpfte sich mit seinem überlegenen Auto bis zur 31. Runde aber auf Platz fünf nach vorne.

Jean-Eric Vergne jetzt mit DS-Power bei Techeetah unterwegs - Foto: LAT Images

Vergne: Ich war ein Idiot

"Ich war ein Idiot, das war komplett unnötig", ging Vergne anschließend hart mit sich selbst ins Gericht. "Ich hatte die Pace, um das Rennen locker gewinnen zu können. Ich werde mich aber sicherlich nicht dafür entschuldigen, dass ich es versucht habe. Wenn du es nicht mehr probierst, geht es nur noch abwärts. Das war der größte Fehler meiner bisherigen Karriere in der Formel E. Dann noch Fünfter zu werden, ist in Ordnung."

Anders war es bei Lotterer, der einen möglichen späteren Sieg schon im Qualifying vermasselte. Der dreifache Le-Mans-Sieger leistete sich bei der Zeitenjagd einen Fahrfehler im Mittelsektor und musste das Rennen anschließend vom 20. Startplatz aufnehmen. Dass er es letztendlich bis auf den sechsten Platz nach vorne schaffte, war ein weiterer Beleg für das starke DS Techeetah-Auto.

Lotterer: Bis zum Schluss gekämpft

"Von weit hinten zu starten, macht es schwierig, ein gutes Ergebnis zu erzielen", sagte Lotterer. "Ich habe aber bis zum Schluss gekämpft und den sechsten Platz erobert. Obwohl ich im Qualifying einen kleinen Fehler gemacht habe, freue ich mich über einen Platz unter den ersten Fünf in der Fahrerwertung.

Lotterer belegt nach 2 von 13 Saisonrennen den vierten Platz in der Meisterschaft. Mit 19 Punkten liegt er einen Rang hinter Teamkollege Vergne, der bislang 28 Zähler sammeln konnte. Marrakesch-Sieger Jerome D'Ambrosio (Mahindra) führt die Wertung mit 40 Punkten vor Riad-Sieger Antonio Felix da Costa (BMW, 28 Punkte) an.

Formel E Marrakesch 2019: Rennen Highlights und Zusammenfassung: (04:57 Min.)

Techeetah wirft Doppelsieg in Riad weg

Wäre alles nach Plan verlaufen, müsste stattdessen das Techeetah-Duo die Meisterschaft souverän anführen. Beim Saisonauftakt in Riad waren Vergne und Lotterer auf Kurs in Richtung sicherem Doppelsieg, bis sie wegen mangelhafter Software mit einer Durchfahrtsstrafe im Rennen belegt wurden. Trotzdem wurde Vergne Zweiter und hatte bis zur letzten Kurve Siegchancen, Lotterer landete auf Platz fünf.

"Ich bin nicht hier, um Fünfter zu werden", hatte Lotterer angefressen zu Motorsport-Magazin.com gesagt und damit schon angedeutet, wie überzeugt das Team vom eigenen Paket ist. In zwei Wochen hat Techeetah die nächste Chance auf den ersten Saisonsieg. Am 26. Januar gastiert die Formel E in Santiago de Chile. Im Vorjahr feierten Vergne und Lotterer dort den ersten Doppelsieg eines Teams in der Geschichte der Formel E.


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