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Formel E

Formel-E-Vergleich: So viel schneller ist das neue Rennauto

Das Formel-E-Rennen in Marrakesch bringt den ersten Direktvergleich zwischen neuem Gen2-Rennauto und seinem Vorgänger. Die Performance-Analyse.
von Robert Seiwert
Formel-E-Vergleich: Gen2-Auto gegen Gen1-Vorgänger im Onboard: (01:35 Min.)

Mehr Power, kein Autowechsel mehr im Rennen, futuristisches Design: Das neue Gen2-Rennauto der Formel E wurde mit großer Spannung erwartet. Am vergangenen Rennwochenende in Marrakesch war es dann soweit: Erstmals ließen sich Vergleiche unter realen Bedingungen zwischen dem Gen2-Boliden und seinem Vorgänger ziehen.

Das Resultat war bemerkenswert: Im Durchschnitt war das neue Auto im Qualifying, Rennen und auch bei den Testfahrten rund 2,5 Sekunden schneller! Die Mehrleistung von bis zu 50 kW macht sich also nicht nur auf dem Papier bemerkbar. Im Vergleich zum Gen1-Auto mit 200 kW (272 PS / 880 Kilo) maximaler Power, leistet das Gen2-Fahrzeug bis zu 250 kW (335 PS / 900 Kilo).

Zum Vergleich ziehen wir zunächst die jeweiligen Streckenrekorde von 2018 und 2019 in Marrakesch heran. Aufgestellt jeweils durch Nico Müller, der neben seinem DTM-Engagement offizieller Testfahrer von Audi in der Formel E ist. Der Schweizer stellte in beiden Jahren während der Rookie-Tests im direkten Anschluss an den Rennsamstag neue Bestmarken auf.

Streckenrekord: Neues Auto 2,577 Sekunden schneller

Im Januar 2018 benötigte Müller mit dem Gen1-Auto 1:19.651 Minuten für seine schnellste Runde auf der 2,971 Kilometer langen Rennstrecke. Genau ein Jahr später umrundete der Schweizer den Kurs in 1:17.074 Minuten. Damit war Müller im Vergleich und bei vergleichbaren Umgebungsbedingungen ganze 2,577 Sekunden schneller unterwegs als noch im Vorjahr.

Dabei zeigte sich: Das neue Auto war in Marrakesch durchweg schneller unterwegs. Im 1. Sektor (1.144 Meter) mit zwei schnellen Linkskurven machte Müller 0,864 Sekunden im Vergleich zu 2018 gut. In Sektor 2 (1.219 Meter) samt langer Gerade war Müller mit seinem Audi-Renner 1,011 Sekunden schneller als mit dem Vorgänger. Und auch im kurzen 3. Sektor (608 Meter) holte Müller noch einmal 0,6 Sekunden heraus.

Der Circuit International Automobile Moulay el Hassan mit seinen 12 Kurven und zwei langen Geraden kann nur bedingt als Referenz für die Formel E herangezogen werden. Die Elektro-Rennserie gastiert üblicherweise auf rein-temporären Kursen inmitten von Innenstädten. In Marrakesch hingegen führt ein Teil über eine permanente Rennstrecke, der Rest besteht aus öffentlichen Straßen.

Marrakesch 2018 / 2019 Zeitenvergleich

Marrakesch 2018 Marrakesch 2019 Unterschied
Bestzeit Wochenende 1:19.651 1:17.074 -2,577
Fahrer Nico Müller, Audi Nico Müller, Audi
Session Rookie-Test Rookie-Test
Sektor 1 28,013 27,149 -0,864
Sektor 2 34,699 33,688 -1,011
Sektor 3 16,837 16,237 -0,600
Theor. Bestzeit gesamt 1:19.549 1:16.997 -2,552
Bestzeit Qualifying 1:20.115 (Rosenqvist) 1:17.489 (Bird) -2,626
Bestzeit Rennen 1:22.832 (Piquet) 1:20.296 (Di Grassi) -2,536

Deutliche Unterschiede unter realen Bedingungen

Auch unter Rennbedingungen zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen dem Gen2-Auto und dem Vorgänger, der eher ein Kompromiss auf Basis eines Formel 3 war. Audi-Werksfahrer Lucas di Grassi erzielte im 2019er-Rennen die schnellste Rennrunde in 1:20.296 Minuten (133,2 km/h). Damit heimste der amtierende Vize-Champion gleichzeitig einen Extra-Punkt für die Meisterschaft ein (der schnellste Fahrer in den Top-10 erhält 1 Extra-Punkt).

Im Rennen 2018 fuhr Jaguar-Pilot Nelson Piquet Junior die schnellste Runde in 1:22.832 Minuten - und war damit 2,536 Sekunden langsamer als sein brasilianischer Landsmann im Jahr darauf. Theoretisch hätten die Unterschiede im Renn-Trimm etwas geringer ausfallen sollen, nachdem es in dieser Saison keinen Autowechsel mehr gibt. So müssen sich die Fahrer die Power über die komplette Renndistanz (45 Minuten + 1 Runde) einteilen.

Andererseits wird den Fahrern durch das neue Brake-by-Wire-System einiges an manueller Arbeit abgenommen, wodurch sich gleichzeitig die Energieeffizienz verbessert. Dadurch können die Piloten mehr Vollgas geben als in den vergangenen Jahren, als die bestmögliche Rekuperation (Re-Gen) eine gewichtigere Rolle spielte.

Die neuen Autos sind 20 Kilo schwerer, haben aber auch 50 kW mehr Power - Foto: LAT Images

Nächster Direkt-Vergleich in Mexiko

Selbstredend fast schon, dass es auch im Qualifying nun einiges schneller zugeht als zuvor. Sam Bird vom Audi-Kundenteam Virgin sicherte sich mit einem leicht beschädigten Auto die Pole Position für den Marrakesch ePrix 2019 in 1:17.489 Minuten. Im Vorjahr benötigte Pole-Setter Felix Rosenqvist (1:20.115) 2,626 Sekunden länger.

Beim nächsten Rennen in Santiago de Chile (26. Januar) ist kein direkter Vergleich zwischen den beiden Auto-Generationen möglich, da die Formel E in der Metropole auf einem neu gestalteten Kurs fahren wird. Erst beim vierten Saisonlauf in Mexiko (16. Februar) herrschen nach aktuellem Stand wieder gleiche Bedingungen wie im Vorjahr.


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