Formel E

Formel E: Boxenstopp-Neuerung sorgt für großen Wirbel

Die FIA will die Mindestwartezeit beim Boxenstopp in der Formel E aufheben. Die geplante Neuerung sorgt für Kontroversen kurz vor dem Rennen in Marrakesch.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Der Boxenstopp in der Formel E gehört zu den größten Kuriositäten im Motorsport. Statt Reifen zu wechseln oder aufzutanken, tauschen die Fahrer gleich das ganze Auto. Nötig ist dieser Schritt wegen der Batterien, die aktuell noch keine gesamte Renndistanz durchhalten. Das wird sich ab der kommenden Saison 2018/19 ändern, wenn dank komplett neuer Autos und leistungsstärkerer Batterien kein Autotausch mehr notwendig ist.

Kurz vor dem zweiten Rennwochenende der Saison in Marrakesch ist großer Wirbel rund um den Boxenstopp und Autotausch aufgekommen. Wie herauskam, will die FIA die bisherige Mindeststandzeit für einen Boxenstopp aufheben. Demnach könnten sich Teams und Fahrer mit einem schnellen Wechsel der Autos - der Fahrer klettert dabei meist in der Teamgarage vom einen ins andere Auto - einen Zeitvorteil verschaffen.

Wird die FIA-Neuerung gekippt?

Die geplante Änderung, von der die Teams zu Beginn dieser Woche in Kenntnis gesetzt worden sind, löste eine Kontroverse im Fahrerlager aus. Es gibt Stimmen seitens der Teams, die die Abschaffung der Mindestzeit für gefährlich halten. Wie e-racing365 jetzt berichtet, wollen einige Teams bei der FIA vorstellig werden und sich für einen Erhalt der Mindestwartezeit beim Boxenstopp aussprechen. Bis Freitagnachmittag, also einen Tag vor dem Rennen, soll eine Lösung gefunden sein.

Die FIA soll sich für die Neuerung ausgesprochen haben, weil die Teams inzwischen einen optimalen Ablauf für den Autotausch gefunden haben. Beim Saisonauftakt in Hongkong gab es den schnellsten Boxenstopp in der jungen Geschichte der Formel E in nur 37 Sekunden - inklusive Boxeneinfahrt, aussteigen, ins zweite Auto klettern und wieder aus der Boxengasse herausfahren.

Sorge vor zu großem Risiko

Zwar haben alle Teams ihr Boxenstopp-Prozedere im Verlauf der Jahre optimiert, doch der Autotausch bleibt nicht ohne Tücken. Vor allem das Ab- und Angurten der Fahrer mit den aufwendigen Sicherheitsgurten kostet Zeit und ist mit großem Druck verbunden. Nun herrscht sogar die nicht unberechtigte Sorge, dass Teams hier an der Sicherheit sparen könnten, um sich beim Boxenstopp Zeit zu erkaufen.

Nicht selten ging es in den oftmals sehr engen Boxengassen wild zur Sache. Die Mindestwartezeit, nachdem ein Fahrer das Auto gewechselt hatte, sollte zumindest etwas Risiko herausnehmen und den Teammitgliedern ein wenig mehr Zeit verschaffen, den Fahrer ordentlich und sicher anzugurten. Mit der neuen Regelung könnte im schlimmsten Falle Hektik ausbrechen und der Fahrer nicht richtig angeschnallt wieder auf die Strecke geschickt werden.

Im Reglement ist übrigens keine Mindestzeit für einen Boxenstopp vorgeschrieben. Die FIA entscheidet die Wartezeit anhand der jeweiligen Länge der Boxengasse. Fahrer und Teams erhalten die Zeiten im Fahrer-Briefing vor einem Rennen und richten sich entsprechend danach. In den Regeln ist bezüglich eines Boxenstopps in der Formel E nur vorgeschrieben, dass maximal zwei Teammitglieder dem Fahrer beim Autotausch helfen dürfen.


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