Bob, Fernando Alonso hat vor zehn Tagen in Monza als Fünfplatzierter vier WM-Punkte errungen. Wie bewerten Sie seine Leistung aus heutiger Sicht?
Bob Bell: Ich denke, dieses Resultat spiegelt die aktuelle Leistungsfähigkeit unseres Renault R29 sehr gut wider. Fernando Alonso gelang es, dieses Potenzial zu 100 Prozent auszuschöpfen. Zwar machten wir ein paar Plätze mit etwas Glück gut, dennoch ist Rang fünf in etwa das, was wir aus eigener Kraft erreichen können. Damit eroberten wir jene vier Punkte, die wir auch in den Rennen davor hätten gewinnen können.

Romain Grosjean konnte sein Team bislang überzeugen., Foto: Sutton
Romain Grosjean konnte sein Team bislang überzeugen., Foto: Sutton

Romain Grosjean hat jetzt drei Grands Prix bestritten. Wie groß sind seine Fortschritte?
Bob Bell: Er hat sich sehr gut ins Team eingefügt und seine Ingenieure, die mit ihm arbeiten, klar von sich überzeugt. Er ist ganz ohne Zweifel sehr schnell. Im Verlauf des Monza-Wochenendes trennten ihn kaum mehr als zwei oder drei Zehntelsekunden von Fernando Alonso, genau dies haben wir von ihm erwartet. Leider ist es ihm bislang noch nicht gelungen, ein problemfreies Rennen zu erwischen. Deswegen konnte er sein immenses Talent noch nicht umsetzen - aber das Potenzial dazu besitzt er auf jeden Fall.

Nach dem Königlichen Park von Monza, in dem ein aerodynamisches Set-up mit minimalem Abtrieb gefragt ist, kommt es jetzt in Singapur auf möglichst steil gestellte Flügel und Spoiler an. Wie gut können Sie den Renault R29 darauf abstimmen?
Bob Bell: Wie ich dies bereits in der Vergangenheit immer wieder betont habe: Der Renault R29 besitzt eigentlich keine speziellen Schwachstellen und zeichnet sich mit und ohne aerodynamischen Abtrieb durch ein hohes Performance-Niveau aus. Sein größtes Manko liegt in erster Linie bei jenem Grip, der durch Abtrieb und das Fahrwerk selbst erzeugt wird. In Singapur setzen wir jenes Flügelpaket ein, das im Prinzip auch in Monaco das Auto schmückte - inklusive jener aerodynamischen Verbesserungen natürlich, die wir in der Zwischenzeit entwickelt haben.

Renault plant weiter mit neuen Teilen., Foto: Sutton
Renault plant weiter mit neuen Teilen., Foto: Sutton

Welche Herausforderungen hält der für ein Grand Prix-Wochenende unübliche Zeitplan für das Team bereit?
Bob Bell: Ausgehend von den Erfahrungen, die wir diesbezüglich im vergangenen Jahr gesammelt haben, darf ich sagen: Das stellt für uns kein großes Problem dar. Die Boxenanlagen und die Ausleuchtung der Strecke erwiesen sich als exzellent. Zwar mussten wir in Singapur Nachtschichten einlegen, da aber das gesamte Team einfach im britischen Zeit-Rhythmus weiterarbeitete, fiel dies gar nicht groß auf.

Wie lautet Ihre Zielsetzung für die letzten vier Grands Prix dieser Saison?
Bob Bell: Wir haben immer noch weitere Neuentwicklungen in der Pipeline, die in den bevorstehenden Rennen zum Einsatz kommen werden. Nichts grundsätzlich Neues, aber feine Evolutionen im Detail, die sich bereits in der Produktion befinden. Parallel dazu gilt unser Hauptaugenmerk dem Renault R30 für die Saison 2010.