In Barcelona deutete sie sich an, nach Monaco wurde sie dann überall gefeiert, am meisten natürlich in den italienischen Medien: die Wiederauferstehung von Ferrari. Interessant, dass sich die Betroffenen selbst am vorsichtigsten geben. Kimi Räikkönen betonte immer wieder, es liege noch viel Arbeit vor dem Team, auch Felipe Massa wollte sich noch nicht dazu hinreißen lassen, von nun an von Ferrari wieder als sicherem Podest- oder sogar Siegkandidaten zu sprechen.
"Wir müssen abwarten", betonte der Brasilianer immer wieder, "zumindest bis nach Istanbul. Monaco kann man nicht als wirklichen Maßstab betrachten - dafür fällt die Strecke einfach zu sehr aus dem Rahmen." Wie sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali im Fürstentum doch so schön? "Wir waren eindeutig die zweite Kraft - aber hier und heute...."

Sicher sei die Entwicklung sehr erfreulich, "wir sind eindeutig auf dem richtigen Weg, es geht nach oben." Wie schnell und bis wohin, das ist allerdings auch für ihn die Frage, auch wenn seine Fahrer in Monte Carlo zeitweise die gleichen Rundenzeiten fahren konnten wie die Brawns. Wobei da zumindest bei Jenson Button nach dem ersten Renndrittel sowieso die Frage bleibt, wie weit der Brite überhaupt noch ans Limit ging...
Red Bull schlägt zurück
Red Bull hatte Ferrari dort allerdings recht deutlich hinter sich gelassen. Aber für wie lange? Nicht nur Sebastian Vettel ist überzeugt: Auf den kommenden Strecken, gerade in Istanbul und Silverstone, wird das Bild wieder ganz anders aussehen. Schließlich können dort die großen Vorzüge von Adrian Neweys Superkonstruktion wieder voll zum Tragen kommen: Die Stärke vor allem in schnellen Kurven - wo man ja schon bisher, ohne Doppeldiffusor, regelmäßig sogar etwas schneller war als die an sich überlegenen Brawns. Und wo der neue Diffusor, der in Monaco nun mal durch die Streckencharakteristik kaum Wirkung zeigen konnte, noch zusätzlich etwas bringen sollte.
Ob Felipe Massa in Istanbul Geschichte schreiben und den vierten Sieg in Folge dort einfahren kann, dürfte auch davon abhängen, ob das neue Aerodynamikpaket, das Ferrari in Istanbul bekommt, noch einmal einen großen Sprung nach vorne bedeutet. Aber zumindest den Anschluss scheinen die Italiener auf jeden Fall geschafft zu haben - ob es nun gleich für Siege reicht oder nicht. Das ist sicher auch Wasser auf die Mühlen von Teamchef Domenicali, der ja unter gewaltigem Druck stand und steht, beweisen zu müssen, dass er sehr wohl in der Lage ist, die Fußstapfen eines Jean Todt auszufüllen.
Verpasste Chance für McLaren
Ganz anders das Bild dagegen bei McLaren-Mercedes. Dort wissen alle ganz genau, dass sie in Monaco eine große Chance vergeben haben, die mit ziemlicher Sicherheit so schnell nicht wiederkommt. Der Fehler von Lewis Hamilton im Qualifying, ein kleiner Moment mangelnder Konzentration, nach bis dahin in allen Trainings überzeugenden Leistungen, auf einer Strecke, auf der die Schwäche des Autos, der fehlende Abtrieb in langgezogenen, schnellen Kurven, endlich einmal kaum eine Rolle spielte, hatte deshalb desaströse Folgen - denn dadurch wurde das einzige mögliche Highlight der ersten Saisonhälfte verpasst.

Für Istanbul befürchtet der amtierende Weltmeister ja schon, "dass wir dort nicht wesentlich besser aussehen werden als in Barcelona". In Silverstone, so hört man, soll noch einmal ein komplett neues Aeropaket kommen, das dann hoffentlich endlich ein bisschen mehr von dem so sehr vermissten Abtrieb bringt.
Wobei bei allen Vergleichen zwischen den Fortschritten bei Ferrari und McLaren eines nicht ganz vergessen werden darf: die unterschiedliche Ausgangsposition. Ferrari hatte im Winter, ehe die Doppeldiffusorgang auftauchte und dann auch Red Bull die Katze aus dem Sack ließ, ein Auto, das gut funktionierte und zu den klaren WM-Kandidaten gezählt wurde.
Eines, das also zumindest von der Basis her nicht so schlecht funktionierte, auch wenn man gerade in den ersten Rennen manchmal durch Zuverlässigkeitsprobleme und eigene Fehler noch schlechter aussah, als man eigentlich war. Während McLaren-Mercedes im Winter, bis in den März hinein, zum Teil zwei Sekunden pro Runde - auch hinter Ferrari - herhinkte, also auf dem Weg nach vorne viel mehr aufzuholen hatte und noch hat...
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