Am Sonntag ist es so weit: der Super-SMS-Sonntag, wie ihn eine große deutsche Boulevardzeitung nennt und damit die eigentliche Wiedergutmachung an die Kunden für einen Telekommunikationsanbieter zur Riesenwerbung macht. Aber egal, auch fünf Deutsche und ein Schweizer sind an diesem Wochenende auf SMS angewiesen, sie können es sich aber nicht leisten, bis Sonntag zu warten, da alle Welt schon am Freitag auf ihre kurzen Infos wartet.

"Seppl, du Sauhund", schrieb Timo am letzten Sonntag an seinen ehemaligen Arbeitskollegen, der eigentlich gar nicht so weit weg von ihm in Shanghai weilte. Aber in der modernen Welt gehören SMS nicht nur als Kurzmitteilungen dazu, sondern auch als Kurzstreckenmitteilungen. Postwendend bekam er eine Antwort von Seppl: "Du hast auch einen guten Job gemacht."

Diese Kisten sind vollkommen aus der Mode gekommen., Foto: Sutton
Diese Kisten sind vollkommen aus der Mode gekommen., Foto: Sutton

Ist es nicht schön, wie toll sich alle per SMS verstehen? Aber selbst nach den schönsten Tagen mit hunderten, wenn nicht gar tausenden Glückwunsch-SMS heißt es wieder zurück zur Normalität. So schrieb unser Seppl am Freitagabend aus Bahrain: "Shanghai ist abgehakt. Natürlich war es schön, aber man muss immer von vorne anfangen." Und weil er damit erst 86 seiner 160 Zeichen verbraucht hatte, schob er noch nach: "Alle liegen nah zusammen, FI xO, aber BGP 2f4u." Abkürzungsexperten verraten: Die Inder haben überrascht, aber die Brawns waren zu schnell.

Noch schneller war Nico, der sich mittlerweile schon daran gewöhnt hat, am Freitag den Ton mit seinen Klingelmelodien anzugeben. "Schnellster zu sein, ist besser als Zehnter. Aber sicher ist es etwas eigenartig, denn wir sind nicht die Schnellsten. Sie werden sicher wieder vor uns stehen." Das beunruhigt ihn, vor allem, da Timos Truppe darauf aus ist, ihm seine tollen Klingelmelodien streitig zu machen und am Sonntag ihre Musik zu spielen.

Aber Timo beschwichtigt Nico mit einer Versöhnungs-SMS: "Es kommt auf jedes kleine Detail an, damit habe ich mir bislang ein bisschen schwer getan." Hinter dessen Rücken schreibt Timo jedoch: "Ich glaube schon, dass wir da hinfahren können, auch wenn es verdammt eng ist und schwierig wird."

All diese Intrigen der Handy-Welt lassen Nick kalt. "Für Freitag ist der Eindruck nicht so gut", schreibt er ohne viele Worte seiner Familie nach Hause, wo Söhnchen Joda mit dem Mobiltelefon von Mama Patricia die passende Antwort gibt: "asgniknaw897+vpo45nwsa" Kurz darauf flüchten die Entschlüsselungsexperten der gegnerischen Teams völlig entnervt aus dem Fahrerlager.

Bernie spricht statt zu schreiben., Foto: Sutton
Bernie spricht statt zu schreiben., Foto: Sutton

Auf dem Weg hinaus begegnen sie Adrian, der mit einem Finger eine Taste nach der anderen auslöst, um so seinem Kumpel Lewis von seinem Tag zu berichten: "Das ist die beste Platzierung, die ich je an einem Freitag hatte. Aber Rückschlüsse sind schwierig." Das kennt Lewis, der antwortet: "Ich bin nicht frustriert." Und auch kein Lügner oder unehrlicher Mensch. Das steht seit einigen Wochen in seiner automatisch Signatur immer drunter.

Sebastien hat im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte in Bahrain aufgeschlagen. Doch seine Familie lebt noch in der Schweiz, so dass sie der bestens ausgestattete und hoch technisierte Wahl-Bahraini gleich mit zwei Blackberrys über alles informieren muss, was ihm in der Ferne widerfährt. Geschwind fliegen die Finger über die Tasten und berichten der Verwandtschaft ohne Zeichenbeschränkung über das Geschehen:

"Wir wissen nicht, was los war. Auf einmal war alles aus. Wir müssen noch schauen, was es war, denn wir hatten nicht so viel Zeit. Die anderen haben den Diffusor und deswegen ist es für uns nicht so einfach. Im neuen Reifen liegt noch viel Zeit, auf der Bremse können wir uns noch viel verbessern und dann müssen wir sehen." Vielleicht klappt es ja am Sonntag besser, dass es auch ohne Diffusor geht, hat sein Namensvetter Sebastian ja schon bewiesen. Und als Belohnung gab's dann zwar keine SMS, aber einen Anruf vom Oberguru Bernie, der noch nicht mal seine Rufnummer anzeigen ließ. "Da hat er mich eiskalt erwischt."