Es war etwas faul im Staate Silverstone. Zwar hatte niemand Bier geschüttelt oder Umgangssprachlich Deppengeschwätz vernommen, doch irgendetwas roch gegen Himmel. Messer waren dabei keine zu sehen, auch wenn irgendwelche Marktschreier schon laut "Attentat! Attentat!" schrieen und kleine Zwerge mit Tötungswerkzeugen umher schreiten sahen. Es roch lediglich irgendwie nach Verrat, der sich über das Land verbreitete und von den schnellsten Pferdekutschern im Königreich Besitz ergriff. Denn die Grafen von Donington hatten sich hinter dem Rücken der so genannten Renn-Clubber das Vertrauen des Königs erschlichen.

Nico begeisterte die jungen Maiden, Foto: Patching/Sutton
Nico begeisterte die jungen Maiden, Foto: Patching/Sutton

Als gute Untertanten mussten die Kutscher dennoch das tun, was ihnen von oben aufgetragen wurde und das war wie üblich schnell Kutsche zu fahren. Den besten Hafer für seine Rösser hatte dabei der blonde Jüngling Nico gefunden, der schon vor dem großen Einsatz in der Heimat des großen Königs ein Probe-Essen für seine Pferde veranstaltet hatte. "Nach heute kann ich definitiv sagen, dass wir hier vorige Woche einen produktiven Test hatten, da wir gute Fortschritte gemacht zu haben scheinen", sagte er und ließ die Herzen der jungen Maiden höher springen. Damit hoffte er, das Wochenende in Gallien wieder abhaken zu können, nachdem seine Rösser dort gemeinsam mit Kühen hatten grasen müssen, was sie nicht unbedingt schneller machte. "Aber wir müssen noch warten und schauen."

Der noch jünglichere Jüngling Sebastian, der gerade erst vom Schildknappen zum Vollzeit Kutschierer gereift ist, hat sich wegen des Futters nie Sorgen gemacht, sondern einfach neue Fähnchen auf sein Fuhrwerk geschraubt, die es dank Beschleunigungsstreifen noch schneller machen. Damit hielt er beim zweiten Aufgalopp erfahrene Recken in Schach, auch die berüchtigten roten Ritter. "Deswegen können wir recht glücklich sein, aber jetzt müssen wir analysieren, was die anderen gemacht haben, damit wir besser verstehen, wie schnell wir sind... oder wie langsam", sagte Seb der Furchtlose, bevor er schon überlegte, sich noch ein paar kleine Zierkappen anzuschrauben, wie sie schon sein Urururururur-Großvater gegen einen gewissen Ben Hur einsetzte.

Der Barbier hat noch Arbeit, Foto: Sutton
Der Barbier hat noch Arbeit, Foto: Sutton

Altmeister Nick hielt von solchen Spielereien wenig, er ist noch ein Purist, der sich die Anleitung für seine Rennkutsche in Latein schreiben lässt und aus aerodynamischen Gründen auf einen Vollbart setzt. Allerdings ist diese Taktik auch windanfällig, wie er bei seiner Rundfahrt in den Gärten der Grafschaft merken durfte. "In der vergangenen Woche haben wir hier getestet, und da war die Balance des Autos etwas besser. Das kann damit zusammenhängen, dass es hier jetzt recht windig ist. Dadurch ändert sich die Balance praktisch jede Runde, das macht es extrem schwer, Abstimmungsänderungen zu bewerten", sagte er. Der Barbier wird wohl dennoch ein weiteres Mal zum Zuge kommen, allerdings erst, wenn durch den Flug der Schwalben auch die Windrichtung bestimmt wurde - so sind sie eben, die Puristen.

Auf das Neueste vom Neuen aus dem fernen Indien setzte dafür Adrian, der allen Innovationen der berühmtesten Erfinder offen gegenüber steht. Diesmal hatte ihm der kluge Mike, Haus- und Hof-Erfinder des großen Vijay an der Seidenstraße, ein Butterfass mitgegeben, mit dem er jedes Mal einen Dämpfer nach unten schicken sollte, wenn die Kutsche zu wackeln begann - Spitznahme des Dings: Dampfhammer. Der zeigte anscheinend Erfolg. "Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn einsetzen werden", freute sich Adrian danach. Er glaubte, dass er durch Mikes Teil gute zwei bis drei Ticks auf der Sonnenuhr schneller sein kann. "Ich habe das Potenzial heute gesehen und auf einigen Runden hatte ich sehr gute Sektorzeiten, die ich jetzt alle zusammenbekommen muss."

Timo muss aufholen, Foto: Sutton
Timo muss aufholen, Foto: Sutton

Nicht viel lief hingegen bei Draufgänger Timo zusammen, was aber nicht an dem jungen Helden oder seinem neuen Brustpanzer im Anti-Vampir-Look lag. Nein, bei ihm war einfach alles faul gewesen. Seine Pferde hatten schlechtes Wasser getrunken, obwohl die Stadtschreiber extra gesagt hatten, dass man das nur neben dem Abort machen sollte. So waren seine Pferdchen aber eingeschränkt und gerieten schließlich ganz ins Stottern, da die Gerte Timos vorzeitig vom Holzwurm durchfressen war. "Wenigstens konnte ich so noch zwei Runs fahren", sagte ein enttäuschter Timo, er sich aus einem massiven Eichenstamm noch ein neues Antriebswerkzeug geschnitzt hatte. Dennoch hatte er noch viel zu tun, denn die richtigen Hufe wollen auch noch gefunden werden. "Wir müssen jetzt wohl für den Rest des Wochenendes die verlorene Zeit aufholen." Es war eben doch irgendetwas faul im Staate Silverstone.