Normalerweise kämpfen die Teams um diese Jahreszeit nur gegen einen Gegner: den Defektteufel. Doch in diesem Jahr gibt es noch einen weiteren - den Wettergott. Auch der zweite gemeinsame Auftritt der Teams in Jerez wurde vom Regen beeinträchtigt. Diesmal allerdings nur am dritten und letzten Testtag. Eine Verlängerung der Tests, wie in der Vorwoche in Valencia, blieb diesmal aus.
In den Zeitenlisten ging es dafür etwas bunter zu: Einmal Silber, einmal Rot und einmal Weiß-Blau - diese Farben trugen die Autos der Bestzeithalter. Darüber, was diese Zeiten aussagen, gibt es wilde Diskussionen. Denn Testfahrten sind bekanntlich nur Testfahrten und die dazugehörigen Zeiten müssen mit Vorsicht genossen werden.

"Es sieht so aus, als seien wir jetzt schon die Schnellsten", sagte etwa McLaren-CEO Martin Whitmarsh. "Doch wir wissen ganz genau, wo wir die Autos bei den nächsten Tests in Barcelona noch verbessern müssen." Genauso beurteilt Fernando Alonso die Bestzeitenserie der Silbernen. "Die Zeiten sind zwar gut, aber das Auto ist bisher noch nicht einmal in der Nähe von dem, wie es für Australien sein soll und die Zeit wird knapp", sagte er. Dennoch ließ er sich zu einer Prognose hinreißen: "Ferrari sieht sehr gut aus und Renault wird zu Anfang auch gut sein, aber sie werden nachlassen, wie immer."
Bei Ferrari sieht Felipe Massa das aktuelle Kräfteverhältnis hingegen anders. "Die McLaren sehen sicher schnell aus, aber meiner Meinung nach sind die Sauber momentan die Besten", sagte der Brasilianer voraus. "Ich sage das nicht nur, weil sie am Donnerstag die Schnellsten waren, sondern aufgrund der Beständigkeit auf den Long Runs. Für mich waren die BMW Sauber schon in Valencia sehr beeindruckend und sie hatten auch in Jerez einige interessante Tests." Auf einer einzelnen Runde sei zwar McLaren am schnellsten, was aber die Beständigkeit betrifft, "ist BMW sehr eindrucksvoll, auch wenn sie noch nicht am zuverlässigsten sind." Das trifft in dieser Phase der Vorbereitung aber auf fast alle Teams zu.

Überraschend standfest und gleichzeitig schnell war der neue Williams Toyota FW29, der auf Anhieb viele Runden und starke Zeiten erzielte. "Das war ein verdammt guter Start", sagte Sam Michael strahlend. "Dieses Jahr entscheiden ein paar Zehntel, ob du ein Sieger oder Verlierer bist", glaubt Alex Wurz. "Deine Rundenzeiten hängen davon ab, wann du auf der Strecke bist und wie die Bedingungen sind. Jedes kleinste Detail kann dieses Jahr den Unterschied machen."
Dazu zählt auch in Zeiten der Einheitsreifen das schwarze Gold. "Der Unterschied ist in diesem Jahr, dass sich die Teams an die Reifen anpassen müssen", betont Bridgestone-Ingenieur Kees van de Grint. Im letzten Jahr hat Bridgestone noch jedem Team passende Pneus geliefert. Der Anpassungsprozess geht schon am Montag weiter - mit dem nächsten dreitägigen Test in Barcelona.
Das Arbeitsprotokoll der Testwoche
| Renault | Ferrari |
| Fahrer: Zonta, Piquet
Besonderheiten: 3. Tag wegen Regen abgebrochen | Fahrer: Räikkönen, Badoer, Massa
Besonderheiten: Badoer ersetzte am 1. Tag kranken Massa; technische Probleme (Räikkönen) |
| McLaren | Honda |
Fahrer: Hamilton, Alonso, de la Rosa
Besonderheiten: Oldruckverlust (Alonso); technisches Problem (Alonso); vorzeitiges Testende (Alonso) | Fahrer: Button, Klien, Andretti
Besonderheiten: zweiter F1-Test für Andretti; mechanisches Problem (Barrichello) |
| BMW Sauber | Toyota |
Fahrer: Vettel, Kubica, Heidfeld, Glock
Besonderheiten: Hydraulikprobleme (Vettel, Kubica); 3. Tag Testende am Mittag | Fahrer: Schumacher, Montagny, Trulli
Besonderheiten: Aufhängungswechsel (Schumacher); Problem an der Kraftübertragung (Montagny); Defekt (Schumacher); Tankreparatur (Trulli) |
| Red Bull | Williams |
Fahrer: Webber, Coulthard
Besonderheiten: technische Defekte (Webber); Abflug (Coulthard) | Fahrer: Wurz, Rosberg
Besonderheiten: erster Test mit FW29; technische Probleme (Wurz & Rosberg) |
| Spyker (Silverstone) | |
Fahrer: Albers, Sutil
Besonderheiten: Unfall (Sutil) |



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