Die Bilder bei der Präsentation des Spyker F8-VII ließen es am Montag gar nicht so sehr erahnen, aber der niederländische Renner ist roter als man denkt. In Natura sieht er dem großen Vorbild Ferrari viel ähnlicher. "Das stimmt, er sieht schon sehr rot aus", bestätigte Spyker-Ersatzfahrer Markus Winkelhock gegenüber motorsport-magazin.com - dem Original. "Aber es ist eher eine leuchtende Farbe, nicht so wie bei Ferrari, sie sieht aber schon sehr rot aus."

Orange? Oder doch eher rot?, Foto: Spyker
Orange? Oder doch eher rot?, Foto: Spyker

Beim Japan GP des Vorjahres ging sogar Fernando Alonso der Farbenlehre auf den Leim. Nach Michael Schumachers Ausfall in der 37. Runde sagte er: "Als ich den Rauch sah, dachte ich erst, es sei ein Spyker. Das Auto sah orange aus, nicht rot." Erst als er neben dem rauchenden Ferrari war, merkte er, dass es sein Titelrivale und kein Spyker-Fahrer war. Verwechslungsgefahr ist bei dem Team aus Silverstone anscheinend systemimmanent: Vor den orange-roten Parallelen zu Ferrari sah das Auto unter dem Namen Midland mit seiner rot-grauen Lackierung dem McLaren Mercedes-Silberpfeil zum Verwechseln ähnlich.

Aber ähnliche Lackierungen liefern nicht den einzigen Diskussionsstoff über Originale und Fälschungen. Colin Kolles und Frank Williams beklagen sich sogar über zwei "Originale", die sich wie ein Bridgestone-Einheitsreifen dem anderen gleichen. Die Rede ist natürlich von den Kundenchassis, deren Einsatz Kolles als "illegal" und "Müll" bezeichnete. Eine juristische Auseinandersetzung und ein Protest beim ersten Rennen in Melbourne sind nicht auszuschließen.

Andererseits gab es solche Drohungen schon früher; zuletzt als Paul Stoddart 2005 mit einem nicht dem neuesten Aerodynamikreglement entsprechenden Minardi in Melbourne an den Start gehen wollte. Bis zuletzt drohte FIA-Präsident Max Mosley damit Minardi beim Scrutineering vom Rennen zu verbannen. Am Ende tauchte Stoddart doch mit einem regelkonformen Auto auf. Also alles nur medienwirksames Säbelrasseln? Kolles glaubt das nicht. Dennoch sagt er: "Red Bull hat Angst, sonst hätten sie Adrian Newey nicht über Nacht von Red Bull Racing zu Red Bull Technologies verschoben." Die Hoffnung auf ein Wunder gibt er nicht auf, wenn auch wohl nur im Spaß: "Vielleicht fahren sie ja mit einem zwei Jahre alten Minardi." Aber bitte mit einem regelkonformen Minardi...

Eine Antwort auf diese Frage gibt es vielleicht schon am kommenden Dienstag, wenn Toro Rosso in Barcelona seinen Press Day abhält. In typischer Red Bull-Manier ließ man sich aber noch ein Hintertürchen offen: "Das neue Auto könnte vielleicht oder vielleicht auch nicht fertig sein."

motorsport-magazin.com - das Original., Foto: adrivo Sportpresse
motorsport-magazin.com - das Original., Foto: adrivo Sportpresse

Kopieren von den Besten, Schnellsten und Findigsten ist in der Formel 1 aber nichts Neues - auch teamübergreifend. Sobald bei einem Auto ein neuer Flügel, Diffusor oder Flap auftaucht, wird dieser von den Spionen der Konkurrenz genau unter die Lupe genommen. Es werden Fotos angefertigt, Designstudien gemacht und erste Windkanalversuche durchgeführt. So verbreiteten sich die diversen aerodynamischen Hilfsmittel wie Heck- und Frontflügel genauso im Starterfeld wie Barge Boards, Winglets, Sichelflügel und die mittlerweile verbotenen X-Wings. Ohne das FIA-Verbot würde es heute sicher auch einige Variationen der Vertical Wings von BMW Sauber geben. Für den Erfinder bleibt in diesen Situationen nur eins: Wenn etwas kopiert wurde, dann weil das Original gut war.

Ein ganz extremes Beispiel hierfür ereignete sich im Jahre 1977. Damals setzte sich eine Gruppe von Ex-Shadow-Mitarbeitern ab, um das Arrows Team zu gründen. Der neue Arrows FA/1 war jedoch eine exakte Kopie des Shadow DN9. Während Shadow wegen Urheberrechtsverletzung vor Gericht zog, fuhr Riccardo Patrese im einzigen Grand Prix des FA/1 in Schweden auf Platz 2. Derweil baute Arrows in Rekordzeit von nur 52 Tagen das erste eigene Auto - den Arrows A1. Der Einsatz des FA/1 wurde danach gerichtlich verboten.

Kopien, Fälschungen und Nachahmungen gibt es aber nicht nur bei Rennautos. Auch andernorts wird im Motorsport total gerne kopiert. Die Besten werden eben überall nachgemacht. Zum Glück lässt sich Qualität nicht fälschen.