Viele Unkenrufer sahen Nick Heidfeld in letzter Zeit ja unter gewaltigem Druck - durch seine jungen BMW-Teamkollegen Robert Kubica und Sebastian Vetttel. Auch von massiven Spannungen zwischen ihm und dem Polen war die Rede, speziell nach dem Japan GP, als Nick - mit anderen, am Ende "falschen" Reifen unterwegs, aber nicht bereit war, Kubica kampflos vorbei zu lassen. Doch "Quick Nick" sieht das in Wirklichkeit alles recht gelassen: "Das wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird", sagte Heidfeld bei der BMW-Jahresabschlussfeier im schweizerischen Flims im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Ich habe kein Problem damit, junge, schnelle Teamkollegen zu haben - und Druck hat man in der Formel 1 sowieso immer. Das ist ganz normal."
Was den Mönchengladbacher eher ein bisschen stört, ist die etwas verzerrte öffentliche Wahrnehmung, die ihn dann manchmal unverdient schlecht aussehen lässt: "Die Leute erinnern sich oft an einzelne Ereignisse - etwa daran, dass Kubica mich in unserem ersten Qualifyingduell geschlagen hat. Aber dass es am Ende 5:1 für mich ausging, das wird dann eher weniger zur Kenntnis genommen. Genauso wie immer betont wird, wie viel schneller Robert eben im Japan-Rennen gewesen ist - ohne eben die Reifensituation zu berücksichtigen."
Oder dass man gar so einen Wirbel um die Freitagszeiten von Sebastian Vettel machte: "Das geht nicht gegen Sebastian, er ist ohne Zweifel ein großes Talent. Aber im Laufe der Zeit hätte sich doch schon mal herumgesprochen haben können, dass die Freitagsfahrer unter ganz anderen Vorraussetzungen antreten, das man ihre Zeiten mit denen der Stammpiloten wirklich nicht vergleichen kann."

Insofern ist er sogar sehr froh, auch 2007 wieder mit Kubica zusammen zu fahren: "Im Gegensatz zu früher, zu den ähnlichen Situationen mit Räikkönen oder Massa, die dann immer nach einem Jahr wieder weg waren und wo dann auch immer eher so Einzelsituationen hängen blieben - aber nicht das Gesamtbild. Im Laufe der Zeit relativieren sich nämlich viele Dinge..." Was er nicht laut sagt, aber sicher denkt: Was am Ende zählt, ist schließlich, wer mehr Punkte holt - und da werde man schon noch sehen, wer dann die Nase vorne hat.
Allgemein hofft Heidfeld für 2007 natürlich, dass der Aufwärtstrend bei BMW weitergeht, dass das Ziel, doch noch ein paar Mal öfter als in der letzten Saison auf dem Podium zu stehen, erreicht werden kann. "Und in der Konstrukteurs-WM würden wir uns natürlich auch gern noch weiter verbessern. Wobei der Sprung von Platz fünf noch weiter nach vorn sicher noch schwieriger ist als die Verbesserung von acht auf fünf, die wir jetzt geschafft haben. Denn da im Mittelfeld sind die Punktabstände doch eher gering - aber unser Abstand zum Vierten war schon gewaltig. Wir hatten 36 Punkte, die da vorne kommen schon bald an die 100 ran."
Nach den ersten Tests mit den Bridgestone-Reifen war er jedenfalls recht zufrieden: "Sicher sind sie langsamer, aber das Fahren macht immer noch genauso viel Spaß. Und innerhalb der früheren Michelin-Teams waren wir ja auch wieder gut mit dabei, das war schon ganz viel versprechend. Nur Ferrari hat halt noch einen ziemlichen Vorsprung. Das hatte ich allerdings auch erwartet, wenn auch vielleicht nicht ganz so extrem. Aber es ist ja logisch. Selbst wenn die Reifen jetzt anders sind, selbst wenn Bridgestone jetzt alle gleich behandelt, was ich wirklich glaube: Durch die langjährige Zusammenarbeit ist zwischen Ferrari und Bridgestone alles unglaublich verzahnt, man kennt gegenseitig alle Details. Es gibt sicher in der ganzen Bridgestone-Palette nicht einen Reifen, der nicht zum Ferrari passt. Deshalb sind die für mich auch erstmal ganz klar die Top-Favoriten für 2007."

diese Formel 1 Nachricht