Schwerer Ausnahmefehler. Wer kennt sie nicht, diese weiße Schrift auf blauem Bildschirmhintergrund? Michael Schumacher sind an den letzten beiden Rennwochenenden zu viele dieser schweren Ausnahmefehler unterlaufen. Denn normalerweise erlaubt sich der siebenfache Champion nicht so viele Patzer in einer Saison.

Nach der überfahrenen roten Flagge und den umstrittenen Manövern beim Ungarn GP erwartete sich Niki Lauda den viel umschriebenen "Null-Fehler-Job" von Schumacher. "Er darf bis Saisonende keinen Fehler mehr begehen", sagte der Österreicher vor Istanbul. "Michael muss mit vollem Risiko fünf fehlerfreie Rennen hinlegen, nur dann hat er für mich noch eine realistische Chance, die WM zu gewinnen."

In der Türkei ist ihm das gleich doppelt misslungen: Schumacher patzte sowohl im Qualifying als auch im Rennen. "Ich verstehe nicht, warum Michael auf einmal so viele Fehler macht", grübelte Lauda nach dem Rennen. "Er setzt sich zu stark unter Druck, vielleicht wird das besser, wenn seine Zukunft endlich geklärt ist."

Heute war Schumacher jedenfalls langsamer als Massa und Alonso, davon ist Lauda überzeugt. "Massa hat mit dem gleichen Auto wie Michael vom ersten Training an bis zur letzten Rennrunde eine Perfektion hingelegt, die zu seinem ersten GP-Sieg geführt hat - in einer Manier, wie man es nicht besser hätte machen können", lobte Lauda den Brasilianer im ORF. "Michael konnte sich hingegen schon im Training nur als Zweiter qualifizieren, obwohl er eigentlich die Nummer 1 im Team ist, und das Rennen haben wir ja gesehen. Das schmerzt besonders, weil der Junge im gleichen Ferrari gewonnen hat. Das ist für dieses Wochenende mal eine bittere Pille."

Die Kurzfassung all dessen lautet also: "Massa ist perfekt gefahren, Schumacher nicht. Vielleicht hat er ein Formtief", mutmaßte der Ex-Champion. "Was mich aber fasziniert: Nach Budapest war klar, dass diese Fehlerhäufigkeit nicht mehr passieren darf, aber sie passiert immer wieder in kleinen Details - gestern im Qualifying, heute wieder. Alonso hat verdient den zweiten Platz geholt, denn er fuhr in den letzten 15 Runden mit dem langsameren Auto ohne Fehler vor Michael."

Im Fahrerlager kommen deshalb wieder vermehrt jene Stimmen auf, die schon seit Jahren behaupten, dass Michael Schumacher unter Druck zu viele Fehler begehe. "Das ist unbestritten", stimmt Lauda zu. "Andere haben unter Druck eine wesentlich stabilere Fahrweise." Allerdings müsse man fairerweise bedenken, dass Schumacher trotzdem sieben Mal Weltmeister geworden sei. "Aber in der jetzigen Situation gibt es andere, die besser fahren als er. Massa war besser im gleichen Auto und Alonso war besser in einem unterlegenen Auto", gibt Lauda zu bedenken.

War der Türkei GP dann schon eine WM-Vorentscheidung? "Es kann eine sein. Wir wissen allerdings nicht, wie die nächsten vier Rennen ausgehen, aber die zwei Punkte könnten über das Schicksal entscheiden." Schließlich sind 12 Punkte nur sehr schwer in vier Rennen aufzuholen, da müssen sich Schumacher und Ferrari schon einen ganz besonderen Trick einfallen lassen. "Er kann sich nichts anderes einfallen lassen als einmal fehlerfrei zu fahren", wiederholte Lauda seine Forderung aus der Sommerpause. "Mehr kann er nicht tun, denn zwölf Punkte sind ein riesiger Vorsprung."