"Der Regen macht die Formel 1 spannend." Mit diesem Satz hielten sich die Experten in der alles andere als regenfreien Sommerpause nicht zurück. Nach Rennen wie dem eher einschläfernden Frankreich GP bot der Große Preis von Ungarn, entgegen den Erwartungen einer weiteren Prozession, alles, was man sich von einem Autorennen wünscht: Überholmanöver, Spannung, Zweikämpfe, Ausfälle, überraschende Wendungen...

Während die F1-Piloten sich danach wahrlich drei ruhige Urlaubswochen verdient hatten, gab es für die Fans zwei Möglichkeiten: Entweder sie entspannten sich mit den Fahrern und fischten jedes noch so kleine News-Sandkorn aus der Nachrichten-Wüste oder sie wagten einen Blick über den verregneten Tellerrand hinaus - etwa auf die GP Masters, die Formel 3 oder die DTM.

Denn auch diese drei Rennserien trotzten der modernen Motorsport-Krankheit: der Überholfeindlichkeit. So stand das dritte Rennen der Altherren-Serie GP Masters vor genau einer Woche im britischen Silverstone dem Ungarn GP in nichts nach. Im Gegenteil: Die Ex-Stars ließen es sogar noch mehr krachen! Fast im Sekundentakt segelten die Autos von der regennassen Fahrbahn. Auch die GPM bot demnach zur Genüge Überholmanöver, Spannung, Zweikämpfe, Ausfälle und überraschende Wendungen.

Um allen Experten zu beweisen, wie mächtig er ist, ließ der Wettergott am heutigen Sonntag gleich zwei weitere Exempel für Motorsport-Spaß im Nassen folgen: In der wetterwendischen Eifel bescherte er der Formel 3 Euro Series und der Deutschen Tourenwagen Masters je einen Regenschauer.

Schlecht für die Fans vor Ort, gut für die Fans vor dem TV., Foto: Sutton
Schlecht für die Fans vor Ort, gut für die Fans vor dem TV., Foto: Sutton

Zunächst waren die Nachwuchspiloten dran. Ungefähr zur Rennmitte setzte für einige Minuten Regen ein, der das Safety Car auf die Strecke brachte und in den letzten sieben Rennminuten vor dem Ablaufen der Uhr all das bot, was der Regengott schon in Ungarn und Silverstone den Fans geschenkt hatte: Überholmanöver, Spannung, Zweikämpfe, Ausfälle und natürlich überraschende Wendungen; sogar zwei Strafen waren dabei: Eine Zeitstrafe für eine Kollision und eine Durchfahrtsstrafe für das Missachten einer gelben Flagge, so etwas soll es in der Formel 1 ja auch schon einmal gegeben haben...

Gewonnen hat übrigens ein in F1-Kreisen keinesfalls Unbekannter: BMW Sauber-Teilzeittester Sebastian Vettel holte sich den zweiten Sieg in Folge; wenn auch nur durch die Zeitstrafe für seinen eigentlich siegreichen Teamkollegen Paul di Resta. Ohne Strafen aber genauso spannend ging es in der DTM weiter. Natürlich gab es auch hier Überholmanöver, Spannung, Zweikämpfe, Ausfälle und überraschende Wendungen zu bestaunen; der Regen vor dem Rennstart machte es möglich. Nur an der Spitze ließ sich einer nicht beirren: Pole-Mann Bruno Spengler fuhr einem niemals gefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen. Der zweite DTM-Triumph des Kanadiers dürfte auch in der Formel 1-Welt nicht unbemerkt geblieben sein, schließlich träumt der ehemalige Formel 3-Pilot von einem Aufstieg in die Königsklasse des Motorsports.

"Natürlich habe ich den Traum von der Formel 1", verriet uns Bruno vor einigen Wochen. "Aber jetzt will ich in der DTM gute Leistungen bringen und Rennen gewinnen. Das ist es, was für mich zählt." Am Norisring und am Nürburgring hat er dieses Etappenziel nun im Trockenen sowie Nassen erreicht. Wie für den zweiten Eifel-Regenkönig Sebastian Vettel bleibt für ihn nun noch der Traum von der Formel 1. Nur der Regensieger von Silverstone hat diesen bereits ausgeträumt; schließlich ist die F1-Karriere von Eddie Cheever seit 17 Jahren vorbei. Dank seiner Erfahrung weiß aber auch er: Der Regen macht die Rennen spannend...