Natürlich hatte ich die Hoffnung auch nach meinem dritten Einsatz als Freitagstester bei meinem Heimrennen in Hockenheim noch einmal in diesem Jahr im Auto zu sitzen, dass es aber so schnell gehen würde, hatte ich vorher nicht erwartet. Umso glücklicher war ich, dass mich das Team eingeladen hat nur eine Woche nach dem Deutschland GP auch in Ungarn im dritten Auto zu fahren.

Mein Freitag verlief ziemlich gut, insbesondere da ich die Strecke vorher ja nicht kannte. Um die Strecke kennen zu lernen, bin ich schon am Mittwochmittag angereist. Am Nachmittag drehte ich ein paar Runden mit einem Roller. Auf diese Weise konnte ich mir vorab die Kurvenfolge einprägen und mir einige Eindrücke von den Bodenwellen und Kerbs verschaffen. Das hat mir sehr geholfen.

3-2-1... Strecke gelernt

Es gibt Fahrer, die brauchen etwas länger um eine neue Strecke zu lernen, andere brauchen nicht ganz so viele Runden, um sich zurecht zu finden. Ich konnte mich bisher immer extrem schnell auf einen neuen Kurs einschießen und habe kein Problem damit, auf einer mir unbekannten Strecke zu fahren.

Nach ein paar Runden weiß ich, wo die Ideallinie liegt, wie schnell ich in die Kurven fahren darf und wo man die Kerbs überfahren darf beziehungsweise wo man sie besser meiden sollte. Wie in Hockenheim habe ich mich auch in Ungarn sofort im Auto wohl gefühlt und bin direkt mit der neuen Strecke zurecht gekommen. Nach 10 Runden hatte ich mich gut auf den Hungaroring eingeschossen.

Der Kurs an sich gefällt mir richtig gut und hat mir viel Spaß gemacht: Man erhält keine Chance sich auszuruhen, eine Kurve folgt auf die andere. Leider gibt es an einigen Stellen ziemlich viele Bodenwellen, aber das ist ja für alle gleich. Die Strecke bietet alles, was man sich als Fahrer wünscht: Schnelle Kurven, langsame Kurven, Schikanen und blinde Kurven, bei denen man beim Einlenken noch nicht sieht, wie weit man sich hinaustragen lassen darf - solche Kurven liegen mir eigentlich immer gut.

Gerade am Freitag war die Strecke noch sehr schmutzig und dadurch relativ rutschig. Den Unterschied hat man am Samstag deutlich sehen können: Als mehr Grip vorhanden war, wurden die Zeiten viel schneller. Ich bin dennoch mit meiner Leistung zufrieden. Ich habe mein Hauptziel erfüllt und war wieder schneller als die Stammfahrer. Außerdem konnte ich viele Runden zurücklegen und das komplette Programm abspulen. Insgesamt war es also ein guter Freitagstest.

Das Problem mit dem Graining

Ein wichtiger Punkt auf unserer Agenda waren die Reifen, die wir leider nicht richtig auf Temperatur bekommen haben. Der Grund dafür war simpel: Die Reifenwahl muss schon einige Wochen vor dem GP-Wochenende getroffen werden und da hatten beide Hersteller mit viel wärmeren Bedingungen gerechnet. Deshalb hatten sowohl Bridgestone als auch Michelin in Ungarn Graining-Probleme.

Dieses Graining, also das Abkörnen der Reifen, begann bei uns schon nach ein, zwei gezeiteten Runden. Die Auswirkungen des Grainings sind relativ leicht beschrieben: Das Auto untersteuert - es schiebt also beim Einlenken über die Vorderachse und fährt statt in die gewünschte Richtung lieber geradeaus. Umso mehr das Auto untersteuert, desto mehr Graining entsteht auf den Reifen - auf diese Weise schaukelt man sich in einen kleinen Teufelskreis hinein, der alles immer schlimmer macht.

Als Ausweg aus diesem Problem bleibt nur eins: Da die beiden Reifenmischungen bereits feststanden und die Temperaturen nicht gestiegen sind, muss man als Fahrer seinen Fahrstil an die Situation anpassen, dass heißt man darf es nicht übertreiben und die Reifen zu hart ran nehmen. Glücklicherweise veränderten sich die Streckenverhältnisse im Laufe des Wochenendes leicht, weshalb die Teams das Graining-Problem etwas besser in den Griff bekamen. Im Rennen herrschten dann im Nassen ohnehin andere Verhältnisse vor, wobei es mich schon gewundert hat, dass die Bridgestone-Intermediates jenen von Michelin auf nasser Bahn unterlegen waren.