Das war doch mal schön! Zu verdanken haben wir das dem Regen. Ansonsten hätte uns auch diesmal wieder eine langweilige Ungarn-Prozession gedroht. Andererseits ging es schon am Freitag mit dem Chaos los: Erst patzte Fernando Alonso im Freien Training, dann tat es ihm Michael Schumacher am Samstagmorgen gleich.
Natürlich waren die beiden unnötigen Fehler der Titelprotagonisten das Hauptthema im Paddock: Was ist da nur in die Weltmeister gefahren? Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht erklären. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auch nicht noch einmal viele Worte darüber verlieren. Nur so viel: Alonsos Manöver gegen Doornbos war absolut unnötig und hätte durchaus ins Auge gehen können - ganz zu schweigen von der Vorbildfunktion eines amtierenden Champions. Die Bestrafung für sein Überfahren der gelben Flagge im Freien Training empfand ich jedoch als viel zu hart.
Michaels Aktion war genauso unverständlich, wobei seine Reaktion hinterher typisch war: Anstatt Klartext zu reden und einen Fehler einzugestehen oder offen in den Mund zu nehmen, was seiner Meinung nach Sache war, begnügte er sich mit der wenig hilfreichen Aussage: Schaut Euch die Bilder an - Bilder, die zu diesem Zeitpunkt nicht freigegeben waren.
Kommen wir zum Rennen: Herrlich! Endlich hat es mal wieder Spaß gemacht Formel 1 zu schauen. Besonders toll war, dass einmal andere Fahrer und Teams vorne waren, die sonst oder unter normalen Bedingungen keine Chance auf den Sieg gehabt hätten - das gilt übrigens auch für den Sieger Jenson Button und seine Honda-Truppe.
Für die letzten 5 Rennen ist nun noch einmal richtig Pfeffer drin: Der WM-Kampf ist völlig offen und das Kräfteverhältnis für Istanbul noch lange nicht klar. Denn auch in den kommenden drei Wochen der Testpause wird in den Windkanälen und Simulationscomputern weiter gearbeitet - nur die Fahrer und Teamchefs können ihren Urlaub genießen.
Der Teufelskreis der "Experten"
Der Ungarn GP war einfach ein Knaller. Besonders packend waren die letzten Runden, in denen sich Michael gegen Pedro de la Rosa und Nick Heidfeld zur Wehr setzen musste. Das war Rennsport pur! Im Nachhinein ist es einfach zu sagen, dass Michael zusammen mit den anderen auf Trockenreifen hätte wechseln müssen. Da er erst kurz zuvor zu seinem regulären Stopp drin war, ist es durchaus verständlich, dass man versuchte nicht noch einmal zu stoppen. Als ihn 8 Runden vor dem Ende de la Rosa einholte, war es ohnehin zu spät, da galt es nur noch durchzuhalten - der Stopp hätte also entweder sofort kommen müssen, oder wie sie es versucht haben, gar nicht. Hinterher ist man eben immer klüger...
Absolut kein Fehler war es sich gegen Pedro und Nick zu wehren. Einige der so genannten Experten sagten ja nach dem Rennen, dass er die beiden einfach hätte kampflos passieren lassen sollen, damit er eben nicht Gefahr läuft sein Auto zu beschädigen und ohne Punkte auszuscheiden.
Solche Überlegungen sind doch totaler Quatsch! Wer so etwas fordert, schneidet sich und den Fans ins eigene Fleisch: Wir wollen alle Zweikämpfe und Überholmanöver sehen - und nicht, dass die Fahrer sich aus purer Höflichkeit gegenseitig vorbeiwinken. Alle die sich darüber beschweren, dass Schumacher seine Position auf der Strecke mit fairen Mitteln verteidigt hat, fordern garantiert im nächsten Atemzug, dass es mehr Überholmanöver und Duelle geben soll.
Und dann ist da noch zu beachten: Wenn er es geschafft hätte beide auf abgefahrenen Intermediates bis zur Ziellinie hinter sich zu halten, wäre er genau für diese Kritiker der größte Held aller Zeiten gewesen. Um den dreifaltigen Teufelskreis zu komplettieren muss natürlich noch die dritte Variante erwähnt werden: Denn diejenigen, die ihn jetzt dafür kritisieren die Gegner nicht vorbei gewunken zu haben, hätten ihn dann logischerweise dafür in der ungarischen Luft zerrissen, dass er als Feigling dem Zweikampf aus dem Weg gegangen ist.
Für mich hat er alles richtig gemacht: Er ist Rennfahrer und hat als solcher mit allen Mitteln versucht seinen 2. Platz ins Ziel zu retten. Schließlich betreiben wir in der Formel 1 Motorsport - auch wenn es manchmal (oder leider meistens) nicht so aussieht; in Ungarn war es aber der Fall.

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