Bei den Rennkommissaren des Ungarn GP jagte an den letzten beiden Tagen ein Meeting das andere. Dennoch kam bei den geladenen Fahrern nicht gerade Schnellrestaurant-Atmosphäre auf. Im Gegenteil: Dass sich Robert Doornbos bei seiner Anhörung vor der Rennleitung an die Schulzeit erinnert fühlte, war noch die harmloseste Beschreibung. "Man fühlt sich wie wenn man vor den Direktor zitiert wird", zog der Niederländer seinen Vergleich - dabei war er noch nicht einmal eines Vergehens beschuldigt worden, sondern nur als "Opfer" geladen gewesen.
Nico Rosberg war auch schon einige Male bei den Stewards und auch er hat alles andere als gute Erinnerungen an seine Besuche bei der Rennleitung. "Wenn man da hoch muss, ist man total angespannt", erinnert er sich. "Die Stimmung ist total ernst, alle schauen dich an und du kommst dir vor wie ein Schwerverbrecher - das ist kein schönes Gefühl."
Ganz besonders nicht, weil Rosberg durchaus den Eindruck hat, dass die einschüchternde Atmosphäre nicht das einzige Negative ist; auch die Meinung der Stewards stehe schon vorher fest und ließe sich selbst durch die "schönste Erklärung" und "besten Argumente" nicht mehr umdrehen.
In dieser Atmosphäre könnte das Auftreten von Fernando Alonso fehl am Platz gewesen sein. Denn der Spanier zeigte sich vor und nach der Anhörung bei den Stewards am Freitag höchst uneinsichtig und beinahe schon 'arrogant'. Seine Aktion sei "völlig normal" gewesen und er wisse überhaupt nicht, was die Rennleitung überhaupt von ihm wolle.
So richtig konnte das auch Nico Rosberg nicht verstehen. Für ihn war vor allem das Ausbremsen des Hintermannes nicht so "wild", höchstens das Schneiden von Doornbos sah er als weniger gut an - allerdings würde das ständig passieren. Aus diesem Grund empfindet Nico das Strafmaß der Rennkommissare als etwas "willkürlich". Ihm fehlt ein fester Strafenkatalog der genau regelt für welches Vergehen man welche Strafe erhält.
Komplett anders sieht dieses Thema Nick Heidfeld. "In meinen Augen ist es deutlich besser geworden", sagte er. "In diesem Jahr wird hart durchgegriffen. Die Strafmaße sind nicht eindeutig festgelegt, von daher gibt es da natürlich auch immer unterschiedliche Meinungen. Aber ich habe den Eindruck, dass insgesamt gleichmäßig härter bestraft wird als früher." Die Meinungen sind eben unterschiedlich.
Um zumindest das Problem von ignorierten oder besser übersehenen Flaggen zu beseitigen, wird schon seit einiger Zeit an einem System gearbeitet, das die drei Flaggensignale "rot", "blau" und "gelb" in die Cockpits der Fahrer übertragen und auf dem Lenkrad anzeigen soll. Allerdings gab es mit der ursprünglichen Version dieses Systems einige Probleme, weshalb momentan ein neues System erprobt wird, das vielleicht schon im nächsten Jahr dafür sorgen kann, dass die Vorladungen der Gelb-, Blau- und Rotsünder unter den 'Schwerverbrechern' etwas abnehmen...



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