Michael Schumacher und Fernando Alonso schenken sich im Titelkampf nichts. Beide gehen bis ans Limit und manchmal eben auch diesen berühmten Tick darüber hinaus - sowohl beim Kampf auf der Strecke als auch bei der Beachtung von Flaggen und Regeln.

Am Samstag führte dies zu dem seltsamen Bild, dass beide Fahrer zwar völlig unterschiedliche Ausgangspositionen und Zielsetzungen hatten, aber am Ende doch alles auf das gleiche hinaus lief - so viele Gemeinsamkeiten haben Titelrivalen selten; schließlich scheint sich Michael Schumacher nach dem vielen Wirbel um seinen WM-Gegner gedacht zu haben "Was der kann, kann ich schon lange" und überfuhr mal schnell im Freien Training zwei rote Flaggen.

Sagen darf man ihm das so natürlich nicht, sonst würde er sicher nicht so breit grinsen wie sein Ex-Teamboss Flavio Briatore. Der hatte nämlich trotz der "zu harten" Bestrafung seines Schützlings noch vor dem Qualifying sein Lächeln wiedergefunden. "Ich weiß nicht, was Michael heute gemacht hat, wie das passieren kann", grinste er, "vielleicht hat er es ja gemacht, um den Fans etwas zu bieten."

Sollte das der Plan gewesen sein, ging er im Qualifying prächtig auf. "Die ersten beiden Qualifying-Sessions waren heute noch spannender als sonst", freute sich Renault-Motorenmann Denis Chevrier. "Das war ein sehr ungewöhnliches Qualifying für mich", sagte Alonso, der in den ersten beiden Sessions wie Schumacher mit Vollgas gegen die Zeitstrafe anfuhr - am Ende aber nicht ganz so schnell war wie der Ferrari-Star. Genützt hat es beiden nicht viel: Sie starten beide aus dem Mittelfeld von den Rängen 11 und 15. "Durch Michaels Strafe habe ich nicht ganz so viel Boden verloren", freute sich der Spanier.

Rotsünder Schumacher kam das Vergehen teuer zu stehen., Foto: Sutton
Rotsünder Schumacher kam das Vergehen teuer zu stehen., Foto: Sutton

"Das Qualifying ist natürlich nicht so verlaufen, wie wir es uns erwartet haben", spiegelte Jean Todt die Aussage von Alonso wider. Da sind sie also wieder: Die vielen Gemeinsamkeiten der beiden WM-Anwärter. "Die beiden stärksten Autos starten im Mittelfeld - das verspricht ein spannendes Rennen", ist sich Chevrier sicher. Genauso sieht das Chefingenieur Pat Symonds.: "Hoffentlich wird Fernandos Fight mit Michael im Mittelfeld genauso spannend wie an der Spitze."

Dafür könnten unter anderem die Reifen sorgen. "Wir hoffen, dass sich die Konstanz unserer Reifen morgen auszahlen wird", hat Symonds ein gutes Ergebnis noch nicht abgeschrieben. "Unser Auto funktioniert gut mit den Michelins - ich konnte einige konkurrenzfähige Zeiten setzen und morgen sollte es sorgen noch besser werden", gibt sich auch Alonso kämpferisch. "Ich habe das Gefühl, dass wir dank der Konstanz der Reifen ziemlich stark sein werden"

Aber auch Jean Todt glaubt, dass das Ferrari-Bridgestone-Paket "sehr konkurrenzfähig" sein wird und Felipe Massa pflichtet bei: "Selbst auf alten Reifen können wir eine gute Pace gehen." Nur so richtig glauben möchte das dem Brasilianer niemand. Dafür waren die Eindrücke aus den Freien Trainings zu Michelin-lastig - andererseits ist niemand an diesem Wochenende so wirklich viele Long Runs gefahren. Lassen wir uns also überraschen...

Michael Schumacher baut vorsichtshalber aber auf andere positive Aspekte. "Zumindest stehe ich auf der sauberen Seite", versuchte er wenigstens etwas Positives aus dem Tag zu ziehen. "Hoffentlich kann ich am Start einige Plätze gutmachen und danach das Beste herausholen." Vielleicht kann Schumacher ja auch jene "gewisse Wut" dafür ausnutzen, die ihn zu seiner Fabelzeit im zweiten Qualifying-Abschnitt antrieb.

Aufgegeben hat er noch nicht, er spricht sogar in Nebensätzen noch vom Podium. "Ungarn ist nicht gerade zum Überholen geeignet, aber wir werden versuchen nach vorne zu kommen - auch Monaco ist keine Strecke, die für Überholmanöver bekannt ist und selbst da hat es geklappt", gibt sich Schumacher mindestens genauso kämpferisch wie Alonso - schon wieder ein dieser Gemeinsamkeiten. "Punkte sollten auf jeden Fall drin sein, ob wir auch noch aufs Podium fahren können, lässt sich nicht sagen." Aber wenn er nicht wenigstens insgeheim daran glauben würde, würde er genauso wenig wie Alonso noch darüber sprechen...