Fernando Alonso hat gestern nicht nur seinen siebenten Saisonsieg, den vierten hintereinander respektive seinen insgesamt 14. Sieg eingefahren - womit er hinter Michael Schumacher bereits der siegreichste der aktuellen Piloten ist - er hat auch Reifengigant Michelin den hundertsten Sieg beschert.

"Der hundertste Sieg ist ein wichtiger Meilenstein für jedes unserer Mitglieder, hier an der Strecke und in der Fabrik in Clermont-Ferrand", erklärte Nick Shorrock, der Formel 1-Direktor von Michelin respektive der "Compagnie Generale des Etablissements Michelin", wie die Firma mit vollem Namen heißt.

F1-Direktor Nick Shorrok bedankte sich beim Team., Foto: Sutton
F1-Direktor Nick Shorrok bedankte sich beim Team., Foto: Sutton

In Clermont Ferrand hat auch alles begonnen. Im Jahr 1863 gründeten die Gebrüder Edouard und Aristide Barbier die Firma, diese lief mittelprächtig - doch als beide Brüder verstarben, ging es abwärts - die Barbier-Familie suchte jemanden, der die Firma wieder auf Vordermann bringt und fand Andre Michelin, der in die Familie eingeheiratet hatte. Doch der erfolgreiche Geschäftsmann hatte zu wenig Zeit für die Firma, weshalb er sie seinem Bruder Eduoard übergab, einem Künstler. Dieser hatte in punkto Business wenig Ahnung - dafür war er ein kreativer Visionär, der auf dem noch jungfräulichen Gebiet der luftgefüllten Reifen revolutionäre Lösungen einbrachte. Mit der Zeit brachte sich auch Andre wieder in die Firma ein. Nach großen Erfolgen im Radsport nahmen die Michelin-Brüder 1895 höchst persönlich mit einem Daimler an einem Autorennen, dem Rennen Bordeaux-Paris-Bordeaux, teil - natürlich mit ihren luftgefüllten Pneus. Mit der auch an die Nachkommen "vererbten" Mischung aus Kreativität und Geschäftssinn konnten danach, neben schlimmen Phasen wie dem Zweiten Weltkrieg, viele Erfolge erzielt werden - auch in der modernen Formel 1.

"Michelin hat 14 Saisonen auf diesem Level teilgenommen und alle bis auf eine Handvoll dieser hundert Siege wurden gegen eine harte Konkurrenz erzielt. Das ist die wahre Essenz der Formel 1 und ich möchte allen danken, die an unserem Erfolg mitgewirkt haben", sagte Shorrock. Michelin nahm an 206 Formel 1-GP teil - davon 100 zu gewinnen, ist keine schlechte Bilanz. Michelin belegt den zweiten Platz in der ewigen Siegerliste - angeführt wird diese freilich von Goodyear mit 368 Siegen, bei 495 GP-Teilnahmen.

Harter Kampf um Platz 2

Wie hart die Konkurrenz beziehungsweise der Kampf um Platz 2 in der ewigen Siegerliste, gegen Bridgestone, ist oder besser war, zeigt die Tatsache, dass die Japaner nach 164 GP-Teilnahmen bei 97 GP-Siegen halten. Die Gummigiganten lieferten sich ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen um die runde Zahl 100. Für Michelin kommt der Rekord gerade recht - heute feiert man das hundertjährige Jubiläum der erfolgreichen Kooperation mit Automobilhersteller Renault. 1906 gewann das Gespann das erste wahrgenommene Grand Prix-Rennen, den "GP de l'Automobile Club de l'Ouest".

Ein Renault-Pilot holte den 1. und den 100. Sieg., Foto: Sutton
Ein Renault-Pilot holte den 1. und den 100. Sieg., Foto: Sutton

Der doppelte 100er kommt auch insofern genehm, als dass sich am kommenden Wochenende in Indianapolis jenes Desaster, der "Petit Prix der USA" mit sechs Bridgestone-Autos am Start, jährt, bei dem die ganze Welt erfahren musste, dass Michelin zu weiche Reifen im Gepäck hatte. Allerdings sei erwähnt, dass Michelin dies damals auch ohne Umschweife zugab.

Dazu kommt: So süß derartige Seriensiege - wie sie die Franzosen mit ihrem weltberühmten "Michelin-Männchen" derzeit bejubeln dürfen - auch schmecken - für die Teammitglieder hat dieser Tage jeder gefeierte Erfolg auch einen bitteren Beigeschmack - wenn die Gedanken auf den Unfalltod des obersten Firmenchefs Edouard Michelin oder den zum Saisonende bevorstehenden Abschied aus der Formel 1 fallen. Bridgestone wird dann die Alleinherrschaft in der Formel 1 antreten, der Wettbewerb auf dem Reifensektor wurde von der Sportbehörde FIA zwangsweise beendet, um Kosten einzusparen. Spätestens im kommenden Jahr feiert dann auch Bridgestone den hundertsten Sieg.