Kimi Räikkönens Fehler in der vorletzten Runde bietet für die Spekulationen um seine Zukunft eine herrliche Vorlage. Denn hätte der Finne schon bei Ferrari unterschrieben, dann wäre sein Fehler in der vorletzten Kurve ein willkommenes Geschenk für seinen zukünftigen Rennstall gewesen.
Dabei ist Räikkönen wahrscheinlich ein ganz normaler Fahrfehler unterlaufen. Aber in seinen Gedanken scheint er nicht mehr allzu viel Loyalität für sein Team zu spüren, denn das Rennergebnis kommentierte er mit den Worten: "Es ist eigentlich egal, ob man das Rennen als Zweiter oder Dritter beendet, wenn man nicht gewinnen kann. Zumal ich nicht mehr um den WM-Titel kämpfe."
Solche Töne kommen sicher nicht sonderlich gut bei McLaren-Mercedes an. Dazu kommt, dass Räikkönen der Meinung war, "dass die Performance wahrscheinlich sowieso nicht gereicht hätte, um heute Renault zu schlagen." Da ist Martin Whitmarsh, der Geschäftsführer von McLaren-Mercedes entschieden anderer Meinung. "Wir hatten ganz klar die Möglichkeit zu siegen."
Auch Michael Schumacher wurde danach gefragt, ob Kimi Räikkönen nun mit noch offeneren Armen bei Ferrari empfangen würde. Da musste der deutsche lachen. "Vor drei Jahren ist in Magny-Cours etwas Ähnliches passiert", sagte er. "Es war sicher keine Absicht, und heute mit den Bedingungen, als sich der Asphalt aufgelöst hat, war es sehr schwer zu fahren. Es gab zehnmal mehr Dreck und Steine auf der Strasse als bei normalen Bedingungen. Es war wie Schmierseife, wenn man von der Linie abgekommen ist. Und ich hatte es hinter ihm einfacher, weil ich gesehen habe, was passiert ist."

Anscheinend war die Stimmung bei McLaren nicht die beste nach dem Rennen. Kimi Räikkönen wusste ja nicht mal, ob bei seinem ersten Boxenstopp der rechte Hinterreifen gewechselt wurde oder nicht. "Ich habe keine Ahnung, ich habe nicht in den Spiegel geschaut", sagte der Finne. Diese Reaktion erregte den Teamchef Ron Dennis. "Natürlich wurde er gewechselt", sagte er direkt nach dem Rennen zu motorsport-magazin.com. "Das Ganze lag an ihm, weil er seinen Fuß beim Boxenstopp nicht auf dem Bremspedal hatte."
Räikkönen wehrte sich gegen diese Anschuldigungen. "Es war nicht mein Fehler", sagte er. "Das Problem war, dass die Kupplung nicht funktioniert hat. Es hat aber sicher nicht geholfen, dass ich dann noch Gas gegeben habe." Das war wohl der Grund dafür, dass das Rad noch gedreht hat, was den Mechaniker unsicher machte, ob das Rad nun fest sitzt oder nicht. Ganz klar muss man aber sagen, dass die Kupplung die Ursache für das Chaos war. "Ron hat sich die Sache sicher noch mal angeschaut und gesehen, dass es nicht mein Fehler war. Zumindest war er nicht sauer auf mich", sagte Räikkönen motorsport-magazin.com.
Auch Martin Whitmarsh klang nicht so, als würde er Räikkönen die Schuld geben, auch wenn er nicht der Meinung war, dass es egal ist, ob man Zweiter oder Dritter wird. "Lieber verliere ich den zweiten als den ersten Platz", sagte er.
Dennoch zeigen die Reaktionen, dass es im Team gärt. Und ganz sicher ist der Grund dafür der drohende Abschied des Finnen. Schließlich ist es so, dass Ron Dennis beim möglichen Weggang von Räikkönen wohl gezwungen ist, 2007 Lewis Hamilton neben Alonso fahren zu lassen. Denn Montoya ist nach dem Rennen in Kanada erst recht kein ernst zu nehmender Kandidat mehr für das zweite Cockpit.

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