Zum 53. Mal werden am kommenden Wochenende die Formel 1-Boliden in Monaco die für eine Stadt übliche Geschwindigkeitsbegrenzung massiv übertreten. Einmal mehr werden die brüllenden Motorensounds von den glatten Häuserwänden in ein endloses Echo gezwungen werden. Einmal mehr werden die so genannten "Schönen und Reichen" die zahlreichen Fernsehkameras suchen wie die Mücken das Licht, um der Welt zeigen zu können, wie schön und wie reich man eigentlich ist. Und einmal mehr werden die im Medienwald vertretenen Medien den Vergleich "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer" jeweils mindestens einmal zur Anwendung bringen.
Der Grand Prix im Fürstentum hat Tradition - bereits im Jahr 1929 wurde der erste Grand Prix abgehalten, in den Kriegsjahren verstummten die Formel 1-Motoren im Fürstentum. Kurios ist die Tatsache, dass die 36. Amerikanische Infanterie Division im August 1945 ein eigenes Rennen in den Häuserschluchten abhielt - einen Gleichmäßigkeitsbewerb mit Jeeps und Lastkraftwägen.

Bekannt ist die Tatsache, dass in Monaco nicht nur die elitäre Formel 1 einmal pro Saison zu Gast ist, sondern dass auch seit langer Zeit jene Automobillenker einmal jährlich im Zwergstaat antreten, welche im Bewältigen von engen Bergstraßen, Schotterwegen, Sandwüsten und Schneekuppen die wahre Kunst des Fahrens erkennen - die Teilnehmer an der Rallye-Weltmeisterschaft.
Senna ist der Mister Monaco
Bemerkenswert ist, dass es noch Rekordlisten gibt, die nicht von Michael Schumacher angeführt werden. Die Siegerliste von Monaco gehört zu diesen seltenen Pflänzchen, denn dort nimmt der selige Ayrton Senna mit sechs Siegen den Spitzenplatz ein. Graham Hill und Michael Schumacher schafften es fünfmal in die Fürstenloge, Alain Prost gewann viermal, Stirling Moss und Jackie Stewart je dreimal. Schumacher könnte also mit einem Sieg mit Senna gleichziehen und sollte er seinen Ferrari-Vertrag im Herbst seiner Karriere verlängern, könnte er auch diesen Rekord noch für sich in Anspruch nehmen. Seit 2001 jedoch versucht der siebenfache Weltmeister vergeblich, den Monaco-GP zu gewinnen.

Die Rekordliste zeigt: Monaco ist eine selektive Strecke - sogar in Zeiten wie diesen ist dort das Fahrkönnen ein wesentlicher Faktor im Kampf um den prestigeträchtigen Sieg. Es gab aber auch "Eintagsfliegen", die ausschließlich in Monaco ganz oben auf dem Siegerpodest standen: Jean-Pierre Beltoise war 1972 im Regen unschlagbar, gewann danach aber keinen einzigen GP mehr. 1996 erzielte Olivier Panis seinen ersten und einzigen GP-Sieg.
Kabarett, Kabarett
Chaotisch und absurd war das Rennen im Jahr 1982. René Arnoux übernahm vom Start weg die Führung vor Bruno Giacomelli, Ricardo Patrese, Alain Prost und Didier Pironi. In Runde 15 drehte sich Arnoux, der Motor starb ab, die Führung übernahm Prost. Doch Patrese holte auf. Später setzte Regen ein. Schon zuvor war das Rennen recht turbulent verlaufen, doch was nun passierte, riss die TV-Zuschauer tatsächlich von den Stühlen: In Runde 74 schlug Prost in der Schikane heftig in die Barrieren ein, der Franzose kam mit Beinverletzungen relativ glimpflich davon. Patrese übernahm nun die Führung.

Doch schon in Runde 75 drehte sich der Italiener in der Loews-Haarnadel. Pironi übernahm die Führung, wurde jedoch bald schon immer langsamer, der Sprit ging ihm aus. Die Führung hätte eigentlich Andrea de Cesaris übernommen, wenn ihm nicht im gleichen Moment ebenfalls der Sprit ausgegangen wäre. Jetzt wäre Mansell der neue Führende gewesen, doch in der Zwischenzeit haben Streckenposten Patrese angeschoben, da sein Wagen nach dessen Dreher an einer gefährlichen Stelle stand. Das Auto rollte im Leerlauf den Berg runter und sprang wieder an. Patrese fuhr einfach den GP fertig - er wusste nicht, dass er einen der lustigsten F1-GP gewonnen hatte.
Tragödien
Leider gab es auch schreckliche Tragödien in Monaco. 1967 verunfallte Lorenzo Bandini in der Schikane so heftig, dass der Wagen Feuer fing, Bandini wurde von den lodernden Flammen getötet, er verbrannte bei lebendigem Leib. Im schwarzen Jahr 1994 musste die F1-Welt um den Tiroler Karl Wendlinger bangen, nachdem man zuvor bereits Roland Ratzenberger und Ayrton Senna verloren hatte. Wieder passierte das Unglück in der Schikane. Wendlinger schlug mit seinem Sauber so hart ein, dass er für zwei Wochen ins Koma fiel. Er selbst kann sich an nichts mehr erinnern. In einem Gespräch erklärte er: "Mir hat mein Arzt erklärt, dass der Unfall so schrecklich war, dass sich das Gehirn schützt, indem es diese Daten einfach löscht."
Löschen wird man den Monaco-GP wahrscheinlich nie - zu groß ist dessen Marktwert, zu wichtig ist der Event, das Rundherum. Auch wenn die Strecke im Vergleich zu den heute üblichen generösen Auslaufzonen gängiger Formel 1-Strecken einen nicht ungefährlichen Dinosaurier in Sachen Sicherheit darstellt.
Am Ende stellt sich eigentlich nur noch die eine Frage: Ob man in 3.000 Jahren statt "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer" wohl "Raumschifffliegen im Heimsatelliten" sagen wird?

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