Trotz seines Sieges in Imola hatte die Konkurrenz Michael Schumacher nicht auf der Liste der möglichen WM-Kandidaten. Von einer Eintagsfliege war die Rede und der Nummer Eins Gegner im Kampf um die diesjährige Krone sei nur Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes. Dieses Bild hat sich nach dem letzen Rennen am Nürburgring etwas geändert, und auch die Konkurrenz muss anerkennen, dass die Scuderia wieder da ist. Renault-Chefingenieur Pat Symonds musste jetzt zugeben, dass man in Ferrari im Kampf um die diesjährige Meisterschaft einen ernstzunehmender Gegner habe.
Momentan sei es zwar schwer zu sagen, wo Ferrari und Renault leistungsmäßig genau stünden, insbesondere, da auch die Michelin-Reifen von Renault und die Bridgestone-Gummis der Ferrari von Strecke zu Strecke unterschiedlich seien. "Sie waren hier (am Nürburgring) sehr konkurrenzfähig," so Symonds zu Autosport. "Ich bin zwar sicher, dass sich das von Rennen zu Rennen ändert, aber ich denke, sie sehen wirklich sehr stark aus."

Renault müsse einfach akzeptieren, dass Ferrari schneller war und auch die Reifen an den roten Autos besser funktioniert hätten als erwartet. "Bei dem Rennen vor dem zweiten Boxenstopp haben wir wirklich alles gegeben und Michael hatte auf alles eine Antwort. Sie waren definitiv schneller als wir," musste Symonds einsehen. Eine Tatsache, die Ferrari besonders stolz macht, ist aber auch, dass man diese zwei Siege sogar mit demselben Motor erringen konnte und Ferraris Motorenchef Paolo Martinelli ist voll des Lobes über sein gesamtes Team.
Während Renault die ersten drei Siege der Saison mit verschiedenen Motoren einfuhr, gelang es Michael Schumacher als erstem Fahrer, zwei Siege mit ein und demselben Motor der neuen V8-Generation zu erringen. "In Imola waren wir nur halb zufrieden," sagte Martinelli der Gazzetta dello Sport, "aber jetzt (nach dem Rennen am Nürburgring) können wir sagen, wir haben unsere Mission erfüllt. Ich hoffe, dass dieser Doppelerfolg aber erst der Beginn eines Trends ist."
Nach den ersten beiden Rennen, in denen Ferrari von Motorenproblemen heimgesucht wurde, gingen in Maranello die Lichter nicht mehr aus, bis man den Fehler an den Kolben gefunden hatte. Jetzt käme es darauf an, die Leistung des Motors weiter zu verbessern, erklärte Martinelli. "Wir haben, seit wir die Zuverlässigkeitsprobleme gelöst haben, das Beste aus dem V8 herausgeholt und zusammen mit den Aerodynamik-Verbesserungen am Chassis haben wir jetzt ein Paket, das siegfähig ist." Trotzdem werde es aber auf gar keinen Fall so leicht werden wie 2004, das gesteckte Ziel - den Gewinn der Weltmeisterschaft - zu erreichen. "Das ist eine neue Saison und wir werden hart kämpfen müssen."
Dieses Kampfes ist sich auch Ferrari Sportdirektor Jean Todt bewusst, denn trotz der beiden Siege seines Starfahrers Michael Schumacher konnte man nur vier Punkte auf den immer noch führenden Fernando Alonso aufholen und der Spanier liegt weiterhin komfortabel dreizehn Punkte vorne. Gäbe es noch das alte Punktesystem, bei dem der Sieger zehn Punkte bekam, der Zweite aber nur sechs anstatt jetzt acht, sähe es etwas besser aus. Todt sagte jetzt, dass das neue Punktesystem, das Ende 2002 eingeführt wurde, für sein Team alles andere als ideal sei, aber es würde zumindest beweisen, dass die FIA Ferrari nicht bevorzuge.
"Dieses System ist ein Teil der Änderungen, die eingeführt wurden, als Ferrari so dominant war und sollte verhindern, dass wir schon Mitte der Saison, zum Beispiel (wie 2002) in Magny-Cours den Titel in der Tasche hätten," sagte der Franzose zur Gazzetta dello Sport. "Im Sinne des Sports haben wir das akzeptiert. Es gibt Leute, die sagen, dass die FIA ihre Entscheidungen nach unserem Willen trifft, aber es scheint so, dass sie auch Dinge tun, die für uns nicht vorteilhaft sind."
Damals wollte man den Kampf um die Weltmeisterschaft so lange wie möglich offen halten, aber jetzt müsse man eben auch die neuen Regeln akzeptieren. "Es kommen aber noch viele Rennen und da kann man schon noch aufholen," so Todt weiter. "Außerdem, Kimi Räikkönen hatte auch ein tolles Rennen, es sind also nicht nur Renault und wir, die um die WM kämpfen."

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