Innerhalb einer Woche hatte ich die seltene Gelegenheit, drei grundsätzlich verschiedene motorsportliche Klimagebiete zu betreten: Zunächst das Grand Prix Masters mit Mansell, Fittipaldi & Co in Katar: streng britisch vom Racing Spirit bis zum Essen - die Formel 1, wie sie mal gewesen sein muss.

Dann die GP2 am Ring - streng französisch geführt und daher chaotischer und schlampiger als es die Italiener je könnten. Quasi die Formel 1, wie sie sicher nie sein wird.

Und dann die Formel 1 - mit 4 deutschen Fahrern, 2 wechselnden Testfahrern und Aber-Millionen an deutschem Investment nicht erst seit heuer eine ziemlich deutsche Angelegenheit.

Eines zur Klarstellung: Wer einen österreichischen Pass besitzt, der geht mit Lob am übermächtigen großen Bruder im Norden traditionell sehr sparsam um. An den Deutschen schätzen wir in erster Linie ihre bemühten Versuche, uns beim Skifahren nachzueifern. Und dass sie unseren Tourismus seit Jahrzehnten am Leben halten. Und dass sie uns bei "Wetten, dass..." immer so schön mitmachen lassen.

Dafür bekommen sie von uns Niki Lauda bei RTL geliehen und neben Mozart und einem steuerschonenden Wohnort für deutsche Sportgrößen beliefern wir sie seit einiger Zeit vor allem mit Red Bull.

Auf dem Nürburgring war heuer eine lange nicht mehr gekannte Begeisterung für die Formel 1 zu spüren. Prall gefüllte Campingplätze ab dem Donnerstag, die Wiederauferstehung von Michael Schumacher hat ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlt. 300.000 Menschen an 4 Tagen, darunter jede Menge Familien, die einfach nur eine gute Zeit gemeinsam unter gleich gesinnten - zumeist in Rot gehaltenen - Rennfans verbringen. Ist nicht das genau worum es in der Formel 1 geht?

Vielleicht hatten viele aber auch das dringende Gefühl, es könnte das letzte Mal sein, Michael Schumacher am Nürburgring fahren zu sehen?

Überhaupt habe ich seit Beginn dieser Saison das Gefühl, dass der entthronte Weltmeister wie ein Phantom über dem Fahrerlager schwebt. Es ist scheinbar völliger Stillstand im Formel 1-Getriebe eingetreten, solange sich Michael nicht öffentlich äußert, wie seine Zukunft nach 2006 aussehen wird.

Die am meisten gestellten Fragen seit Saisonbeginn: Hört er auf - oder doch nicht? Geht Räikkönen zu Ferrari, auch wenn Schumi weiterfährt? Und wie sieht die Formel 1 im Jahr 2008 aus? 12 Teams? Oder doch mehr? Hallo? - Wir schreiben 2006 und wir haben eine Weltmeisterschaft!!

Doch Schumi ist nicht der einzige Deutsche, der den Fans am Ring Freude bereitet hat: Höchste Anerkennung und großes Interesse für Nico Rosberg. Wann ist ein Rookie zuletzt so stark in die Formel 1 eingestiegen? Und wann hat er dabei so bedingungslos die Herzen von Fans wie Presse im Sturm erobert? Nico Rosberg ist der Speed von Räikkönen gepaart mit der Disziplin von Alonso und dem Charme von Johnny Herbert.

Und die großen Feldzüge in der Formel 1 finden ohnedies nicht mehr ohne Mercedes oder BMW statt. Der neue Themenpark der Bayern läutet überdies eine neue Ära in der Fan-Betreuung ein. Den Fans ist der Schritt vom geduldeten Zaungast zur begehrten Marketing-Zielgruppe endgültig gelungen.

Die Karawane am Ring kam höchst freiwillig - niemand musste sie mit ausgetüftelten Tricks an die Strecke locken wie in exotischen Locations. Die Hotelbetten und Pensionen zwischen Köln und Koblenz waren seit Monaten ausgebucht.

Und anders als in Monaco oder Montreal kommt der Fan hier garantiert nicht wegen des exklusiven Abendprogramms zum Grand Prix. Es wäre verdammt schade, wenn die Eifel in Zukunft wirklich auf die Ersatzbank im Kalender müsste.