Der Nürburgring. Er war groß und mächtig, Ehrfurcht einflößend - ein Superstar unter den Rennstrecken. Die "grüne Hölle" - die Bezeichnung spricht für sich. 1925 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, zwei Jahre später wurde das erste Rennen auf dem sage und schreibe 22 Kilometer langen Kurs abgehalten. Eigentlich waren es zwei Strecken - die ellenlange Nordschleife und die Südschleife - der Fahrerlagerbereich wurde von beiden genützt. 1935 feierte dort Tazio Nuvolari einen seiner größten Erfolge auf einem Alfa Romeo. 1957 erlebten die Fans eine elektrisierende Aufholjagd von Juan Manuel Fangio, 1968 siegte Jackie Stewart im dichten Nebel und mit bandagiertem Handgelenk.

Der alte Nürburgring und die Formel 1 - heute ist das unvorstellbar. 172 Kurven! Den Pole-Rekord fuhr Niki Lauda im Jahr 1975 - mit einer Rundenzeit von 6:58.6 Minuten! Damals wäre es unmöglich gewesen, die gesamte Strecke mit Kameras voll zu pflastern. Es gab "tote" Zonen, dort standen keine Kameras. Und auch keine Ärzte.

Der Feuerunfall

1. August 1976. Ein Tag zum Fürchten. Am Morgen stürzt in Wien die Reichsbrücke ein, unglaublich! Ein glücklicherweise fahrgastloser Autobus steht mitten in der Donau. Und es kommt noch schlimmer an diesem hochsommerlich heißen Tag. Niki Lauda, der vor dem Rennen wegen der massiven Sicherheitsmängel einen Nürburgring-Boykott vorschlug und von seinen F1-Kollegen überstimmt wurde, verunglückt im Rennen. Sein Ferrari brennt lichterloh. Verzweifelte Marshalls können nicht helfen. Doch dann passiert etwas ganz anderes - die Piloten Arturo Merzario, Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl parken ihre Autos und helfen. Lauda erzählte, dass ihm Merzario wie ein Engel erschien, als der ihn aus dem Auto zog. Jahre später hat er sich bei Merzario für die Rettung seines Lebens bedankt.

Deutschland 1976 - letzter GP auf der Nordschleife., Foto: Sutton
Deutschland 1976 - letzter GP auf der Nordschleife., Foto: Sutton

Der Unfall hatte Folgen. Die FIA entzog dem Nürburgring die F1-Lizenz. 1982 wurde der neue, kleine und den modernen Ansprüchen des Motorsports gerecht werdende Nürburgring erbaut. Jedes Land darf prinzipiell nur ein Formel 1-Rennen abhalten - doch in der Formel 1 ist bekanntlich alles möglich, und so erfand man die Großen Preise für Europa oder auch für San Marino oder Luxemburg.

Der erste Europa-GP fand 1983 in Brands Hatch statt, ein Jahr später wurde er dann erstmals auf dem neuen Nürburgring abgehalten. Alain Prost hieß dort der Sieger. 1985 durfte der Nürburgring sogar den GP von Deutschland abhalten - doch dann war auch schon wieder Schluss. Es gab Vertragsprobleme, der neue Ring wurde kritisiert, hielt dem Vergleich mit dem legendären Vorgänger nicht stand, die Formel 1 wandte sich ab. Der Nürburgring konnte die folgenden Jahre aber auch ohne die Königsklasse überleben.

Die Rückkehr in die Eifel

Doch dann eroberte ein Junge, der nur rund 60 Kilometer vom Ring entfernt, im kleinen Ort Kerpen aufwuchs, die Formel 1 im Sturm - der Erfolg von Michael Schumacher löste einen unvorstellbaren F1-Boom in Deutschland aus. Und so kehrte die Formel 1 1995 zurück in die Eifel. Als Grand Prix von Europa. 1997 und 1998 wurde auf dem Nürburgring der GP von Luxemburg abgehalten, seit 1999 fand dort unverändert der Europa-GP statt.

Die Schumacher-Brüder im Jahr 1997., Foto: Sutton
Die Schumacher-Brüder im Jahr 1997., Foto: Sutton

Im September 1997 war der Nürburgring übersät mit Rotkäppchen, "Schumi" war nach seinem Einstandsjahr bei Ferrari bereits wieder in der Lage, um den Titel zu kämpfen, sein großer Rivale hieß Jacques Villeneuve. Doch am Renntag mussten die Fans mit ansehen, wie Schumacher schon am Start von einem Konkurrenten abgeschossen wurde - und dieser Konkurrent war niemand geringerer als dessen Bruder Ralf. Zerknirscht erklärte er: "Ich wurde von Fisichella angefahren und mein Auto wurde hoch geschleudert und landete auf jenem von Michael." Der große Bruder nahm es mit Fassung: "That's racing."

Ein Unsicherheitsfaktor im "Racing" ist auch das Wetter - und das hat schon öfter Regie geführt in der Eifel. Auch im Jahr 1999 fand der Grand Prix Ende September statt. Die Fans erlebten eines der verrücktesten Rennen in der Formel 1-Geschichte.

Der verrückte Grand Prix

Schon am Start kracht es im Mittelfeld - was zu einem fürchterlichen Überschlag von Diniz führt, der Überrollbügel bricht, der Sauber sieht zum Fürchten aus, der Brasilianer übersteht nahezu unverletzt diesen Horrorcrash. Nach dem Ende der Saftey Car-Phase beginnt es zu regnen. Unvergessen der Boxenstopp von Eddie Irvine - Ferrari schraubt dem Titelkandidaten nur drei Räder aufs Auto - wutschäumend und hilflos sitzt der Mann in seinem aufgebockten Renner, eine Lachnummer. Ralf Schumacher überholt Coulthard und macht Druck auf den Führenden Frentzen. Der Regen lässt nach, es wird wieder zurück auf Slicks gewechselt. Coulthard führt, doch dann setzt der Regen wieder ein und Coulthard kreiselt von der Strecke. Ralf Schumacher übernimmt die Führung, doch es ereilt ihn ein Reifenschaden. Giancarlo Fisichella übernimmt die Führung, doch er begeht einen Fahrfehler, pflügt durch die Wiese, bleibt dort stecken. Und so gewinnt Johnny Herbert auf Stewart vor Prost-Pilot Jarno Trulli und Rubens Barrichello im zweiten Stewart.

Die Sieger des verrückten Europa-GP 1999..., Foto: Sutton
Die Sieger des verrückten Europa-GP 1999..., Foto: Sutton

In den Jahren 2000 und 2001 wurden die Fans mit Siegen von Michael Schumacher verwöhnt. Die große Ferrari-Ära war längst zum F1-Alltag geworden. Doch 2002 verlor Schumacher das Rennen wegen eines Drehers, und aus politischen Gründen. Er konnte weiterfahren und lag direkt hinter der "Nr.1B" der Scuderia, Rubens Barrichello. Doch es gab keine Stallorder. "Rubinho" durfte den Sieg einfahren, weil die Scuderia zuvor in Österreich das berühmte "Kasperltheater" veranstaltet hatte, indem man Barrichello, der das Wochenende dominiert hat, zurückgepfiffen hat, dieser demonstrativ kurz vor dem Ziel Schumacher passieren ließ und dieser dann am Siegerpodest generös seinen Siegerplatz an Barrichello abtrat. Was zu einem Buh-Konzert und einem waschechten Skandal führte. Noch einmal wollte man das nicht erleben.

2003 kam Ferrari nicht in diese Verlegenheit. Michelin dominierte das Geschehen - die Fans auf dem Nürburgring durften trotzdem feiern - denn am Siegerpodest stand Ralf Schumacher auf oberster Treppe. Im Jahr darauf war gegen Michael und Rubens kein Kraut gewachsen. Im Vorjahr stand erstmals in diesem Jahrtausend keiner der Schumacher-Brüder auf dem Nürburgring-Podest. Dafür sprang Nick Heidfeld mit seinem zweiten Platz hinter Fernando Alonso in die Presche.