Zwar sind beide im Hause Red Bull angestellt, doch mit David Coulthard und Scott Speed prallen offensichtlich zwei verschiedene Welten aufeinander. Der eine gilt als typisch britischer Gentleman, der andere hat sich binnen kurzer Zeit das Image eines in gewisser Weise rotzfrechen Grenzgängers angezüchtet, welches er selbst am Saisonbeginn mit der Aussage aufpoliert hat, dass er mit seiner Überheblichkeit bislang am besten gefahren sei.

Als die beiden in Melbourne Auge in Auge vor den Stewards standen, warf Speed Coulthard das berühmte "F"-Wort an den Kopf, angeblich sei Speed kurz vor einem tätlichen Angriff gegenüber Coulthard gestanden. Der US-Boy war außer sich, weil er den kurz zuvor noch heftig umjubelten ersten WM-Punkt für sich und seine Scuderia Toro Rosso gleich wieder verloren hatte, weil er David Coulthard unter Gelb überholt hatte. Speed sei angeblich davon ausgegangen, dass ihn DC quasi "verpfiffen" habe, doch in Wahrheit meldete Coulthard lediglich über Boxenfunk, dass ihn Speed unter Gelb überholt habe, die Stewards hörten routinemäßig den Funk ab und ermittelten von sich aus.

"Nein, ich kann die Reaktion von Scott Speed nicht verstehen", erklärte Coulthard nun in Imola. "Ich kenne die Regeln und in erster Linie geht es darum, dass man unter gelber Flagge nicht überholen darf. Die Stewards zeigten ein Video und das zeigte drei Autos - eines hatte einen Crash, ein anderes überholte ein langsameres und ein drittes überholte bei voller Geschwindigkeit, während eine große gelbe Flagge geschwungen wurde", erklärte der Schotte.

"Das war alles und ich bin erstaunt, dass man heute noch über diesen Vorfall spricht. Es ist nicht unfair, wenn jemand bestraft wird, weil er eine Regel gebrochen hat. Es ist unfair, wenn es jemand nicht getan hat und er vor vollendete Tatsachen gestellt wird", fügte DC hinzu.

Den aufbrausenden Scott Speed hat er bei dieser Anhörung recht intensiv erlebt, kennen würde er den Toro Rosso-Youngster nicht wirklich, sagte Coulthard. Einen Freund hat Scott Speed bei dieser Anhörung ganz sicher nicht in David Coulthard gewonnen - DC klingt immer noch ziemlich verschnupft: "Ehrlich gesagt kenne ich Scott nicht. Er ist ein GP2-Fahrer, der drei GP bestritten hat und der ein Teil jener Organisation ist, für die auch ich arbeite. Nur weil wir für die gleiche Firma arbeiten, bedeutet das nicht, dass ich alles über Scott Speed weiß. Ich weiß, wie er bei der Anhörung reagiert hat und dass er zu 5.000 Dollar Strafe verurteilt wurde, weil er in Gegenwart der Stewards geflucht hat. Das ist auch schon alles."