Wenn die Motoren am Sonntag nach dem Rennen in Imola wieder abgestellt sind, werden wir mehr über das tatsächliche Kräfteverhältnis in der Formel 1 wissen als nach den ersten drei Überseerennen. Neue Teile und Motorausbaustufen werden einige Teams - so hoffen sie - besser dastehen lassen als bisher. Am verwirrendsten ist die Situation momentan aber sicher bei Toyota. Probleme, die Reifen auf Temperatur zu bekommen bei den ersten beiden Rennen, trotz heißer äußerer Bedingungen, und ein Podiumsplatz von Ralf Schumacher im herbstlichen Australien geben nur wenig Aufschluss, wo die Japaner wirklich stehen.
"Wenn man den Reifenhersteller wechselt, dann dauert es natürlich eine Weile bis man genügend Erfahrung mit der Firma gesammelt hat und auch mit dem Produkt," erklärte Ralf Schumacher in einem Interview mit Autosport. "Die Reifen haben sich kontinuierlich weiterentwickelt und man kann ganz klar erkennen, dass Ferrari schon so lange mit ihnen (Bridgestone) zusammen ist. Trotzdem muss man immer clevere Entscheidungen treffen (damit alles funktioniert)." Toyota müsse jetzt ganz schnell einige Dinge über die ungewohnten Gummis lernen, meint Ralf.

"Letztes Jahr waren wir in punkto Reifenverschleiß im Grunde die besten von allen, deshalb konnten wir auch immer die weichste Mischung von Michelin nehmen," so Ralf Schumacher weiter. Der Toyota war und ist bekannt dafür, dass er sehr schonend mit den Reifen umgeht, was vielleicht auch ein Grund für die Temperaturprobleme sein könnte. "Bei Williams haben wir fünf Jahre lang einen unglaublich hohen Reifenverschleiß gehabt und haben nie herausgefunden warum. Jetzt ist es genau umgekehrt und wir müssen auch verstehen lernen, warum das so ist."
Gibt es Konstruktionsfehler beim TF106?
Weisen diese Probleme vielleicht darauf hin, dass das Auto in eine falsche Richtung entwickelt wurde? Ralf Schumacher meint, nein, das sei nicht das Problem. "Das macht keinen großen Unterschied. Das, was das Auto wirklich schnell macht, ist die Aerodynamik, ein gutes Getriebe vielleicht, die Zeit eines Schaltvorgangs, das Gewicht und ein guter Motor. All das wird von den Reifen nicht beeinflusst, solange man keine wirklichen Konstruktionsfehler am Auto hat. Und die haben wir nicht."
Der Konstrukteur des TF106, Mike Gascoyne, wurde nur wenige Tage nach Melbourne überraschend entlassen. Eine Entlassung, deren genaue Gründe noch immer im Dunkeln liegen. Ralf Schumacher jedenfalls unterstützt die Entscheidung Gascoynes, den TF106, bei dem vieles vom letztjährigen TF105 übernommen wurde, schon am Anfang der Saison zum Einsatz zu bringen und mit dem neuen Auto noch bis zum Grand Prix von Monaco zu warten. Die Bedeutung dieses neuen Autos spielt Schumacher allerdings etwas herunter.
"Ich würde es jetzt nicht ein ganz neues Auto nennen!" erklärt er. "Es ist einfach eine andere Philosophie. Das Auto, das wir jetzt haben, ist dem des vergangenen Jahrs sehr ähnlich, außer bei der Aerodynamik. Vom Chassis her und auch die Front des Autos ist sehr ähnlich zu letztem Jahr. Wir haben den Motor lieber etwas länger in diesem Auto und stecken etwas mehr Entwicklungszeit hinein, deshalb kommt unser neues Monocoque eben etwas später, das ist aber nicht ungewöhnlich. Das hatten wir bei Williams auch schon und auch bei Jordan."
Man wollte das neue Auto eben nur früh genug fertig haben, um mit dem V8-Motor und dem neuen Getriebe ausreichend testen zu können. "Wir haben das gesamte Heck verändert und wir waren nicht sicher, ob das ein Schritt in die richtige Richtung war oder nicht. Es hat sich herausgestellt, dass das goldrichtig war, aber das weiß man ja vorher nicht. Deshalb hatten wir alles so früh fertig und das war eine gute Entscheidung."
Nach seinem Podiumsplatz in Melbourne erwartet Ralf Schumacher für den weiteren Verlauf der Saison noch einiges, ist sich aber auch bewusst, dass er Geduld haben muss. "Es ist immer frustrierend, wenn man nicht gewinnen kann, wir sind schließlich alle hier um zu gewinnen." Solange man wisse, dass man das Potential habe, gewinnen zu können, sei das aber nicht so schlimm. "Ich habe es immer gemocht, mich selbst und das Team bis an die Grenzen zu fordern. So war ich schon immer, während meiner gesamten Karriere. Daher macht es mir auch nichts aus, vielleicht noch ein paar Jahre länger so weiter zu machen wenn das Resultat dann am Ende stimmt."

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